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Kampagne für
mehr Rücksichtnahme
Mit Plakaten appellieren
Zürcher Clubbetriebe an die Selbstverantwortung der Gäste
Von Martin Ender
Safer Clubbing'
ist ein Verein, der seit gut einem Jahr aktiv ist. Bisher eher im Hintergrund
tätig tritt er nun mit einer grossangelegten Plakatkampagne an die
Öffentlichkeit. Die Aktion soll das Verhalten der Besucher verändern.
Damit will man den schwelenden Unmut in der Club-Nachbarschaft nicht aufflammen
lassen.
Das Wort ´Safer'
im Vereinsnamen erinnert an eine andere, bekanntere Kampagne für
sicheres Verhalten. Man ist erst versucht anzunehmen, die Aktion stehe
in direktem Zusammenhang mit den Präventionsbemühungen der Aids-Hilfe.
Für den Verein ´Safer Clubbing' ist Prävention zwar wichtig,
dennoch aber nur ein Baustein im Plan zum Aufbau einer besseren Clubkultur.
Eine noch ´dunkle'
Geschichte
Wer überdies glaubt, ´Safer Clubbing' sei die Antwort auf den
kürzlichen Aufruhr in der Szene, entstanden durch die losgetretene
öffentliche Diskussion über Darkrooms, der liegt ebenfalls falsch.
Vermittelnd und beruhigend kann bei dieser Problematik wohl eher ´Vegas'
eingreifen. Vegas ist das Kürzel für den Dachverband ´Verein
Gaybetriebe Schweiz'. Auslöser zur Gründung von Vegas waren
die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) gestarteten Kampagnen zur
direkten Verbesserung der Präventionsbemühungen im HIV / Aids-Bereich
für Betriebe mit vorwiegend schwuler Kundschaft, für Betriebe,
die Infrastrukturen anbieten, welche es erlauben, sich an Ort und Stelle
sexuell zu vergnügen. Offiziell wird dies mit ´sex sur place'
bezeichnet. Zur kürzlich publik gemachten ´Darkroom-Geschichte'
will im Moment niemand Stellung beziehen. Noch seien Gespräche im
Gange zwischen der Aids-Hilfe, dem Verein Vegas, Vertretern von betroffenen
Lokalen und der Behörde. Bis die Gespräche abgeschlossen seien,
soll kein Öl ins Feuer gegossen werden, wie beispielsweise mit dem
Artikel im Tagesanzeiger, wo die ´amtliche Bewilligung' eines Darkrooms
ans Tageslicht gezerrt wurde. Die erstaunte, breite Hetero-Bevölkerung
wurde kaum gebührend darauf hingewiesen, dass eine solche Bewilligung
sich im legalen Rahmen bewegt und verknüpft ist mit einer ganzen
Reihe einschneidender Auflagen.
Gay-Clubs in der
Minderheit
Für Sigi Gübeli, der Medienverantwortlichen des Vereins ´Safer
Clubbing', sind ´Vegas' und ´sex sur place' durchaus vertraute
Begriffe. Ist sie doch im T&M Gay-Club hinter Tamara die echt(e) starke
Frau. Und direkt darüber liegt der Club AAAH, wo für Gays ´sex
sur place' möglich ist. Gübeli weiss also, wovon sie spricht.
Als ´Safer Clubbing'-Frau betont sie aber die Unterschiede zu Vegas.
Ein Teil der Richtlinien würden sich zwar überschneiden, vor
allem im Präventionsbereich. Doch sei ´Safer Clubbing' weiter
gefasst und ´im Verein Safer Clubbing sind nicht nur
Gaybetriebe vertreten, sondern vor allem die grossen Unterhaltungsbetriebe
für ein breites, gemischtes Publikum. Und der Begriff ,safer
beinhaltet viel mehr als den gewohnten, präventiven Aspekt.'
´Gesellschaftliche
Phänomene'
Für die bevorstehende, übrigens erste so gross angelegte Plakataktion,
wurden vor allem die Aspekte Lärm und Abfall ins Visier genommen.
