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Das T&M wird volljährig
Ein Stück
Gay-Geschichte von Zürich
Von Kurt Büchler
Viele Beizen, Bars
und Discos haben Gäste, die mit ihnen älter werden. Gemeinsam
kommt man unmerklich in die Jahre. Beim Zürcher Gayclub in «Eusem
Dörfli» ist das anders. Das T&M ist zwar in die Jahre gekommen;
das Publikum hingegen ist immer noch gleich jung, wenn nicht gar jünger
geworden. Woran liegts?
Die Gay-Disco in Zürich hat allen Bewegungen in der Szene getrotzt
und immer wieder mit neuen Ideen von sich reden gemacht. Von Anfang an
waren es die immer wieder wechselnden Dekos. Dann war es der Darkroom
im ersten Stock, dann waren es die Themen-Zimmer im Hotel. Der Club Aaah!
kam dazu - der im nächsten Januar ebenfalls schon seinen fünften
Geburtstag feiern kann. Aus der ehemaligen Pigalle-Bar wurde Thomys
Pigalle Barstelle, die Schlagerbar, die aber vom G-Colors-House unabhängig
ist. Hinter der ganzen Entwicklung steht ein Mann, der eigentlich immer
im Hintergrund bleibt: Roger Pfändler. Unübersehbar, aber von
Anbeginn an der Front und auf der Bühne dabei: Tamara.
Beim Club T&M
wächst nun, wie es Tamara antönt, eine «neue» Generation
heran. Nicht nur bei den Gästen, sondern eben auch beim Gastgeber.
Das Lokal selbst hält dank öfterer Neugestaltung und Dekoration
in Zürich wohl einen einsamen Facelifting-Rekord. In allen Belangen
kann von Altern also keine Rede sein.
Petra hat nun die Gastgeberrolle an der Front übernommen. Auch ihre
Geschichte ist eng mit dem T&M verbunden, ist sie doch bereits vor
Jahren mit Tamara aufgetreten. Dann ist sie im aufstrebenden Club engagiert
worden, als die beiden Patrons «Tamara & Marisa» Unterstützung
brauchten. Während sieben Jahren war Carla Chefin an der grossen
Bar. Petra löste sie dort ab und verwöhnte die Gäste mit
ihrem Lächeln. Doch fünf Jahre später wollte sie auf eigenen
Beinen stehen und realisierte mit dem Restaurant Habsburg in Zürich
Wiedikon ihren eigenen Betrieb. Doch meistens kommt der Täter an
seinen Tatort zurück, und so ist Petra wieder ins T&M zurückgekehrt.
Nicht zuletzt, weil es ihr als Nachtfalter gefällt, bis in die frühen
Morgenstunden zu arbeiten. Wie es denn sei, wieder im T&M zu sein,
wollten wir wissen. «Ich fühle mich sehr wohl, habe mich sehr
schnell wieder eingelebt. Ich bin von der Crew gut aufgenommen worden»,
lacht sie. «Ich finde auch die Zusammenarbeit mit dem darüberliegenden
Club Aaah! spannend das geht ohne jeden Konkurrenzkampf».
Cruiser wollte nun
aber doch von der «Frau der ersten Stunde» wissen, wie es
damals war:
Tamara, wie hat denn alles begonnen, wie bist du zu «Tamara»
gekommen und wie ist die Disco zu «Tamara & Marisa» (T&M)
gekommen oder ihr beide zur Disco?
Tamara: Hahaha, wie ich zu Tamara wurde? Das kannst du mich im Interview
zu meinem 50sten in vier Jahren fragen. Zur Disco sind wir gekommen ,wie
die Jungfrau zum Kind. Marisa und Ich waren auf Tournee auf Gran Canaria.
Roger, unser Manager, war zu jener Zeit Manager von Bägglis Swiss
Chalet. Da bekam er einen Anruf, dass das Lokal aus wirtschaftlichen Gründen
geschlossen würde, um eine Umstrukturierung vorzunehmen und eventuell
umzubauen. Da damals nur 44 Lokale bis 02.00 offen bleiben durften, machte
er den Vorschlag, dass wir für die Übergangszeit von vierzehn
Monaten eine Disco mit Shows für Gays machen. Das gab es ja damals
noch nicht in Zürich. Die vierzehn Monate wurden dann um sechs Monate
verlängert, um weitere sechs Monate verlängert und so weiter,
bis ich den Betrieb 1995 übernehmen konnte.
Erinnerst du dich
an den Tag der Eröffnung?
Ja sicher, ach, wie waren wir aufgeregt, nach den Vorarbeiten, dem Umdekorieren,
dem Einstudieren der Shows. Und auch nach dem Überleben der ersten
bösen Nachreden unserer geliebten Mitschwestern. Hahaha, aber das
gehört eben dazu. Der Spitzname Tüll & Müll wurde ja
schon einen Monat vor der Eröffnung kreiert. Aber allen Unkenrufen
zum Trotz hat das T&M bis heute überlebt.
Wie ging es dann
weiter?
Stressig, am Nachmittag aufräumen, Proben, zum Schneider, ins Tonstudio,
dann Abendessen, Schminken und um neun ging das T&M auf. Um zehn schnell
noch die letzten Bestellungen ausgeben, dann die Haustüre schiessen,
umziehen, Show machen, etwa 30 Minuten, dann wieder umziehen, Türe
öffnen und schnellstens weiter bedienen. Es haben ja nur Marisa und
ich im Fummel gearbeitet, Markus am Buffet und Mario am DJ-Pult. Ein Jahr
haben wir das so gemacht. Hart, aber schön und ich möchte
diese Zeit nicht missen.
Welches war dein
Grösster Erfolg?
Hehehe. Im Leben? In der Liebe? Im Beruf? Ich bin eigentlich schnell zufrieden.
Somit gibt es DEN grössten Erfolg wohl nicht. Aber insgesamt ist
es schon, dass das T&M jetzt 18 Jahre alt wird. Wenn man sich vorstellt,
wie ich im grünen Lurex-Kleid damals zum ersten Mal die Türe
öffnete, waren etliche unserer heutigen Gäste noch nicht mal
auf der Welt. Auch, dass ich zweimal den Berliner Tuntenball präsentieren
durfte, war ein Highlight in der Karriere von Tamara.
Und deine grösste
Panne?
Als wir in Gran Canaria auf Tournee waren! Oh mein Gott, wie peinlich.
Ich gehe von der Bühne, ziehe mich rasend schnell um und komme auf
die Bühne zurück, als Divine. Wunderschön, Perfekt, aber
die Musik war das Lied der Köchin von Margrit Rainer. Ich fand das
gar nicht lustig und bis zum heutigen Tag sortiere ich die Kostüme
nun immer nach Reihenfolge der Show.
Der grösste
Hit?
Ich denke, das Lied «Euses Dörfli» «In der Oper»
und «Dann Geh Doch» als Komik-Nummer. Diese drei Hits werden
mich wohl bis ans bittere Ende begleiten.
Tamara, wir danken für das Gespräch.
Eine Internetlösung
der
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