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Dachkantine mal andersrum
Einer
der angesagtesten Clubs der Schweiz öffnet sich dem Gay-Publikum
Von Boris Schneider
Die Dachkantine macht
auf schwul: Nach Pinkflash am Pfingstsonntag buhlt La Vache Qui Rit jeden
zweiten Donnerstag ums ausgangshungrige Partyvolk. Die Dachkantine im
siebten Stock der ehemaligen Toni-Molkerei in Zürich West gilt schon
länger als einer der angesagtesten Clubs der Schweiz, wo international
bekannte DJ-Grössen regelmässig Halt einlegen. Jetzt geht es
dort plötzlich schwuler denn je zu und her: Am Pfingstsonntag ging
die Pinkflash-Party über die Bühne, die von über 600 Leuten
besucht wurde. Und alle zwei Wochen, jeweils am Donnerstag buhlt fortan
La Vache Qui Rit nach einer gelungenen Eröffnung um schwules Publikum,
das auch unter der Woche gern mal ausgeht.
Persil-Ersatz im
siebten Stock
Hinter La Vache Qui Rit stecken der Unzip-Mann und DJ David "Dada"
Daniel, Phil Rust, Chris Schärer, Remo Nodari und Michelle Schuhmacher.
"Die Idee zu La Vache Qui Rit kam uns, nachdem das Persil am Mittwoch
im Provitreff seine Tore endgültig schliessen musste",
erzählt Phil. Nach dem von rund 400 Leuten besuchten Eröffnungsabend
hofft die ganze Crew jetzt darauf, dass sich der Anlass - auch dank der
schönen Dachterrasse - im Sommer als "neues Persil" etablieren
wird. Musikalisch setzt man auf die Karte Minimal Techno - und auf Überraschungen:
"Wir möchten den Gays einmal andere Musik als Mösen-House
und Melody-Trance bieten", schmunzelt David. So werden vornehmlich
DJs
engagiert, die auch selber Tracks produzieren und die noch nicht sehr
häufig oder noch gar nie vor schwulem Publikum aufgetreten sind,
wie etwa Minus 8, Tweak oder CEO Müller. Geplant ist am 30. Juni
auch ein Punk-Abend: "Das ist sicher keine versteckte Offstream-Party,
wir werden andere Musik spielen, echten Punk eben", versichert Phil.
Generell wünschen sich die Macher ein Publikum, das Überraschungen
schätzt: "Wer nur weggeht, weil er genau weiss, was ihn erwartet,
ist eher nicht der Gast, den wir uns wünschen", so David.
Volles Haus bei
Pinkflash
Am Pfingstsonntag schliesslich haben Andreas, Najat und Aytu die Dachkantine
an ihrer Pinkflash-Party mit über 600
tanzwütigen Menschen gefüllt. Was auffiel: Das Publikum war
ausserordentlich schwul - und wer nicht schwul war, war ausserordentlich
gut drauf und tolerant. "Ich setzte auf persönlichen Kontakt
beim Verteilen von Flyern. Man muss die Leute persönlich einladen
und ihnen nicht einfach wortlos einen Flyer in die Hand drücken",
verrät Aytu. Dass es wieder eine Pinkflash-Party geben wird, ist
klar. Der Zeitpunkt allerdings noch nicht. "Ich will mich nicht festlegen",
sagt Aytu. Ab und zu denke er sich, dass es wieder an der Zeit sei, dem
schwulen Partyvolk eine Alternative an einem neuen Ort zu bieten. Wenn
sich wieder eine ähnliche Gelegenheit wie am Pfinstsonntag böte,
würde er sicher wieder von sich hören lassen.
Dass die Dachkantine plötzlich mehrere schwule Anlässe hintereinander
über die Bühne gehen lässt, mag erstaunen. Gemunkelt wird
in der Szene auch, dass der Club damit sein Image aufpolieren und ein
gewisses Hetero-Publikum fernhalten will. Fest steht, dass auch die Betreiber
an den Gay-Parties ihre Freude haben - aus durchaus pragmatischen Gründen:
"An den Schwulenparties geht es weniger hektisch zu, als wir es uns
sonst gewohnt sind. Hinzu kommt: Im Schlepptau der Schwulen tauchen auch
hin und wieder hübsche und interessante Frauen auf, die unsere anderen
Veranstaltungen weniger oft besuchen", schmunzelt Nader von der Dachkantine.
Zu hoffen bleibt, dass sich der schwule Donnerstag im siebten Stock auch
durchsetzt.
La Vache Qui Rit
am 2., 16. und 30. Juni
jeweils ab 21 Uhr,
Dachkantine Zürich
Eine Internetlösung
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