In der Einladung zur Pressekonferenz steht einleitend die Motivation zur
Aktion: ´Gesellschaftliche Phänomene machen keinen Halt vor
der Zürcher Clubkultur. In letzter Zeit führte das Verhalten
verschiedener Clubbesucher vermehrt zu Unmut in der Nachbarschaft. Diese
Entwicklung veranlasst Safer Clubbing und weitere an der Aktion
beteiligte Clubs zum Handeln, insgesamt 16 Clubs und Locations nehmen
an dieser Aktion teil.' Was hier noch zurückhaltend mit ´gesellschaftlichen
Phänomenen' umschrieben wird, taucht auf dem Plakat dann doch konkreter
und deftiger auf. Visuell ist man auf den pinkelnden Hund gekommen und
ver
Lärm und Abfall
´Dass Gäste mit Abfall fahrlässiger umgehen, einfach etwas
hinschmeissen und liegen lassen, das ist eine Tatsache, bzw. Erscheinung,
die wir als allgemeines gesellschaftliches Phänomen bezeichnen. Das
ist unsere Motivation für unsere Plakat-Aktion'. Dazu bekennen sich
die ´Safer Clubbing'-Vereinsmitglieder Rohstofflager, Tonimolkerei,
Labyrinth Club, Supermarket, Club Q, T&M, Oxa, X-Tra und die bei dieser
Aktion mitwirkenden Clubs Indochine, Säulenhalle, Labor-Bar, Sky
Society, Code Club, Mascotte, Talacker, Kanzlei. Diese Aktion lassen sich
die Clubs stolze 8000 Franken kosten. Sind denn die Clubgäste rüpelhafter
geworden? wollte Cruiser wissen. ´Hinsichtlich der Aggression teilweise
ja' so Gübeli, ´nicht unbedingt in den Gay-Clubs, aber in andern
Clubs schon. Es ist natürlich klar, dass von den fünf aufgelisteten
Problemen kein Club alles auf sich vereint. Jeder Club hat vielleicht
schwerpunktmässig mit einem der genannten Probleme zu kämpfen.
Aber wenn die Clubs untereinander darüber reden, die Gedanken austauschen
und zusammen nach Lösungen suchen, erzielen wir doch eine bessere,
stärkere Wirkung.'
Lehre aus Lokalschliessungen?
Der Gedanke liegt nahe, dass die Plakataktion auch eine Reaktion ist auf
die behördlichen Kontrollen in den Clubs Spidergalaxy und Soffwechsel
und der darauffolgenden Schliessung dieser Lokale. Mal abgesehen von den
Problemen mit Drogen, berichtete die Presse ja mehrfach über Anwohner,
die sich über Falschparkierer und den Lärm ausserhalb der Lokale
beschwerten. Dieser Umstand führte zu massiven Einschränkungen
der Öffnungszeiten und verunmöglichte eine erst vorgesehene
Wiedereröffnung des Stoffwechsel. Ein After Hour-Konzept lag nicht
mehr drin. Wurden jetzt die Clubgemeinschaft durch die Schliessung von
Spidergalaxy und Stoffwechsel aufgeschreckt und haben sie sich deshalb
zu dieser Kampagne entschlossen? Sigi Gübeli widerspricht: ´Das
hat nicht direkt damit zu tun. Das ist kein Ablenkungsmanöver, um
das Geschehene unter den Teppich zu kehren. Aber eine Lehre daraus haben
alle gezogen.' Gübeli will auch auf keinen Fall die 5 Punkte der
Kampagne insgesamt als die Sünden von Spidergalaxy / Stoffwechsel
hingestellt sehen, gibt aber zu, dass da schon ´ein voller Tiegel
verschiedener Aspekte zum Tragen kamen. Safer-Clubbing ist
ja auch nicht nur im Bereich Drogenprävention tätig, sondern
hat viele verschiedene Ziele. Eines ist der Bereich, den wir jetzt drannehmen.
Denn Lärm und Abfall sind Probleme, die in jeder Stadt zunehmen und
die Gastrobetriebe sind ein Teil davon. Deswegen wollen wir präventiv
arbeiten.'
