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Keine Schönheitskonkurrenz
Karin
und Sven geben ihren Titel nach einem Jahr ab. Nachfolger gibt es nicht.
Von Boris Schneider
Die Missgay- und
Mistergay-Wahlen finden dieses Jahr nicht statt. Die Veranstalter sind
an der Aufgabe gescheitert, das Defizit der letztjährigen Wahl sowie
einen grossen Betrag für den aktuellen Event durch das Engagement
neuer Sponsoren zu decken.
Ziemlich genau einen Monat vor den Wahlen platzte die Bombe: In einer
kurz gehaltenen Medienmitteilung liess der Verein missgay.ch und mistergay.ch
wissen, dass das Finale der Veranstaltung abgesagt werden müsse.
Die Finanzierung des Events habe nicht sichergestellt werden können,
hiess es. Erinnerungen werden wach: Vor Jahresfrist hatten die Organisatoren
mit der grossen Kelle angerührt: Im nicht ganz ausverkauften Kongresshaus
Zürich wurden im Beisein zahlreicher Promis und mit der wohlwollenden
Unterstützung vieler Sponsoren Sven Müller und Karin Eschmann
zu den Repräsentanten der Gay-Community gewählt. Im Abstimmungskampf
für das Partnerschaftsgesetz nahmen die beiden viele Medientermine
wahr, und vor allem Eschmann, der ersten Missgay der Schweiz, wurde von
allen Seiten viel Sympathie entgegengebracht.
Kein Geld, keine
Wahlen
Dieses Jahr soll jetzt keine Wahl stattfinden. ´Nach eingehender
Prüfung aller Optionen haben wir uns dazu entschliessen müssen,
den Event abzusagen. Die Finalistinnen und Finalisten bedauern den Entscheid,
stehen aber dahinter', sagt Anja Recher, die Mediensprecherin der Organisatoren.
Ein Defizit in fünfstelliger Höhe, welches der Verein noch vom
letzten Jahr zu tragen habe, sowie keine ausreichende Deckung der diesjährigen
Show hätten keinen anderen Entscheid zugelassen, so Recher weiter.
Enttäuscht zeigen sich auch die Angels, im Rahmen derer Black Party
im Volkshaus die Wahl hätte stattfinden dürfen: ´Es ist
schade für die Community, dass die Organisatoren den Anlass trotz
unserer Unterstützung nicht durchführen können', sagt Michèle
Meissner, Mitglied der Angels. Die Absage tangiert die Black Party allerdings
in keiner Weise: ´Es war von Beginn weg eine unabhängige Veranstaltung.
Die Absage hat also keinen Einfluss auf die Durchführung der Black
Party', so Meissner weiter. Geld gekostet hätte die Wahl nach Auskunft
von Recher trotz Gastrecht im Volkshaus dann aber doch: Für Dinge
wie Show, Moderation, Kleider, Choreographie, Regie, Internet-Auftritt,
Grafik, Programmbroschüre, musikalisches Rahmenprogramm und so weiter
war ein Budget von über 100000 Franken veranschlagt worden.
Wollte man am diesjährigen Event keine einschneidenden Abstriche
machen, hätten heuer zusammen mit dem letztjährigen Defizit
von rund 50000 Franken also Sponsoren für einen Betrag von
150000 Franken gefunden werden müssen. An dieser Aufgabe ist
der Verein nun was nicht sonderlich überrascht gescheitert.
´Vielleicht sind Schwule und Lesben als Zielpublikum nicht mehr
so interessant wie noch vor ein paar Jahren´, mutmasst Recher.
Das schwarze Loch
vom letzten Jahr
Nach Bekanntgabe der Absage begannen die Schuldzuweisungen. Via Tele Züri
und anderen Medien warfen sich der Verein und die im letzten Jahr mit
ihrer Event-Firma für die Durchführung der Wahl verantwortliche
Farah de Tomi gegenseitig vor, für das Scheitern verantwortlich zu
sein. Der Verein schob die Schuld auf das Defizit vom letzten Jahr. Für
de Tomi liegt der Grund für die Absage vielmehr darin, dass die meisten
der letztjährigen, von ihr aufgrund persönlicher Beziehungen
vermittelten Sponsoren dem Event nach ihrem unfreiwilligen Ausscheiden
aus dem Kreis der Veranstalter in diesem Jahr die kalte Schulter gezeigt
hätten. Auf das Defizit angesprochen, beschwichtigt de Tomi: ´Wenn
man einen Anlass von der Grösse der letztjährigen Gay-Wahlen
zum ersten Mal durchführt und mit einem verhältnismässig
kleinen Defizit abschliesst, darf man eigentlich zufrieden sein´,
sagt die erfahrene Event-Frau. Das Budget der Gaywahl 2004 habe maximal
120000 Franken betragen. Das Defizit hätte sich mit einem Gewinn
aus der diesjährigen Wahl tilgen lassen, glaubt de Tomi. Es erstaune
sie jedoch, weshalb der Verein für die diesjährige, bedeutend
kleinere und erst noch im Rahmen der Black Party durchführbare Veranstaltung
fast gleich viel Geld budgetiert habe wie im letzten Jahr. Andere Vorwürfe
des Vereins wie etwa jenen, dass die Firma Gate Events nie ein definitives
Budget oder eine Buchhaltung präsentiert habe, weist de Tomi von
sich. ´Vielleicht war es ein Fehler, die Wahl so gross zu machen.
Doch man hatte das Ziel, für einmal etwas Besseres als einen Füdli-Event
zu machen und zu zeigen, wozu Schwule und Lesben wirklich fähig sind.
Mit einem vollen Kongresshaus wäre der Breakeven auch problemlos
erreicht worden', sagt sie zum Cruiser.
Bedauern oder nicht
bedauern?
Wenn auch uneins über die genauen Gründe, die zur Absage geführt
haben: Traurig darüber sind sowohl Anja Recher vom Verein missgay.ch
und mistergay.ch als auch Farah de Tomi von Gate Events. Beide bedauern,
dass die bereits in der Labor-Bar ausgesuchten Finalistinnen und Finalisten
jetzt keine Chance bekommen und dass die Community ohne sympathische Repräsentanten
dasteht. Andere hingegen scheint die Absage der Gay-Wahl weniger stark
zu kümmern. So zum Beispiel den letztjährigen Finalisten Jaswan
Jeremy: ´Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber mich beschäftigt
die Absage der Wahlen überhaupt nicht. Braucht es überhaupt
eine Missgay und einen Mistergay? Leid tun mir höchstens die Finalistinnen
und Finalisten, denen ein besonderer Event versprochen wurde, der jetzt
ins Wasser fällt.'
Eine Internetlösung
der
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