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Weder Waffengeil
noch scharf auf Army-Dress
Schwule Schweizer
Offiziere gruppieren sich und streben nach Offenheit
Die Militärs
tun sich heute schwer mit dem Thema Homosexualität. Es muss aber
den Obersten, selbst ohne Geheimdienstnachforschungen, klar sein, dass
auch Schwule Dienst am Vaterland tun, meist unentdeckt als gemeines Fussvolk,
aber auch als Offiziere. Eine vorerst kleine Gruppe will nun das negative
Image korrigieren und nach innen wie nach aussen offener auftreten. Schwule
im Schweizer Militär waren, als es den "Hilfsdienst" noch
gab, gerade mal HD-tauglich, wenn es hoch kam. Zu schmächtig und
kraftlos erschienen sie den Aushebungsoffizieren für eine Aufgabe
in den übrigen Truppengattungen. Und es gab Zeiten, in denen die
zur Aushebung Einberufenen für dienstuntauglich erklärt wurden,
wenn sie nur glaubhaft machen konnten, dass sie wegen ihrer sexuellen
Präferenz den normalen Ausbildungsablauf einer Rekrutenschule durcheinander
bringen könnten. In der Antike sah man das andersrum. Tiefe Männerfreundschaften
waren den Heerführern sogar sehr willkommen. Versprachen sie sich
davon doch weniger Verluste im Schlachtengetümmel. Sollte ein Krieger
in höchster Gefahr sein, würde sein Geliebter ihm
zu Hilfe eilen, ihn erretten und gmeinsam würde der Gegner bezwungen.
Wer es im Geschichtsunterricht nicht mitbekommen hat, erfährt es
spätestens in diesen Tagen im Kino: Alexander der Grosse, der erfolgreichste
Heerführer und Krieger in der Antike, hatte bei all seinen Eroberungszügen
seinen Geliebten Hephaiston an seiner Seite. Heute gehen die Militärs
von Ost bis West mit der Homosexualität verkrampft um. In der US
Army und Navy würde man am liebsten auf Schwule verzichten. Doch
je länger, je mehr fürchtet man Klagen wegen Diskriminierung
und duldet Homosexuelle auch in diesem "Job". Mehr als geduldet
sein möchten jedoch einige junge Schweizer Offiziere. Silvan Amberg
strebt mehr Offenheit an. Er hat sich auf die Suche gemacht nach schwulen
Offizieren. In diesen Tagen traf man sich erstmals in einer kleinen Gruppe.
Für Cruiser sprach Daniel Berger mit Amberg über die Ziele,
die man sich nun gesetzt hat.
"Unser Treffen
hat nichts mit sexuellen Vorlieben für Uniformen zu tun"
Silvan Amberg gibt Auskunft über die Gruppe "Schwule Offiziere"
Interview von Daniel
Berger
Daniel Berger:
Wie ist die Idee entstanden, schwule Offiziere zu einem gemeinsamen Treffen
zusammenzubringen?
Silvan Amberg: Als ich mich vor zwei Jahren entschied, eine Offizierslaufbahn
einzuschlagen, war ich der Überzeugung, als Schwuler eine absolute
Ausnahme zu sein. Dies lag daran, dass Homosexualität in der Armee
auch heute noch tabu ist. Kaum jemand outet sich; vor allem nicht, wenn
er auf eine Beförderung hofft. Im Laufe der Zeit lernte ich jedoch
immer mehr schwule Offiziere kennen und es war jedes Mal äusserst
interessant, mit ihnen Erfahrungen zum Coming-Out im Militär auszutauschen.
Das Offizierstreffen war nun ein einfaches Experiment: Alle schwulen Offiziere,
die ich erreichen konnte, an einem Abend zu versammeln und zu schauen,
was passiert. Verstehen sich die Leute? Besteht ein Bedürfnis nach
weiteren Anlässen? Und welcher Art sollten diese sein?
D.B.: Siehst du
ein Bedürfnis für einen solchen Stamm, wen genau möchtest
du damit ansprechen und welche Ziele verfolgst du?
S.B.: Aus den am ersten Treffen geäusserten Meinungen lassen sich
drei Ziele herauskristallisieren:
o die Vernetzung und die Förderung der Kameradschaft unter den schwulen
Offizieren. Sie stellt die Basis für unsere Zusammenarbeit dar. Nur
wenn wir uns persönlich gut kennen, werden wir unsere Kräfte
bündeln und etwas erreichen können.
o die Sensibilisierung der Armee auf das Thema Homosexualität. Sowohl
Miliz- als auch Berufskader sollen sich mit diesem Thema auseinandersetzen.
