Richtig schön erotisch
Viele Akt-Models von José Messana kommen aus der Schweiz

Von Kurt Büchler

José Messana veröffentlichte 1996 seinen ersten Bildband mit erotischen Männer-Bildern. Er fotografiert für Zeitschriften und Magazine und seit acht Jahren hängen seine attraktiven Männer auch auf Kalenderblättern an der Wand. Nun ist sein neuster Bildband erschienen.

Cruiser: José, du hast mit «Caliente» ein wunderschönes Buch herausgegeben. Erotische Bilder mit interessanten, attraktiven Männern, bei denen manchmal das letzte kleine Geheimnis verborgen bleibt. Wie findest du diese Männer?

José Messana: Eine häufig gestellte Frage. Ich finde meine Models auf der Strasse, im Fitness-Club, in Cafés, auf Reisen, im Kino – durch die Vermittlung von Bekannten und jetzt vermehrt auch im Internet. Da ist irgendeine Anziehung, ich kann‘s nicht erklären – irgendwie hat sich das immer von selbst ergeben. Interessanterweise habe ich auch noch nie eine Absage bekommen. Die Männer kommen zum Casting und können dann die Session kaum erwarten. Da ich inzwischen bekannt bin, melden sich auch Prominente wie Artisten des Cirque du Soleil oder Mr. France, der nun das Cover von «Caliente» ziert.

Und wo machst du deine Aufnahmen?
Viele meiner Models kommen aus der Schweiz – ich bin bei jedem Casting aufs Neue verblüfft, wie viele attraktive Männer unser Land zu bieten hat. Da ich jedoch viel nach Frankreich ans Mittelmeer reise, arbeite ich auch dort mit Männern vor Ort. In den letzten Jahren fotografierte ich auch einige Male in Südamerika. Die Männer dort sind sehr unkompliziert und wortwörtlich kamerageil, doch leider machen oft Kriminalität oder die politische Situation zu schaffen, so dass ich doch lieber in Südeuropa fotografiere – auch wenn hier die Aufnahmeplätze nicht annähernd so exotisch sind.

Wie bist du überhaupt Fotograf geworden, und warum? Du pflegst deinen ganz speziellen Stil mit erotischen Bildern. Wie bist du dazu gekommen?
Ich hatte schon früh mit Fotografieren begonnen, anfänglich mit Mamis Pocket-Kamera. Bekannte und Arbeitskollegen (alles Heteros) fragten mich, ob ich von ihnen Aktfotos machen würde. Zu meinem Erstaunen machte mir dies einen Riesenspass und ich kam allmählich auf den Geschmack. Ich hatte mich allerdings schon früher mit dem männlichen Akt in der Kunstgeschichte auseinandergesetzt, Kurse besucht, viel darüber gelesen und fasziniert die antiken Plastiken studiert. Irgendwann kam der Wunsch, den männlichen Körper selber fotografisch darzustellen. Ich konnte dann muskulöse und sehr athletisch gebaute Sportler als Models gewinnen, meine Technik ausfeilen und erstmals publizieren – einige Fotografen, darunter Walter Pfeiffer und der bekannte Modefotograf Patrizio Di Renzo, hatten mich dazu ermutigt und mir Tipps gegeben. Ich habe es nie bereut, das Hobby zum Beruf gemacht zu haben - gerade in dieser Branche gibt es sehr viele Quereinsteiger, denn man kann das Fotografieren nicht wirklich erlernen. Es ist ein Geschenk für das ich sehr dankbar bin.

Du machst seit Jahren einen ebenfalls sehr schönen Kalender.
Ja, das ist ein Traum, der wahr wurde: Ich stand als Bub oft vor unserer Papeterie und staunte über die grossformatigen Kalender. Ich schwor mir, eines Tages ebenfalls Kalender zu machen – dass es Männer in erotischen Posen sein würden, wusste ich damals natürlich noch nicht. Seit nunmehr acht Jahren gibt es jährlich nicht nur einen, sondern mehrere Kalender, die mittlerweile so etwas wie mein Markenzeichen geworden sind. In Deutschland erscheinen jedes Jahr mindestens zwei, manchmal drei, in Frankreich, wo sich Kalender erst seit kurzem durchsetzen, erscheinen seit 2004 ebenfalls zwei pro Jahr, daneben gibt es noch Taschenagendas und Kalender im Kreditkartenformat - natürlich ebenfalls mit knackigen Jungs.

Wo erscheinen deine Bilder ausserdem?
Meine Arbeiten erscheinen im deutschsprachigen Raum vorwiegend in der Lifestyle-Presse: Men‘s Health, Fit for Fun, Bravo, Mädchen und hin und wieder kommt auch ein Bild in Facts oder SI und früher regelmässig im Blick – auf Seite 3. Eine fünfjährige, ausserordentlich fruchtbare Zusammenarbeit gabs mit ‘IDOL’, einem französischen Hochglanz-Schwulenmagazin, das in praktisch jeder Ausgabe ein Portfolio von mir publizierte - von einer solchen Situation konnten meine Kollegen bloss träumen. Leider wurde der Titel 2001 eingestellt, was ich natürlich sehr bedaure. Momentan arbeite ich vor allem für deutsche Frauen-Illustrierte, eine Kölner Tageszeitung, französische Gaymagazine und für die US-amerikanischen Fitnessmagazine Men‘s Exercise und Exercise for Men Only. Ein guter Kunde sind die australischen Studio Magazines. In «Blue» und in «Dreamboys» erscheinen meine Arbeiten regelmässig. Besonders gerne sehe ich meine Aufnahmen auf Buch-Covers von Romanen oder Kurzgeschichten. Auch viele Internet-Plattformen illustrieren ihre Sites mit meinen Fotos.

Kannst du von der Fotografie leben?
Ja, ich lebe seit nunmehr dreizehn Jahren ausschliesslich von der Fotografie - allerdings ist meine berufliche Zukunft nicht mehr so sicher: mit dem Aufkommen des Internets befindet sich die Presse - und damit mein Brotgeber - in einer grossen Krise. Die Möglichkeit, im Internet gratis erotische Inhalte zu konsumieren, führt dazu, dass immer mehr Zeitschriften verschwinden. Böse Zungen behaupten, unseren Berufsstand gäbe es in zehn Jahren nicht mehr, tatsächlich haben viele Kollegen aufgegeben. Aber wir werden ja sehen.
Nach dem Erscheinen und Promoten von ‘Caliente’ kommt jetzt erstmals eine kreative Pause. Ich möchte Energie tanken und nach neuen Projekten und Ideen Ausschau halten.

 

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