Ergebnisse der Umfrage Gaysurvey04
Zunahme des HIV-Ansteckungsrisikos bei den Männern, die Sex mit Männern haben

Das Nachlassen im Präventionsverhalten, das sich ab Mitte der 90er Jahre abgezeichnet hat, ist bei den Männern, die Sex mit Männern haben, weiterhin zu beobachten, vor allem bei Gelegenheitskontakten. Dieser Rückgang geht einher mit einer Zunahme der potenziellen Risikoaussetzung. Die Ergebnisse der Umfrage sprechen für die Weiterführung einer intensiven Präventionsarbeit bei diesem Segment der Bevölkerung.
Im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit führt das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität von Lausanne bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), regelmässig eine Umfrage durch. Ziel dieser Befragung, die im Jahr 2004 – zum siebten Mal seit 1987 – durchgeführt wurde, ist es, die Entwicklung der Einstellungen und der präventiven Verhaltensweisen im Zusammenhang mit HIV/Aids zu verfolgen. Die Erhebung der Zahlen wurde wie bisher mit Papier-Fagebogen durchgeführt, die über Gaymedien und in Betrieben der Community zur Verteilung kamen. Zusätzlich konnte man sich auch im Internet an der Umfrage beteiligen.

Soziodemografische Merkmale

Die soziodemografischen Merkmale derjenigen, die den Papier-Fragebogen beantworteten, haben sich im Laufe der Zeit kaum verändert. Es handelt sich um eine vorwiegend städtische Bevölkerung (ca. 50% der Antwortenden wohnen in einer Stadt mit über 100000 Einwohnern), die einen hohen Bildungsgrad aufweist, wobei die meisten alleine
(etwa 50%) oder zusammen mit einem männlichen Partner (rund 25%) leben. Eine Minderheit der Antwortenden lebt mit einem weiblichen Partner (ca. 3%) oder mit Verwandten (ca. 6%) zusammen oder wohnt in einer Wohngemeinschaft (ca. 10%). Die Altersstruktur der Auswahl ist eigentlich das einzige Merkmal, das sich auffallend verändert hat. Seit 1994 beobachtet man nämlich, dass die Gruppe der Antwortenden markant älter wird: So ist das durchschnittliche Alter von 33 Jahren im Jahr 1994 auf 38 Jahre im Jahr 2004 gestiegen. Dank der Verwendung des Internets konnte zusätzlich eine jüngere Altersgruppe erreicht werden, deren Durchschnittsalter 29 Jahre beträgt, wobei die unter 20-Jährigen fast 10% des Kollektivs ausmachen (gegenüber weniger als 2% bei der Papier-Auswahl).

Merkmale des Sexuallebens

Bei den Personen, die den Papier-Fragebogen beantworteten, sind die Merkmale hinsichtlich des Sexuallebens mehrheitlich gleich geblieben. Über 90% geben an, sie seien ausschliesslich homosexuell orientiert. Was das Beziehungsleben betrifft. So hatten rund drei Viertel der Antwortenden in den 12 Monaten vor der Umfrage einen festen Partner. Etwas weniger als jede zweite Paarbeziehung ist im Schnitt offen für andere Sexualpartner. Diese freie Paarbeziehung kommt bei den unter 30-Jährigen seltener vor (rund ein Drittel der festen Beziehungen) als bei den älteren (etwa die Hälfte); je länger die feste Beziehungen dauert, desto häufiger ist diese offene Form anzutreffen. Im Schnitt hatten etwas weniger als 80% der Antwortenden in den vergangenen 12 Monaten Gelegenheitspartner: im Jahr 2004 hatten 71% der unter 30-Jährigen und 78% der Älteren solche Kontakte. Der Mittelwert der Sexualpartner (in den vergangenen 12 Monaten) ist deutlich gestiegen: von 5 im Jahr 1994 auf 7 im Jahr 2004. Besonders augenfällig ist diese Zunahme bei den Antwortenden von 30 und mehr Jahren (6 Partner im Jahr 1994; 8 Partner im Jahr 2004), während bei den unter 30-Jährigen die Partnerzahl relativ stabil geblieben ist (5 Partner). Zwischen 2000 und 2004 ist zudem eine Erhöhung des Medians der Anzahl Partner, mit denen die Antwortenden von 30 oder mehr Jahren Analverkehr praktiziert haben, zu verzeichnen. Bei der ´Internet-Stichprobe´ ergeben die Merkmale des Sexuallebens ein anderes Bild. Von den Antwortenden geben mehr Personen an, sie seien bisexuell (15%) oder waren in den vergangenen 12 Monaten nicht sexuell aktiv (4%). Niedriger ist in dieser Auswahl hingegen der Anteil derjenigen, die in den vergangenen 12 Monaten einen festen Partner hatten.

Konfrontation mit HIV/Aids und der Prävention

Eine Mehrheit der Befragten sagt aus, in ihrem Umfeld mindestens eine Person zu kennen, die mit HIV/Aids lebt oder an den Folgen der Krankheit gestorben ist. Dieser Anteil ist zwischen 1987 und 1997 stetig angewachsen (von 59% auf 78%), dann in den Jahren 2000 (75%) und 2004 (70%) leicht gesunken. Er ist bei den unter 30-Jährigen weniger hoch (57%) als bei der älteren Altersgruppe (77%). Bei den Internet-Teilnehmern waren deutlich weniger Antwortende (43%) in ihrem Umfeld mit der Krankheit konfrontiert (unter 30 Jahre: 32%; über 30 Jahre: 56%).
Gesamthaft betrachtet bestätigen die Daten der Umfrage 2004 die ab Mitte der 1990er Jahre beobachteten Entwicklungen. Der Anteil der Antwortenden, die mit Gelegenheitspartnern Analverkehr praktizieren, lässt einen Aufwärtstrend erkennen: Er ist von 56% im Jahr 1994 auf 73% im Jahr 2004 gestiegen. Der Anteil der Antwortenden, die nicht konsequent Präservative gebrauchen, erreichte 1994 den tiefsten Stand (9%) und verzeichnet seither einen deutlichen und stetigen Anstieg: im Jahr 1997 betrug er 13%, im Jahr 2000 18% und im Jahr 2004 20%.
Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den unter 30-jährigen Antwortenden (27%) und den Älteren (21%). Die hohe Risikoaussetzung bei den unter 30-Jährigen widerspiegelt vor allem das Verhalten der jungen Erwachsenen unter 20 Jahren: 41% haben mit den Gelegenheitspartnern beim Analverkehr nicht konsequent Präservative benutzt, gegenüber 24% bei der Altersgruppe von 20-29 Jahren.

 

Eine Internetlösung der