Ein Zürcher Hochschwuljubiläum
Seit 15 Jahren ist zart&heftig an Uni und ETH aktiv

Von Roman Ulrich


zart&heftig, der Verein schwuler Studis an Uni und ETH Zürich, feiert sein 15-jähriges Bestehen. Standen die Anfänge des Vereins im Zeichen gesellschafts- und unipolitischer Anliegen und Emanzipation, steht heute vor allem der soziale Aspekt im Mittelpunkt.

Der Wechsel von der Mittelschule an die Uni ist für schwule Studenten bisweilen ein Schock: Gab es im Gymi vielleicht den einen oder anderen Mann, den man nicht von der Bettkante gestossen hätte, findet man sich an der Alma Mater plötzlich in überfüllten Hörsälen voller knackig-junger Kommilitonen wieder. Ganz zu schweigen von der benachbarten ETH, deren Frauenanteil in etwa der demographischen Zusammensetzung einer Schwulenbar nahe kommt. Was tun? Wie zu einem intellektuellen Eroberungsflug ansetzen? Hilfe in der Not bietet zart&heftig, Anlaufstelle – im Gegensatz zu anderen Zürcher Treffs, die schliessen mussten – nach wie vor findet: ´Im letzten Jahr sind wieder vermehrt neue Leute zu den Nachtessen von z&h gekommen. Wir haben eine gute Mischung von Stammgästen und Leuten, die einfach mal reinschauen. Mit den z&h-Abendessen bewegen wir uns in einer Art Nische, die von Internet und Szene kaum konkurriert wird. Unsere Essen sind auf eine gute Art unspektakulär, Kritiker würden vielleicht bieder sagen, aber gerade darin liegt ihr Erfolg. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dieses Angebot auch in Zukunft bestehen bleiben wird.'

Keine intellektuelle Flirtbörse
An den Donnerstagabenden drehen sich die Gesprächsthemen indes keineswegs nur um Wittgenstein & Co., wie Mark Jost versichert. Zwar seien die meisten Teilnehmenden Studenten, aber man unterhalte sich über ganz alltägliche Sachen. Auch wenn es Phasen gegeben habe, in denen es zu Tisch ziemlich intellektuell zu und her gegangen sei, wolle man sich nicht mit einem elitären Touch profilieren. So hat man dann auch den Namenszusatz ´schwules Hochschulforum' gegen ´schwule Studis an Uni und ETH' ausgetauscht. Angesprochen auf den Flirtfaktor an den Vereinsaktivitäten, relativiert Mark Jost: ´Es ist keine spezielle Flirtbörse. Gewisse Leute finden, es sei bei uns schon ausgesprochen nicht so. Doch auch wenn Flirten nicht im Vordergrund steht, kann sich natürlich auch immer mal wieder etwas ergeben.' Bleibt anzumerken, dass der Vizepräsident himself seinen Freund vor fünf Jahren just an besagtem Ort kennen gelernt hat. Neben den Nachtessen führt z&h einmal pro Semester eine so genannte Szenetour durch, auf der man mit Rathaus Café, Cranberry, Pigalle, Wildsau, Barfüsser, Dynasty, Tip Top Z Bar und T&M eine beachtliche Anzahl einschlägiger Szenelokalitäten abklappert, denen man alleine vielleicht nicht unbedingt einen Besuch abstatten würde.

Eine kämpferische Anfangszeit
In der Anfangszeit gab sich z&h kämpferisch, musste sich an Uni und ETH behaupten und sich durchaus auch gegen Institutionen durchsetzen. Wie anders die Uhren bei der Gründung des Vereins 1989 noch tickten, macht der Knatsch um die Namensgebung deutlich: Damals scheiterte die Benennung ´Forum der beiden Hochschwulen' am Widerstand der UniLeitung. Heute besteht hingegen eine gute Zusammenarbeit mit der Univerwaltung, und auch der emanzipatorische Aspekt ist etwas in den Hintergrund getreten: ´Wir sind nur noch punktuell politisch aktiv, haben uns beispielsweise für das Partnerschaftsgesetz eingesetzt und nehmen jeweils am CSD teil. Zwar sehe ich politisch an der Uni nicht mehr grossen Handlungsbedarf, dennoch haben wir uns aber nicht einfach ins Private verabschiedet. Es geht nach wie vor darum, Präsenz zu markieren', so Mark Jost. Wie wichtig die Tätigkeit von z&h nach wie vor ist, zeigen einzelne heftige negative Reaktionen auf das Vereins-Mailing, das z&h zu Beginn des Studienjahres an alle männlichen Erstsemester-Studenten der Uni versendet. Zum 15-jährigen Jubiläum von z&h wird am 24. September zunächst ein Leckerbissen serviert: die beliebte Führung ´Homosexualität im Tierreich' im Zoo Zürich mit anschliessendem Apéro im Vereinsbüro an der Rämistrasse. Ein gefundenes Fressen, nicht nur für Biologiestudenten.


www.zundh.unizh.ch



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