Rückkehr in den Provitreff
«Natür» bittet am «schwulen Mittwoch» ab 21 Uhr zu Trank und Tanz

Von Boris Schneider

Nach Persil und dessen Nachfolger Unzip findet mit «Natür» ab Anfang Dezember endlich wieder zweimal monatlich eine Veranstaltung für Schwule im Provitreff statt.

Im Provitreff am Zürcher Sihlquai kehrt nach einer fast einjährigen Pause am Mittwoch wieder schwules Leben ein: Nachdem im letzten Dezember dort die letzte Austragung des noch jungen Persil-Nachfolgers Unzip von Micha Tobler und David Daniel über die Bühne ging, buhlt ab dem 7. Dezember dieses Jahres jetzt erneut eine Veranstaltung für Schwule um die Gunst der Gäste. Heissen tut der neue Stern am Zürcher Partyhimmel «Natür». Dahinter steckt der in Zürich nicht mehr ganz unbekannte Aytu, Initiator der Oriental-Nights im Aaah und der Pink-Flash-Parties in der Dachkantine. «Eigentlich ging ich auf den Verein Provitreff zu, mit der Absicht, einen einmaligen Anlass dort zu organisieren», sagt Aytu zum Cruiser. Von Seiten des Vereins sei dann aber schnell der Vorschlag gekommen, wieder jeden Mittwoch eine Veranstaltung für Schwule durchzuführen. Getroffen habe man sich schliesslich in der Mitte: So wird «Natür» ab dem 7. Dezember jeden ersten und jeden letzten Mittwoch im Monat im Provitreff stattfinden. Im Rennen um den «schwulen Mittwoch» waren bis zuletzt noch mehrere Organisatoren und Konzepte verblieben: So wollten die HAZ den Mittwoch in Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Partyveranstaltern bestreiten. Sein Interesse an der Veranstaltung hatte ebenso Rico Koller, der ehemalige Geschäftsführer des Persils, bekundet.

Natürlich vielfältig
Das Konzept des jetzt offenbar vom Verein Provitreff favorisierten Anlasses «Natür» heisst Vielfalt: «Wir wollen nicht wie früher im Persil musikalisch immer auf der gleichen Schiene fahren», sagt Aytu. Vielmehr wolle man von Oriental-Beats über Funk und Hip-Hop bis zu Techno alle erdenklichen Bedürfnisse bedienen. Wenn «Natür» jeweils ab 21 Uhr zu Trank und Tanz bittet, werden die Besucher zudem einige optische Veränderungen im Provitreff bemerken, verspricht Aytu schon heute. So werde etwa die Bar umgebaut und das ganze Lokal neu dekoriert. Was bleiben soll: die moderaten Getränkepreise. Und die durch und durch ungezwungene Stimmung, die den «Mittwoch-Ausgang» laut Aytu so angenehm vom Wochenend-Stress abhebt.
Hinter «Natür» steckt ein Team von rund zehn engagierten Personen, darunter viele Studenten und Auszubildende. Gesucht werden auch noch weitere Studenten oder Leute mit einem geringen Einkommen, die gerne jeweils am Mittwoch hinter der Bar oder an der Kasse stehen würden. In solchen Fällen will «Natür» seinem Barpersonal eine konkrete Hilfe für die Bewältigung der in Zürich doch hohen Lebenskosten bieten. Nach Abzug der Löhne für das Personal soll aber der ganze mit dem Anlass erwirtschaftete Gewinn einer gemeinnützigen Organisation gespendet werden: «Natürlich stehen dabei aus unserer Sicht Organisationen mit einem schwulen Bezug, wie etwa die Aids-Hilfe oder das Lighthouse zuoberst auf der Liste», sagt Aytu.

Der nächste Streich
Noch bevor mit «Natür» begonnen wurde, plant Aytu schon den nächsten Streich: ebenfalls im Provitreff und voraussichtlich jeden 2. Mittwoch im Monat, doch erst ab dem nächsten Jahr, wird dort dereinst zu Tafel geladen. Der Provitreff soll in eine Art Gassenküche verwandelt werden, selbsttragend und nicht gewinnorientiert. Zu einem konkurrenzlos günstigen Preis soll einmal pro Monat ein jeweils anderer Koch ein Dreigang-Menü aus seinem Land auf die Tische zaubern. Essen aus verschiedenen Ländern und Regionen der Erde, in einer gemütlichen Atmosphäre. Informieren darüber werden die Veranstalter zu gegebener Zeit – natürlich – im «Natür».


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