Gesund und glücklich schwul
Schwule schätzen ihre Gesundheit generell zu optimistisch ein

Von Martin Ender

Unter dem Titel «Gesund und glücklich schwul» lädt Pink Cross mit Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit 150 Männer ein. In gemeinsamer Suche soll herausgefunden werden, was getan werden kann, damit es schwulen Männern in der Schweiz gesamthaft wirklich gut geht.
Für einmal geht es hier nicht um sexuell übertragbare Krankheiten. Erhebungen über die Gesundheit der schwulen Männer in der Schweiz zeigen noch ein anderes, auffälliges Bild. Namentlich die Umfrageergebnisse des Genfer Projektes Santé gaie zeigen auf, dass schwule Männer vereinfacht gesagt, die Gesundheitsrisiken sowohl von Männern als auch von Frauen auf sich vereinigen. Schwule Männer sind dennoch erstaunlicherweise etwas zufriedener mit ihrer Gesundheit als die Männer insgesamt. In Tat und Wahrheit geht es ihnen aber schlechter. Zwar gibt es keine typischen Schwulen-Krankheiten. Offensichtlich sind schwule Männer aber für körperliche und psychische Erkrankungen anfälliger als der Durchschnitt der Bevölkerung. Diese Tatsache hat Pink Cross veranlasst, sich dem Thema anzunehmen und etwas zu unternehmen, die Gesundheit schwuler Männer zu fördern.

Einladung an den Neuenburgersee
Die Schweizerische Schwulenorganisation Pink Cross, mit Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit BAG, sucht 150 Männer, und zwar möglichst eine bunte Schar, was Alter, Lebensstil, Beruf und Herkunft angeht. Am Wochenende vom 7. - 9. April 06 werden sie sich am Neuenburgersee mit der Frage befassen, was es braucht, um Gesundheit, Lebensgefühl, Wohlbefinden der schwulen Männer in der Schweiz zu verbessern. Bei diesem Workshop geht es nicht um Selbstfindung der einzelnen Teilnehmer mit dem Ziel, glücklich nach Hause zu gehen und zu wissen, wo der direkte Weg zur Gesundheit lang führt. Die Teilnehmer sind angehalten mitzuhelfen, einen Ideenpool zu füllen, aus dem schliesslich Strategien entwickelt werden können, die der schwulen Gesundheit im allgemeinen nützlich sein werden.

Kein üblicher Workshop
Gearbeitet wird an diesem Wochenende nach der Open-Space-Methode .Open Space ist dank sehr offener Abläufe mit einem Maximum an Selbstbestimmung und einem Minimum an Vorgaben geeignet, die Vielfalt der vorhandenen Ideen einzufangen, sichtbar zu machen und zu bearbeiten. Eingeladen sind alle schwulen und bisexuellen Männer, die am Thema schwule Gesundheit interessiert sind und sich das ganze Wochenende vom Freitag, 7. April, spätestens 19.00 Uhr, bis am Sonntag, 9. April, 16.00 Uhr, Zeit nehmen wollen. Geboten werden eine wunderschön gelegene Tagungsstätte – das Camp Vaumarcus über dem Neuenburgersee –, Unterkunft und Verpflegung. Die Anmeldegebühr von 50 Franken wird am Ende der Tagung zurückbezahlt. Die Teilnehmenden tragen einzig die Reisespesen.
Anmelden kann man sich über die Page www.schwulegesundheit.ch (online ab Anfang November 05).

Unübersehbare Warnlichter aus Genf
Ergebnisse des Genfer Forschungsprojekts Santé gaie von Dialogai
Die folgenden Zahlen stammen aus dem Forschungsprojekt Santé gaie (Schwule Gesundheit) von Dialogai Genf. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozial- und Präventiv-Medizin der Universität Zürich und mit Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) waren Ende 2002 in Genf rund 600 Männer aus Szene und Organisationen befragt worden.
Körper
Von den Antwortenden litten in den 12 Monaten vor der Befragung
• über 50% an allergischen Symptomen
• über 40% an Stirnhöhlen-Katarrh
• über 30% an Migräne (Hetero-Männer haben das fast gar nie)
• gegen 20% an Asthma.

Auch im Bereich der akuten Erkrankungen ist die Anfälligkeit teilweise um ein Vielfaches höher als beim Schnitt der männlichen Bevölkerung der Schweiz.
Psyche
Von den Antwortenden litten in den 12 Monaten vor der Befragung
• 41% an mehrwöchigen depressiven Zuständen
• 42% an mehrwöchigen Angstzuständen
• 19% der Antwortenden haben einen Selbstmordversuch hinter sich (Durchschnitt Männer: 3%). 22% hatten allein in den 12 Monaten vor der Befragung über einen Selbstmord nachgedacht.
• 40% der Antwortenden lebten zur Zeit der Befragung in einer Beziehung (Gesamtbevölkerung: 75%). Über 90% der Befragten wünschten sich aber sehnlichst eine Dauerbeziehung.
• 14% der Antwortenden fühlen sich oft allein auf dieser Welt (Gesamtbevölkerung: 4%), 63% werden von Einsamkeitsgefühlen geplagt (Gesamtbevölkerung: 37%).

Nur 30% der Antwortenden können ihre sexuelle Orientierung wirklich akzeptieren, 20% bekunden ausgesprochen Mühe mit ihrer Homo- oder Bisexualität.

Drogen
• 51% der Antwortenden bezeichneten sich als Raucher (Durchschnitt Männer: 39%).
• 12% trinken täglich 6 und mehr Gläser Wein oder Stangen Bier.

 



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