Ein neues Basler-Läggerli
Basel hat mit «Crush Boys» eine neue, regelmässig stattfindende Party

Von Roman Ulrich

Nachdem vor einem Jahr die Partyreihe «Uppsala» im Keller des Hirschenecks ein Ende nahm, fehlte es in Basel an einer regelmässigen schwulen Party. «Unter keinen Umständen wieder zurück in diesen Keller», schwor sich Partymacher Johannes Sieber und schickte den Crush Boy, den schönsten, cleversten und erfolgreichsten Typen der Klasse, den alle Mädchen und wir insgeheim haben wollten, in Basels exklusivster Garage an den Start. «Crush Boys» soll zum Bestandteil des Basler Partykuchens werden - und das nicht nur für Schwule.

Basler Understatement
Partymacher Johannes Sieber mag nicht einstimmen in das Gerede über den angeblichen Niedergang des Basler Partylebens, welches seit rund vier Jahren die Seiten von in Zürich erscheinenden Publikationen wie «FACTS» oder «DAS MAGAZIN» füllt: «Basel hatte schon immer einiges zu bieten. Der Basler ist sich nur zu fein, auch zu kommunizieren, was er tut. Man macht hier gerne auf Understatement und findet sich damit sympathisch. Die Entwicklungen des Basler Nachtlebens, ob schwul oder hetero – wird dramatisiert.» Zu-dem gehe in Basel vieles im privaten Rahmen über die Bühne, beispielsweise Parties, von denen man nur erfahre, wenn man über den aktuellen Zugangscode einer bestimmten Webseite verfüge. Über weniger Hintertürchen verläuft der Weg zum Annex, laut Sieber die exklusivste Garage Basels, in der sich neuerdings die Jungs, die sich immer als Erste ins Buch «Meine Schulklasse» eintragen durften, einmal im Monat ihr Stelldichein geben. Die kleine, aber feine Location mit einem Floor und einer schönen Bar ist ab dem Bahnhof SBB in sieben Minuten zu erreichen.

Begeistert oder überfordert
Ähnlich beeindruckt und bisweilen überfordert wie angesichts der Physis der Klassenschönlinge scheint das Basler Publikum nach den ersten drei Soirées an der Binningerstrasse zu sein: «Bereits nach der dritten Party ist im Publikum meine Idee von ‚Crush Boys’ spürbar. Natürlich gibt es auch viele kritische Stimmen, denn gerade mit der Musik fahren wir nicht die Schiene, die man von anderen Gayparties kennt. Einige sind damit überfordert», so Partymacher Sieber zur Resonanz auf die ersten Parties. Die Musik, welche von Berufs-DJs und Musikern aus der Basler Szene an den Mischpult-Reglern zusammengeschustert wird, bezeichnet Sieber kryptisch als «Breit im Stil – tief im Groove». An der kommenden Party vom 4. März stehen mit Indiependance, sexy Boumboum & kitschy Biscuits jedenfalls Häppchen auf der musikalischen Speisekarte, die nicht gerade für die These eines «Kuhdorf[s] Basel» (FACTS) sprechen und in musikalischer Hinsicht selbst «downtown Switzerland» ziemlich konventionell ausschauen lassen.

«Etwas Zentrales, für alle Sichtbares»
Die Basler Szene charakterisiert Partymacher Johannes Sieber als alternativ. Dies hänge womöglich damit zusammen, dass während längerer Zeit vorwiegend das Hirscheneck Schauplatz von Gayevents war. Nachdem sich die Uppsala-Reihe an und aus diesem Ort verabschiedet hatte, nutzte Johannes Sieber die Gunst der Stunde: «Für mich war klar, dass etwas Neues kommen musste. Ich wollte unter keinen Umständen in diesen Keller zurück. Ich wollte etwas Zentrales, für alle Sichtbares machen. Crush Boys soll zum Bestandteil des Basler Partykuchens werden – nicht nur für Schwule. Und das funktioniert bis anhin ganz gut. Die Party wird von mir koordiniert. Möglich gemacht wird sie von einem Team von guten Leuten, die auf ihrem Gebiet professionell arbeiten. Vom Berufs-DJ bis zum gelernten Schneider an der Garderobe.» Sie alle werden sich nun jeden ersten Samstag im Monat ins Zeug legen, damit wir nicht - wie an den zig Klassenfesten damals - tatenlos dabei zuschauen müssen, wie der von uns angebetete Crush Boy ganz foxi von der hübschesten Blondine abgeschleppt wird.
Weitere Infos unter: www.crushboys.ch


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