Montreal legt sich mächtig in die Ruder
«Swiss Gay and Lesbian Sports» empfiehlt nun die Teilnahme an den Outgames

Von Martin Ender

Jen Wang war bis vor kurzem noch bei der internationalen «Federation of Gay Games», welche die offiziellen Gay Games in Chicago veranstaltet, einer der Vertreter von «Swiss Gay and Lesbian Sports». Heute ist er überzeugt, dass die Spiele in Montreal dem Gaysport-Gedanken eher entsprechen.

Cruiser berichtete bereits im Februar 04 über den Streit um die Gay Games 2006. Eigentlich bekam Montreal offiziell den Zuschlag für die Spiele. In Sydney hätte der Vertrag unterschrieben werden sollen zwischen Montreal und der «Federation of Gay Games» (FGG), die über die Namensrechte «Gay Games» verfügt und gegen einen sechsstelligen Betrag die Lizenz zur Ausübung der Spiele erteilt. Als sich abzeichnete, dass die Sportspiele in Sydney in tiefroten Zahlen enden würden, zog sich die «Federation» zurück. Sie forderte neue Konzepte für die Gay-Games, die vereinfacht gesagt, mehr Sport und weniger Rahmenveranstaltungen verlangten. «Wir bestanden darauf, dass die Gastgeberorganisation den Sport absolut in den Mittelpunkt ihrer Planung stellt und erst, wenn die Finanzierung des Sportevents sichergestellt ist, können andere Veranstaltungen ins Auge gefasst werden», so damals der Co-Vorsitzende der FGG, Robert Mantaci. Gemeint waren damit die Kulturveranstaltungen, politische Konferenzen und Parties.

Und Montreal spielt doch
Die Vertreter von Montreal waren konsterniert. Schliesslich hatte man bereits ein Jahr Arbeit in die Vorbereitung der Spiele investiert. Und man wollte auch diesen einschneidenden Richtungswechsel nicht mitmachen, der aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Verzicht der Rahmenveranstaltungen geführt hätte. Nach einer Denkpause entschlossen sich die Planer in Kanada, die Spiele im bisherigen Sinne durchzuführen – auch ohne den Segen der offiziellen, in den USA beheimateten «Federation of Gay Games». Diese spielte darauf hin mit ihren Muskeln und hat inzwischen die offiziellen Spiele an Chicago vergeben. Aus rechtlichen Gründen muss Montreal auf den Begriff «Gay Games» verzichten. Die Veranstaltung nennt sich nun Outgames. Der kanadische Schwimmstar und olympische Goldmedaillengewinner Mark Tewksbury setzt sich voll ein für die Outgames in Montreal. Ihm ist es wichtig, dass die Spiele unter anderem auch von einer Menscherechtskonferenz begleitet werden können: «Kein Sportler übt seinen Sport in Isolation aus. Die Beachtung grundlegender Menschenrechte entscheiden in vielen Teilen der Welt überhaupt erst darüber, ob jemand in seinem Land ein Gay-Sportteam finden oder gründen kann.» Tewksbury sieht hier noch viel Arbeit, die getan werden muss und ist überzeugt, dass die internationalen Kontakte genutzt werden sollten, die bei Gay Games zustande kommen. Eine solche Konferenz darf nicht gekippt werden.

«Swiss Gay & Lesbian Sports» zieht mit
Auch Jen Wang will den Schritt zurück nicht mitmachen, den seiner Meinung nach die «Federation of Gay Games» in Chicago tun wird. Sport ist für ihn sehr wichtig, klar. Schliesslich hat er, wie er neu nach Zürich kam, im Verein Gay Sport Zürich viele gute Leute kennengelernt. Aber er will auf den Rahmen rund um die Spiele nicht verzichten. So wie sie bisher durchgeführt wurden, war dabei «die Stimmung wie an einem Christopher Street-Day – einfach das Ganze mal hundert!».
Wang verhielt sich lange neutral bei der Spaltung der schwullesbischen Sportbewegung. «Wir waren ja Mitglied der FGG und einer der ersten europäischen Vereine überhaupt. Daher haben wir auch eine lange Vergangenheit zusammen mit der Federation.» Er gesteht nun aber ein, dass der FGG schon immer Ecken und Kanten hatte, jetzt seien diese aber noch ausgeprägter geworden. Der schweizerische Verband ist unterdessen aus der FGG ausgetreten und arbeitet nun mit dem Europäischen Dachverband zusammen. Dem Austritt voraus ging eine Umfrage, die bei der Basis an den Eurogames durchgeführt wurde. Die europäischen Sportler entschieden sich mit grosser Mehrheit für Montreal. Ein weiterer Anstoss war auch, dass die Berliner Vertreter beim FGG das Handtuch warfen, mit der Begründung: «unter diesen Voraussetzungen können wir nicht arbeiten».

Die Gay-Games-Bewegung
Die Gay-Games-Bewegung wurde 1981 von Dr. Thomas Waddell, einem olympischen Zehnkampfleichtathleten aus den USA, ins Leben gerufen. Die ersten Spiele fanden 1982 in San Francisco statt. Von einem kleinen, amerikanischen Anlass entwickelten sich die Gay Games zu einer Veranstaltung mit heute rund 30 Sportarten und ca. 14‘000 Teilnehmenden. In Amsterdam waren mehr als 500 aus der Schweiz dabei. Er zählt heute zu den weltweit grössten polysportiven Anlässen.
Es ist ein Anlass für alle, das heisst für jede Sportart, neben der klassischen Einteilung Frau/Mann oder Gewichtskategorien, je nach Sportart gibt es verschiedene Leistungsebenen. Das ist speziell bei den Gay Games. Vom Profisportler bis zum Anfänger kann jeder mitmachen. Es ist Platz für alle da und zugleich ist es ein Community-Anlass.
Wer am schwullesbischen Sportanlass teilnehmen will, muss nicht unbedingt einem Gay-Sport-Verein angehören. Erstaunlicherweise war bisher mehr als die Hälte der Teilnehmer nicht in einem lokalen schwullesbischen Sportverein.
Der Weg über den Verein ist eine Möglichkeit, wer sich dafür interessiert, wendet sich an «Swiss Gay & Lesbian Sports»: www.sgls.ch


Anmelden für die Spiele in Montreal kann man sich unter:
www.montreal2006.org

 

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