Werben für
Zusammenarbeit
´Wir suchen die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftspolizei, der stadtpolizeilichen
Fachgruppe Lärmbekämpfung und, wenn alles klappt, werden wir
mit der Polizeivorsteherin Esther Maurer im Oktober ein Gespräch
führen können, um auszuloten, wie wir gemeinsam in die Zukunft
gehen und eine gute Symbiose für ein gemeinsames Zusammenleben schaffen
können. Das sind Bestrebungen, hinter denen wir als Verein stehen,
und zwar für alle, ob der Club heute schon Mitglied ist oder nicht.
Je mehr wir erreichen, umso mehr Clubs sehen den Sinn ein, bei uns Mitglied
zu werden.' Und abschliessend betont Gübeli noch einmal, dass ´Safer
Clubbing' freiwillig entstanden ist. ´Es soll ein gutes Einvernehmen
zwischen den Anwohnern, den Clubbetrieben und den Behörden angestrebt
werden. In der Vereinigung der Clubbetriebe geht das besser'. Natürlich
will man damit auch unternehmerisch seine Zukunft sichern. Es ist aber
im Interesse der Clubbesucher, wenn so in Zürich eine vielfältige
Clubszene bestehen kann und wenn diese Clubs sich gemeinsam auf gewisse
Standards einigen.
Die selbst auferlegten Richtlinien der an ´Safer Clubbing' teilnehmenden
Clubs
Grundsätzlich
soll im Klub unter Gästen und Personal ein respektvoller Umgang gepflegt
werden, bei dem auch Eigenverantwortung zu spüren ist. Gewalt, Konsumexzesse
und sexuelle Übergriffe werden durch ein Hausverbot geahndet.
Ausbildung der
Mitarbeiter/innen
- Sicherheitspersonal
Die Veranstalter
verpflichten sich, nur Sicherheitspersonal anzustellen, das eine Feuerlöschausbildung
und eine Notfallausbildung vorweisen kann. Zudem muss mindestens eine
Sicherheitsperson im Team einen CPR-Kurs absolviert haben.
- Präventionsschulung
Die Veranstalter/innen ermöglichen dem internen Partypersonal einmal
pro Jahr die Teilnahme an einem von der regionalen Präventionsstelle
angebotenen Präventionskurs.
Infrastruktur
- Sanitätsraum
Es muss ein möglichst ruhiger, kleiner Raum oder ein von der Tanzfläche
zurückgezogener Ort zur Verfügung stehen, der gemäss
der Beratung der lokalen Sanitätsorganisation eine Ausrüstung
für erste Hilfe enthält.
- Chill-Out
Es gibt eine der Clubgrösse angepasste Anzahl von Sitzmöglichkeiten
(eine auf 20 Partybesucher/innen) in einer Zone, in der die Musik bassreduziert
und so leise ist, dass man sich normal unterhalten kann.
Materialabgabe
- Gehörschutz
Es werden gratis Ohrstöpsel abgegeben, selbst wenn die gesetzlichen
Dezibelrichtlinien eingehalten werden.
- Wasser
Es muss einen kostenlosen, gut gekennzeichneten Wasserzugang geben (z.B.
WC)
- Infomaterial
Im Klub wird gut sichtbar das mit den lokalen Präventionsstellen
gutgeheissene Infomaterial aufgelegt.
Unter dem Kapitel ´Kooperation, Verhalten, Getränkepreise',
schliesslich, verpflichten sich die Clubs zur Zusammenarbeit mit Präventionsstellen.
Die Thematik ist bewusst breit angelegt, von der HIV-Prävention bis
zu Jugendschutz, Früherkennung, Gewalt- und Suchtprävention.
Die Veranstalter verpflichten sich, den Handel mit Betäubungsmitteln
im Club zu ahnden und entsprechend Hausverbote auszusprechen.
Über die Einhaltung der Richtlinien gibt es unangemeldet externe
Kontrollen.
Eine Internetlösung
der
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