Rob ist Mr. Leather Switzerland 2005
Internationaler Gedankenaustausch ist wesentlicher Bestandteil bei Ledertreffen

Interview von Kurt Büchler

CRUISER: Am 29. Januar bist du gewählt worden. Was tut Mr. Leather Switzer-land 2005 während eines Jahres?

ROB: Mr. Leather Switzerland 2005 steht meiner Ansicht nach auf der Schnittstelle zwischen Lederszene und übriger Gay-Community. Ich möchte beitragen, von der allgemein herrschenden Ansicht, dass Ledergays oft alt, bärig, schmutzig oder versifft sind weg zu kommen. Ich entspreche mit Sicherheit dem Gegenteil dieses "alten" Images. Dies war auch einer der Gründe, mich bei der Wahl zu bewerben. Leder ist ein Lifestyle, der durch alle sozialen Schichten und Alterskategorien geht. Oft wird Leder mit den geheimnisvollen und interessanten SM-Rollenspielen in Verbindung gebracht. In jüngster Vergangenheit hat ein bedauerlicher Vorfall innerhalb dieser Szene gezeigt, dass es dringender Aufklärung und Informationsarbeit bedarf. Während meiner Amtszeit werde ich mit meinem Team und der Zürcher Aids-Hilfe eine Kampagne lancieren, die den SM-Verhaltenscodex auf eindeutige und verständliche Art erklärt. Neueinsteigern in die Lederszene stelle ich mich als Ansprechpartner zur Verfügung auch, für die aktive Mitarbeit bei der HIV-Prävention. Als Mr. Leather Switzerland habe ich auch die Aufgabe, die Schweizer Lederszene bei nationalen Anlässen, wie beim traditionellen "Zürich Interna-tional - Pfingsttreffen" der Loge70 und bei internationalen Leder-Events zu vertreten.

Wann und wo wird der "International Mr. Leather" gewählt?
Der "IML" wird jedes Jahr im Mai in Chicago gewählt.

Gehst Du hin,und wenn, wie stehen Deine Chancen?
Bis Chicago ist noch ein weiter Weg. Da ist zunächst im September die Wahl zum "Mr. Leather Europe 2005" in Amsterdam, bei der ich meinen Mitbewerbern gegenüberstehen werde. Jeder Teilnehmer hat die gleichen Voraussetzungen, und es entscheidet die jeweilige persönliche Präsentation sowie die während des Auftritts gewonnene Sympathie des Publikums und der Jury.

Was bedeutet der Titel für Dich persönlich?
Es freut mich natürlich, dass mir so viel Vertrauen, Kompetenz und Verantwortung seitens der Wähler entgegengebracht wurde und ich will mich hier nochmals recht herzlich dafür bedanken, auch bei meinen Sponsoren, ohne die gar nichts möglich sein wird. Ich bin sicher, dass der Titel meine Persönlichkeit nicht verändern wird. Die erwähnten Ziele und Aktivitäten werden in den nächsten Wochen und Monaten meine Freizeit zu einem grossen Teil beeinflussen. Das Ergebnis rechtfertigt jedoch den persönlichen Einsatz... so hoffe ich wenigstens.

Erzähl uns ein wenig über Dich selbst.
Die Frage, die ich am wenigsten mag (...lacht). Ich denke, ich bin in der Szene mittlerweile kein Unbekannter mehr. Viele kennen mich persönlich vom Ausgang, aus der Lederszene oder vom Chat. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich Leder interessant und nicht zuletzt auch erotisch finde. Leder ist für mich einerseits Fetisch, andererseits aber auch Lifestyle. Leder gilt für mich als intensives Zusammenspiel von physischen und psychischen Gefühlen und ich versuche so oft als möglich, "meinen" Lifestyle - u.a. auch beim Sex - auszuleben. Ich mag die Kombination von Leder und Metall, praktiziere meine Vorlieben vorwiegend in dafür geeignet eingerichteten Locations. Ich lasse mich gern von einem erfahrenen Gegenüber führen, lebe aber bei einem weniger erfahrenen (Sex-) Partner oder "Newcomer" genauso gern meine eher softe, dominante Ader aus.
Ich möchte hier nicht noch näher auf mein liebstes Hobby eingehen, bin mir aber bewusst, dass mein zweitliebstes Hobby, das Tauchen, die nächsten 12 Monate wohl eher in den Hintergrund rücken wird. Was meinen Beziehungsstatus betrifft, der lautet seit über einem Jahr "Single". Wirklich überzeugt bin ich jedoch nicht davon. Es wäre schön, einen Partner zu finden, der meinen Lifestyle teilt.

Es macht Spass, als Titelträger verantwortungsbewusst manchmal mehr, manchmal weniger im Rampenlicht zu stehen. Die modernen Kommunikationsmittel wie Internet, E-Mail und Newsgroups eröffnen auch im internationalen Bereich interessante Möglichkeiten. Virtuelle Kontakte zu Clubs und anderen Titelträgern werden durch persönliches Kennenlernen bei Ledertreffen national und international vertieft. Internationales Denken und Handeln ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Treffen, um Zusammenhalt, Toleranz und Akzeptanz innerhalb der Community weiter zu festigen.

www.loge70.ch/mr.leather

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