Schneekäppchen & Rumpelröschen
Das Schwule Theater Zürich mit seiner neusten Produktion

Von Kurt Büchler

Rotkäppchen will endlich einen Mann, der Wolf hat eine Ehekrise und greift zur Flasche, Gretel wird zickig, Hänsel will von Dornröschen acht Kinder, die Zwerge pflanzen Hanf, die böse Stiefmutter hat eine Alterskrise. Und der Prinz möchte endlich als Frosch geküsst werden. So parodiert das Stück die Märchen der Gebrüder Grimm auf absurde, komödiantische, witzige Art. CRUISER sprach mit Mani Hildebrand, dem Regisseur

CRUISER: Mani Hildebrand, du bist Fernseh-Redaktor und führst die Regie in diesem aberwitzigen Theaterstück. Wie kam das?
Mani Hildebrand: Das Schwule Theater Zürich hat mich angefragt, ob ich bei ihrer neuen Produktion mitmachen würde. Da habe ich mit Freuden zugesagt. Bei den Diskussionen, was wir auf die Bühne bringen möchten, sind wir auf diese Märchenparodie gekommen.

Es scheint, dass es ja nicht ein eigentliches Märchen ist, sondern eine ganze Märchen-Gesellschaft.

Das ist richtig. Ich habe für das ´Theater Team´ insgesamt etwa zehn Stücke auf die Bühne gebracht. ´Schneekäppchen & Rumpelröschen´ war ein Stück, das die Fernsehjournalistin und Psychologin Yvonne Sturzenegger in unserem Auftrag geschrieben hat. Und sie hat eine wirklich schräge, aberwitzige, völlig durchgeknallte und sehr unterhaltende Parodie auf die Märchen von Grimm geschrieben. Und ich wollte daraus eine absurde, witzige und sehr schnelle Inszenierung machen. Fast wie ein Comic, mit vielen überdrehten Aktionen, überraschenden Figuren und ziemlich bunten und überdrehten Kostümen und Bühnenbildern. So wie man Märchen noch niemals sah.

Es ist ja ziemlich schräg, frech und auch lustig. Wie passt denn dieses Stück zum Schwulen Theater.
Ich meine, die Zeiten haben sich geändert. Dass eine Theatergruppe, die aus schwulen Männern besteht, ausschliesslich schwule Themen auf die Bühne bringt, ist meines Erachtens nicht mehr nötig. Schwule Männer spielen zusammen Theater und haben Freude und Schwule Männer spielen mit ebenso viel Spass eine lustige Rolle in einer schrägen Geschichte. Und das ist hier ausgesprochen der Fall. Ja, und die Jungs spielen tatsächlich auch Mädchen. Eine Frau ist übrigens auch dabei, sie verkörpert einen Zwerg!
Das alles tönt ein bisschen nach Travestie. Die Männer spielen Frauenrollen, eine Frau spielt einen Zwergen. Ich betone, das ´Schneekäppchen´ hat überhaupt nichts mit Travestietheater zu tun. Die Männer spielen einfach alle Rollen – wie zu Shakespeares Zeiten. Und ich denke, sie schaffen es, Gretel oder das Rotkäppchen sogar origineller und parodistischer zu spielen, als es Frauen machen würden (lacht). Ich wollte mit dieser Truppe offen sein und etwas ausprobieren.

Der Regisseur ist ja auch die wichtige Person. Er muss alles abwägen und einrichten. Was sagst du zu den Spielern vom Theater Schwups?

Absolut fantastisch. Die sind mit vollem Engagement dabei und haben Spass, auch an den Kostümen. Ich denke, ihre Motivation ist grösser als bei manchem Berufsschauspieler.

Stichwort Kostüme: Von wem stammen sie?
(lacht) Wenn ich ein Theaterstück inszeniere, dann mache ich ja meine Überlegungen, stelle mir alles vor, wie es wirken soll, bildmässig wie auch akustisch. Ja, und da sich gerade niemand aufdrängte, habe ich die Kostüme selbst entworfen und sie auch gleich selbst genäht.

Gratuliere. Das ist ja nicht selbstverständlich, dass sich der Regisseur nebst all seiner übrigen Arbeit auch um die Kostüme kümmern muss.
Hat aber auch mir echt Spass gemacht. Und hoffentlich kann man das bald auch von der ganzen Inszenierung sagen. Denn darum geht es. Für uns und für die Zuschauer.

Besten Dank, Mani Hildebrand, und toi toi toi.

 

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