Sie sollen zur Überzeugung gelangen, dass ein schwuler Angehöriger
der Armee genau gleich gute Arbeit leisten und Motivation zeigen kann
wie sein heterosexueller Kamerad.
o die Förderung des Images der Armee bei den Homosexuellen. Als Offiziere
liegt uns viel am Image der Armee in der Gesellschaft. Leider ist es heute
so, dass viele Schwule deshalb eine negative Einstellung zum Militärdienst
haben, weil sie sich nicht akzeptiert fühlen. Wir wollen aufzeigen,
dass jeder Schweizer, auch ein homosexueller, Freude am Militärdienst
haben und auch davon profitieren kann, ohne in ständiger Angst vor
einem Outing zu leben.
D.B.: Zum ersten
Treffen kamen ja viele Interessierte in die Wildsau-Bar. Ist das Lokal
mit der Fetisch-Ausrichtung absichtlich gewählt?
S.A.: Dass wir die Wildsau-Bar als Lokal für unser erstes Treffen
gewählt haben, hängt einzig damit zusammen, dass einer der Geschäftsführer
selbst Offizier ist und uns das Lokal freundlicherweise zur Verfügung
gestellt hat. Nein, unser Treffen hat rein gar nichts mit einem Fetisch
zu tun und wir werden uns sicher auch an anderen Orten treffen. Für
viele Teilnehmer war es der erste Besuch in einem Fetisch-Lokal - allerdings
ausserhalb der Öffnungszeiten - und sie können sich nicht damit
identifizieren. Wir schliessen aber keine Offiziere aus, die einen Fetisch
ausleben.
D.B.: Könntet
ihr euch vorstellen, auch mit den Green Berets zusammen zu arbeiten?
S.A.: Diese Zusammenarbeit sehen wir überhaupt nicht. Unser Treffen
ist gesellschaftlicher, politischer Natur und hat überhaupt nichts
mit sexuellen Vorlieben für Uniformen zu tun. Eine Zusammenarbeit
mit den "Green Berets" würde deshalb keiner Seite etwas
bringen. Falls jemand Offizier ist und gleichzeitig einen Fetisch hat,
kann er aber gerne bei beiden Gruppen mitmachen.
D.B.: Wie oft finden
eure Treffen statt und seid ihr da alle jeweils in Uniform?
S.A.: Wie regelmässig die Treffen schlussendlich stattfinden werden,
hängt von der Motivation der Teilnehmer ab. Wir sehen uns eher als
ein lockeres Netzwerk mit gemeinsamen Zielen und Aktionen, als einen Club
oder eine wöchentliche Selbsthilfegruppe. Vorerst wird wohl ungefähr
jeden Monat ein Treffen stattfinden - in ziviler Kleidung - um allen schwulen
Offizieren die Gelegenheit zu geben, einmal vorbeizuschauen.
D.B.: Wie offen
schwul kann heutzutage ein Offizier in der Schweizer Armee leben? Gibt
es bei euch Erfahrungsaustausch zu diesem Thema?
S.A.: Der Erfahrungsaustausch ist natürlich einer der interessantesten
Aspekte dieses Treffs. Die geäusserten Voten zusammenfassend kann
man sagen, dass sich die meisten Offiziere gar nicht, und wenn, nur bei
engeren Kameraden oder erst am Ende einer Dienstleistung geoutet haben.
Jeder Schwule weiss selbst, wie belastend es sein kann, ungeoutet zu sein
und trotzdem sehen viele wenig Sinn darin, sich gleich zu Beginn des Militärdienstes
zu outen. Meiner Meinung nach braucht man sich nicht zu verstecken und
kann sich im persönlichen Gespräch auch outen. Ich habe selbst
erlebt, wie Leute, welche viele schwulenfeindliche Sprüche gemacht
haben, ihre Einstellung durch den persönlichen Kontakt völlig
geändert haben.
D.B.: Wie kann
ein interessierter schwuler Offizier mit euch Kontakt aufnehmen?
S.A.: Am einfachsten per Mail an queerofficers@gmx.ch.
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