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Vom Land-Kino zum
Zürcher Filmfestival
Pink Apple ist heute
schweizweit das bedeutendste schwullesbische Filmfestival
Von Martin Ender
Pink Apple. Wer hat's erfunden? Nein, es waren nicht die Zürcher,
die heute stolz sind auf ihr schwullesbisches Filmfestival. Es nahm seinen
bescheidenen Anfang im Kanton Thurgau. Den Organisatoren war die Begegnung
wichtig und dieser Idee sind sie in Frauenfeld treu geblieben. Dass heute
das Angebot in Zürich umfangreicher und wichtiger geworden ist, darüber
sind sie nicht unglücklich.
"77 Filme an
ein Festival zu holen, wie wir das letztes Jahr getan haben, ist ein riesiger
Arbeitsaufwand und kostet eine Menge Geld", sagt Roland Loosli, Pink
Apple-Mann der ersten Stunde. Damals hatte eine Gruppe in Frauenfeld die
Idee, im Kanton Thurgau einen Begegnungsort für Schwule und Lesben
zu schaffen. Der Filmabend sollte Anreiz zur Begegnung sein.
Die Anfänge
Loosli erzählt von den allerersten Anfängen in der kleinen Gruppe:
"Wir waren alle vom Film begeistert und nahmen uns vor, in Frauenfeld
Filme mit schwullesbischen Inhalten zu präsentieren. Wir hatten alle
noch nie einen Filmanlass organisiert und gebucht. Aber wir haben es gewagt
und wir erkundigten uns bei Leuten, die sich in dem Business auskannten.
Natürlich war das weit mehr Arbeit, als wir dachten. Aber eines Tages
im Mai konnten wir starten und wir präsentierten die Filme jeweils
wöchentlich am Sonntagabend in einem lokalen Kino in Frauenfeld.
Während gut eines Monats waren das etwa zehn Filme. So ist Pink Apple
im Thurgau entstanden."
Öffentliches
Coming Out
Obwohl die
allermeisten in der Gruppe ihr Coming Out in der Familie und im engen
Freundeskreis hinter sich hatten, machten die Organisatoren eine neue
Erfahrung. Das Coming Out in der Öffentlichkeit. Einige hatten schon
ihre Bedenken, schliesslich war man in der Gegend verwurzelt. Und vor
rund zehn Jahren war Homosexualität auf dem Lande ein verschwiegenes
Thema. Roland Loosli erinnert sich. "Es gab Leute, die einen auf
einmal ansprachen und die Presse fand das äusserst spannend. Das
war natürlich, abgesehen von unseren anfänglichen Bedenken,
ein Glück für uns. Wir konnten Interviews geben, die wurden
gedruckt, Pink Apple schaffte eine Bekanntheit und die schwullesbische
Lebensweise wurde auf einmal ein Thema - durch die Filme und durch uns
als Personen." Gegenstimmen gab's natürlich auch, es gab Attacken
von extrem rechten Kreisen, es gab eine kleine Demo von Konservativen
gegen die Filme, und Plakate wurden weggerissen.
Der Schritt nach
Zürich
Ein Filmfestival zu organisieren bedeutet Aufwand, kostet Geld. Und die
Thurgauer Organisatoren liebäugelten schon lange damit, die Filme
andernorts ein zweites Mal zu zeigen. So könnten Kosten geteilt werden.
Da kamen ihnen die Eurogames und damit verbunden die Geburtsstunde des
Zürcher Kulturmonats "Warmer Mai" gerade recht. In diesem
neuen Kultur-Festival war das Thema Film noch nicht besetzt. "Das
haben wir erfahren und wir haben uns angeboten", so Loosli und weiter
meint er: "Der Anspruch an uns selbst ist damit natürlich gestiegen.
Wir wollten in Zürich ein noch besseres Programm bringen mit Perlen
und mit neuen Filmen, die man sonst nirgendwo zu sehen bekommt. Man muss
zu Pink Apple gehen dafür. Seit dieser Zeit zeigen wir eine ganze
Reihe von Filmen, die man in der Schweiz exlusiv zu sehen bekommt. Nicht
mal an andern schwullesbischen Festivals."
Zürcher Institution
geworden
In den ersten Jahren startete Pink Apple in Frauenfeld und kam danach
mit dem Filmangebot nach Zürich. Heute wird das Festival in Zürich
eröffnet und hat sich zum namhaftesten schwullesbischen Filmfestival
der Schweiz entwickelt. Die Organisatoren erheben aber weiterhin den Anspruch,
in Frauenfeld Begegnungsort zu sein.
Noch steht das Programm
nicht bis ins letzte Detail fest. Gezeigt werden Kurzfilme, Spielfilme
und Dokumentarfilme. Die meisten Filme sind topaktuell, gezeigt werden
aber auch beliebte "milestones". Zur Tradition geworden im Pink
Apple-Festival ist der Wettbewerb. Er wird jeweils im Herbst in den Filmschulen
ausgeschrieben. Es gibt auch Filmschaffende, die sich inzwischen bei Pink
Apple melden, und teilweise werden sie auch an andere, Festivals eingeladen,
mit ihrem Film am Film-Wettbewerb teilzunehmen. Unter Duzenden von Filmen
trifft der Kern der Pink Apple Gruppe einen Vorentscheid und eine Jury
wählt während des Festivals den Gewinner. Der Preis ist mit
Fr. 2000.- dotiert.
Pink Apple Filmfestival
Zürich, Arthouse Movie
5. - 11. Mai 2005
Frauenfeld, Cinema Luna
13. - 15. Mai
Infos und vollständiges
Programm unter http://www.pinkapple.ch
Eine Internetlösung
der
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