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Ein scheinbares Happy
End in der Steueroase
Wie die
Zuger Sensation-Party doch noch stattfinden konnte
Zug ist bekannt als
Boomtown der Schweizer Wirtschaft und lockt mit einem attraktiven Steuerfuss.
In Sachen schwullesbischem Szeneleben aber gibt es in der zweitgrössten
Innerschweizer Metropole Aufholbedarf. Wie schwierig es sein kann, das
Eis zu brechen, bekamen die Partyorganisatoren Angel (25) und Gillis (23)
zu spüren. Ihre «Sensation»-Party wäre aufgrund
antischwuler Sprayereien beinahe dem Rotstift zum Opfer gefallen. Die
Chronologie des Zuger Party-Debakels.
Antischwule Sprayereien
«Schwulen & Schwuchtel Club», mit dieser antischwulen
Parole nahm die grotesk anmutende Farce um die Sensation-Party ihren Anfang.
Unbekannte hatten sie über Nacht auf die Frontscheiben des Zuger
Hetero-Clubs «Topas» gesprayt, in dem am 29. Oktober bereits
die dritte Ausgabe der Sensation-Party über die Bühne gehen
sollte. In der Folge bekam die eingeschüchterte Clubbesitzerin Helena
kalte Füsse und sagte die Party kurzfristig ab, nicht zuletzt, weil
sie sich um den guten Ruf ihres Clubs und um das Wegbleiben der Stammgäste
Sorgen machte. «Ich hatte keine andere Wahl und wusste nicht, wie
ich mich in dieser Situation verhalten sollte.» Im Nachhinein habe
sie Verständnis dafür, dass sie mit ihrer Entscheidung ins Kreuzfeuer
der Kritik geraten sei: «Ich muss das akzeptieren. Das Beste in
einer solchen Situation ist wohl, sich ruhig zu verhalten.»
Eine verunsicherte
Clubbesitzerin
Die Partymacher Angel und Gillis wollten die kurzfristige Absage ihrer
Party allerdings nicht hinnehmen. Sie riefen zusammen mit den für
den Abend gebuchten DJs vom Glitzerhaus und unterstützt von der Online-Community
«gay.ch» zu einer Demo vor dem «Topas» auf, zu
der das schwullesbische Partyvolk ganz in pink erscheinen sollte. Die
wohl erste Schweizer Demonstration für ein Recht auf Party erwies
sich dann allerdings als überflüssig, da Clubbesitzerin Helena
schon zuvor beschlossen hatte, die Tore ihrer Location doch für die
schwullesbischen Gäste zu öffnen. Auf ihren plötzlichen
Gesinnungswandel angesprochen, sucht Helena nach Erklärungen: «Ich
bin ein sehr toleranter Mensch. Ich hatte nach den Sprayereien einfach
Angst, mit der Sensation-Party zu fest zu provozieren und sorgte mich
um die Sicherheit der Gäste. Zug ist in Sachen Gay-Parties einfach
noch nicht so weit. Ich möchte aber nicht alle Zuger beschuldigen,
das sind einzelne Personen.»
Vordergründige
Toleranz
Auch Angel ist der Meinung, dass es immer noch schwierig ist, in Zug offen
schwul zu leben: «Einige akzeptieren Schwulsein nicht, es gibt auch
eine Gruppe von Leuten, die richtig schwulenfeindlich eingestellt ist.
In Zürich oder Luzern ist das anders, dort gibt es schwullesbisches
Leben einfach schon viel länger». Auch wenn Angel mit Nachdruck
betont, dass er Zug nicht schlecht machen möchte, ist es eine Tatsache,
dass der reiche Finanzstandort abgesehen von zwei LesBiSchwul-Gruppen
über keinerlei explizit schwullesbische Treffpunkte verfügt.
Auch wenn sich das Ende des Zuger-Debakels scheinbar wie ein Happy End
ausnimmt, bleibt doch ein bitterer Nachgeschmack zurück. Am Partyabend
tanzten nämlich mehrheitlich Heteros im Topas, die wohl nicht alle
aus Solidarität gekommen waren, sondern unter anderem, weil sie dachten,
die «Sensation»-Party wäre abgesagt worden. Auch wenn
Angel und Helena im Nachhinein beide betonen, wie sie sich über die
Durchmischung des Publikums gefreut hätten, bleibt dahingestellt,
ob es dazu aus wahrer Toleranz gekommen ist.
Die Zukunft der
Pioniere
Nach einigen Differenzen zwischen den Partyorganisatoren und der Clubbesitzerin
haben sich die Wogen inzwischen übrigens wieder geglättet. Helena
hält es durchaus für möglich, dass im «Topas»
eine weitere «Sensation»-Party stattfinden kann und wird.
Auch Angel glaubt an die Zukunft seiner Party und bilanziert nicht ohne
Stolz: «Wir waren die ersten in Zug, die so etwas gewagt haben,
wir sind also eine Art Pioniere. Daher ist es schon in unserem Sinn, dass
die Party weitergeht.» Im Moment sei er mit seinem jungen Chihuahua
und seiner Ehefrau aber ganz ausgelastet, erzählt er mit einem verschmitzten
Lächeln. In Zug scheint einiges etwas unerklärlicher als anderswo
zu sein.
Eine Internetlösung
der
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