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Auf Bali eine neue
Heimat gefunden
Orlando Bassi gründete
seine Firma in Buchs und zog bald danach mit ihr nach Bali
von Michael Lenz,
Ubud
Der Perückenmacher
Orlando Bassi auf Bali stammt aus der Schweiz. Er liefert seine Produkte
in die ganze Welt. Seine Welt aber ist inzwischen Abuan auf Bali. Der
ehemalige Freund ist ihm geschäftlich treu geblieben, partnerschaftlich
verbunden und leitet das Unternehmen in der Schweiz.
Im Atelier Bassi in
dem kleinen Dörfchen Abuan auf Bali geht es geschäftig zu. In
der grossen Werkstatt knüpfen den lieben langen Tag balinesische
Arbeiter Perücken aus Rosshaar für Anwälte und Richter
in London, produzieren Schamhaare für einen Hersteller lebensgrosser
Silikonsexpuppen in den USA, fertigen Perücken für den Cirque
Du Soleil und gar Broadwaymusicals. Nebenan stellen junge Männer
aus Spezialkunststoffen Körperteile wie blutige Finger als Demonstrationsobjekte
für Erste-Hilfe-Kurse oder Nasen für Bühnen- und Filmmasken
her. Zwischendrin wuselt Chef Orlando Bassi wie immer ganz in Schwarz
und gibt in einem Kauderwelsch aus Englisch und Indonesisch mit
dickem Schweizer Akzent Anweisungen: «Really cepat cepat»,
was so viel heisst wie «Aber bitte schnell».
Vom Pendler zum
Sesshaften
Zusammen mit seinem Partner Guiseppe Abbate betreibt der 39jährige
Bassi das Unternehmen in Bali. Bassi erzählt: «Ich war gerade
in Neuseeland, wo der Schweizer Ueli Steiger die Roland-Emmerich-Produktion
Tenthousand BC drehte, für die wir 180 Dreadlock-Perücken
produziert haben.» Die Produkte von Bassi gehen in alle Welt und
natürlich auch in die Schweiz. «Wir haben gerade ein Kinnteil
für Walter Andreas Müller hergestellt.» In Arbeit seien
auch Perücken, Kostüme und Schuhe für das Mittelalter-Musical
«Basileia», das im Oktober im Volkshaus Basel seine Weltpremiere
erleben wird.
Die 1990 in Buchs gegründete Firma produziert seit August 1998 in
Bali. Bassi lebt inzwischen ganz auf der Götterinsel. Am Anfang sind
wir alle zwei Wochen nach Bali gereist», erinnert sich Bassi. «Ich
habe mich dann entschlossen zu bleiben. Ich mag es hier. Es ist so relaxt,
das Wetter ist schön, die Menschen sind freundlich und billig ist
es auch.» Abbate leitet das Unternehmen in der Schweiz. «Ich
würde auf Bali einen Koller kriegen. Für kurze Zeit und auch
für einen Urlaub ist es OK, mehr aber auch nicht.»
Von der Beziehung
zur Geschäftspartnerschaft
Bassi und Abbate waren zwölf Jahre lang auch privat ein Paar. Die
Beziehung ist längst Geschichte, aber Freundschaft und Geschäftspartnerschaft
haben die «Scheidung» überlebt. Als Hobby haben sich
die Dolce & Gabbana der Perückenindustrie das kleine, aber feine
Boutiquehotel «Gubah Bali» geleistet, das zwischen dem Städtchen
Ubud und ihrer Perückenfabrik am Ende eines holperigen Weges liegt,
der durch Dörfer und vorbei an sattgrünen Reisfeldern führt.
Jetzt aber stehen die drei luxuriösen Villen samt Restaurant, Swimming
Pool und ganz, ganz vielen exotische Blumen, Frangipanibäumen und
Kokospalmen zum Verkauf. Das Hotel zu bauen war Orlandos Idee. «Ich
dachte, das könnte man so nebenbei, quasi als Hobby betreiben»,
grinst Orlando verlegen. Aber das sei ein Trugschluss gewesen und deshalb
habe er sich zu dem Verkauf entschlossen. Abbate wird sich ohne grosse
Wehmut vom «Gubah Bali» trennen, das der 37jährige immer
für einen verrückten Spleen seines Ex gehalten hat.
Weitere neue Projekte
Bassi plant schon neue Projekte. Zusammen mit zwei Freunden in der Schweiz
will er die Liebesgeschichte zwischen einem Indonesier und einem älteren,
inzwischen verstorbenen Engländer verfilmen. «Die Geschichte
ist irgendwo zwischen Tod in Venedig und Gods and Monsters
angesiedelt», sagt Bassi. Mehr wolle er aber derzeit noch nicht
verraten, da das Projekt noch nicht ganz im Trockenen sei. Drehbeginn
soll spätestens Anfang 2008 in Indonesien sein. Aber auch im Atelier
Bassi stehen die Zeichen auf Expansion. In Jakarta wird zur Betreuung
des asiatischen Markts eine Niederlassung eröffnet werden, Zürich
soll die Zentrale für Europa und die USA sein.
Ubud Künstlerkolonie
und ein Touristenmagnet
Das balinesische Atelier Bassi ist in der Nähe von Ubud. Das Städtchen
inmitten von Reisfeldern und üppigster tropischer Natur ist eine
Künstlerkolonie und ein Touristenmagnet gleichermassen. Ausgerechnet
ein schwuler Deutscher hat Bali und Ubud auf die touristische Landkarte
gebracht. Nachdem seine Beziehung mit dem Stummfilmregiestar Fritz Murnau
(«Nosferatu») zu Ende gegangenen war, reiste der Maler Walter
Spiess 1927 von Berlin nach Bali, wo er zum wichtigsten Tropenmaler nach
Paul Gaugin wurde. Ubud zieht seitdem magisch Maler, Bildhauer, Schriftsteller
und andere kreative Leute an. Zu den Zeiten von Spiess wurde die internationale
Künstlerkolonie zu einem Mekka der Schönen und Reichen. Charlie
Chaplin war zu Besuch, Woolworth-Erbin Barbara Hut-ton und auch die Schriftstellerin
Vicki Baum.
Umzug in der Schweiz
In diesen Tagen organisiert Abbate den Umzug des «Atelier Bassi»
von Buchs nach Zürich. «Ich habe gefragt, ob ich kommen und
helfen soll. Aber Guiseppe weiss, wie schrecklich ich bei solchen Dingen
sein kann und hat mir gesagt, ich soll bleiben, wo ich bin», grinst
Bassi. Der erste Besuch im neuen «Atelier Bassi» in Zürich
steht erst im September an. Bassi lacht: «Ich wollte immer schon
mal in der Stadt leben.» Aber in die Schweiz kommt er maximal für
zwei Monate im Jahr. Lieber ist er in seinem Haus unter Palmen und mit
Blick auf Reisfelder.
www.atelierbassi.ch
Eine Internetlösung
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