20 Jahre Zürcher Aids-Hilfe
Eine immense Leistung vieler engagierter Männer und Frauen

Von Kurt Büchler

Anfänglich ging es um Aufklärung und Prävention sowie um Betreuung und Begleitung der von HIV und Aids Betroffenen. 1991 erreichte die Epidemie in der Schweiz ihren Höhepunkt, dann begannen die Massnahmen der Prävention zu wirken. Die Zahlen der Ansteckungen und Erkrankungen gingen zurück. Nun stand das Leben mit der Krankheit im Vordergrund. Doch seit dem Jahr 2000 steigt die Zahl erneut an. Die Arbeit der Aids-Hilfe verlagert sich erneut.

1982 tauchte in den USA die neue rätselhafte Krankheit auf. Bei schwulen Männern war das Immunsystem zusammengebrochen. Man gab ihr den Namen GRID, Gay Related Immune Deficiency. Dann erkrankten auch Menschen daran, die sich Drogen spritzten oder Blutkonserven erhielten. Die Krankheit erhielt nun den Namen: Acquired Immune Deficiency Syndrome, AIDS. 1984 wurde das Virus als Ursache der Immunschwäche entdeckt und HI-Virus oder HIV genannt. Bereits am 2. Februar 1984 wurde die Deutsche Aids-Hilfe DAH gegründet. Damit entstand ein Label, eine Marke. Die Schweiz zog 1985 nach.

«Bei der ZAH waren es viele Jahre mehrheitlich Freiwillige, die den Betrieb sicherten», sagt Reto Jeger, Geschäftsleiter der ZAH. «1985 wurden 26 Personen für die Telefonberatung geschult, 18 engagierten sich in der Betreuung und Begleitung von an Aids Erkrankten und Sterbenden, 3 Freiwillige leiteten einen offenen Treffpunkt. In den ersten 14 Monaten wurden rund 40 Informationsanlässe durchgeführt.» Mit den neuen antiretroviralen Kombinationstherapien änderte sich 1996 die Aids-Arbeit radikal. An der Welt-Aids-Konferenz von Vancouver wurde von bisher nie dagewesenen Erfolgen berichtet. 1987 wurde die STOP-AIDS-Kampagne vom Bundesamt für Gesundheit, BAG, gestartet. Verhinderung der Ausbreitung von HIV, Therapie und Beratung bei einer HIV-Infektion und Aids-Erkrankung, Solidarität mit den von der Infektion gefährdeten, infizierten und kranken Menschen sind die drei Ziele. Die rote Schleife wird Erkennungszeichen für soziales Engagement. 1988 wurde der 1. Dezember von der Welt-Gesundheitsorganisation, WHO, zum Welt-Aids-Tag erklärt. 1988 kam das Medikament AZT unter dem Markennamen Retrovir auf den Markt. Lange war es das einzige Medikament, das eine Vermehrung des HI-Virus im Körper verhindert.

Die Zürcher Aids-Hilfe hat im Laufe der Zeit erfolgreiche Programme und Projekte beibehalten und neue, innovative Aktivitäten aufgenommen. Sie ist zur Auskunftsstelle und zum nichtmedizinischen Kompetenzzentrum für das gesamte Spektrum der sexuell übertragbaren Krankheiten STD geworden. Beim Projekt MSM, Männer, die Sex mit Männern haben, wurden 650 Männer auf Syphilis getestet und beraten. Im Bereich Migration wurde das Mediatorenprojekt MediatHIV aufgenommen, und die Fachstelle für Sexualpädagogik «Lust und Frust» hat einen Lehrauftrag von der Pädagogischen Hochschule Zürich erhalten. In der Szene ist Hildegard, die Präventionsfigur, unterwegs. Sie führt jährlich mit über 2000 Männern Gespräche über sexuelle und psychische Gesundheit. 2004 wurde die Website www.hilde.ch geschaffen, mit allem, was schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, interessiert oder interessieren sollte: HIV und STD, Sex und Partydrogen.

Beratungen persönlich, am Telefon und per Email
2004 wurden 517 persönliche Beratungsgespräche mit 252 Männern und 112 Frauen, 906 Telefongespräche mit 647 Männern und 259 Frauen geführt, und per Email 100 Männer und 36 Frauen betreut. Gut die Hälfte der Telefongespräche bestand aus Fragen zu Testinformationen, je ein Drittel betraf Fragen zu HIV/Aids generell oder Sexualität, Schutz und Übertragungswege.


Jubiläumsprogramm
28. Oktober bis 19. Februar 20 Jahre Aidsarbeit in der Schweiz. Ausstellung im Museum Bärengasse, Zürich
31. Oktober, 20.30 Ricordare Anna. Film im Kino Arthouse Movie. anschliessend Gespräch mit Walo Deuber, Autor und Regisseur
1. November, 20.00 Lesung mit Monique Schwitter und Esther Spinner. Moderation Monika Schärer. Café Sphères, Zürich
2. November, 19.30 Schwule Aidsprävention – gestern, heute & morgen. Publikumsdiskussion mit Charles Clerc. T&M Club, Zürich
3. November, 18.15 Sexuell übertragbare Krankheiten und Aids: Reden wir darüber! Moderation Daniela Biedermann. Aula Universität-Zentrum Zürich
4. November, 20.00 20 Jahre ZAH – Party. Marc Sway, Bligg, Phenomden, les trois suisses, Miss Minna Moore & Miss Sonia Hernie. Moderation Luca Papini. Anschliessend Back to the 80’s-Disco. Versteigerung Teddybär. X-tra Club, Zürich



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