London strikes back!
Ein Londonbesuch lohnt sich. Während der Europride vom 17. - 30. Juni erst recht.

Von Branko B. Gabriel

London feiert ein gigantisches Comeback. Nicht nur, dass die Stadt an allen Ecken und Kanten erneuert wird, oder die Queen eben achtzig wurde, Olympia wird geplant und man spürt es einfach, hier entstehen Trends, sei es in der Mode oder in der Musik. London ist dieses Jahr auch Gastgeber der Europride mit über hundert Veranstaltungen. Ein Grund mehr, das Festland zu verlassen und auf der Insel abzufeiern. Branko B. Gabriel erkundete für Cruiser die Stadt und zieht die Bilanz: «Let's go»! Hier sein Bericht.

Die British Airways bringt uns bequem von Zürich nach Heathrow. Im Flieger werden wir grosszügig und sympathisch verwöhnt, Getränke ohne Ende. Vom Flughafen geht’s direkt mit der Piccadilly Line gemütlich und günstig in die Innenstadt. Bereits nach dem Check-in ins ultramoderne und wirklich beeindruckende Riverbank Park Plaza Hotel mit grandioser Sicht auf die Themse (Vauxhall Station) zieht es uns ins abgefahrene Soho-Viertel. Mit unzähligen Bars, Pubs und Restaurants fängt unser erster Abend ja spannend an. Achtung, hier herrscht Linksverkehr, nicht nur auf den Strassen! Für ein Bierchen kehren wir im G.A.Y ein. Weshalb? Klar, süsse Jungs und mit Abstand die billigsten Getränke. Wer es allerdings eher ein bisschen schicker mag, ist im Freedom besser aufgehoben.

Das Nachtleben testen
Nach ein paar Drinks entschliessen wir uns noch für das Cafe Boheme, aber Achtung, nicht ins Pub, sondern runter in den tiefen Keller. Da befindet sich nämlich das kleine, dreckige Bijoux Barcelona. Hier wird zu spanischen Schlagern und Schnulzen frivol abgetanzt. Wunderbar sonderbar und ohne jeglichen Glamour. Nicht grösser als eine kleine 3-Zimmerwohnung, also ziemlich eng und heiss! Nach dem dritten Cuba libre wird’s mir dann doch zu bunt und ich will ja nicht schon am ersten Abend in ein Alk-Koma fallen. Zurück also ins Hotel. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn zuvor laden uns ein paar Jungs in einen völlig durchgeknallten Club ein. Discotec (nur donnerstags) heisst dieser wirklich schräge und doch geniale Schuppen. Und hier trifft sich dann auch das hippe und coole London. 2 Dancefloors mit Hard-house und R`n`B laden zum durchstarten ein. Nicht nur die Musik, sondern auch die Jungs starten hier durch – und die sind nicht ohne. Lecker!

Auf Shopping-Tour
Mit einem doch etwas brummenden Kopf stehen wir am nächsten Morgen vor dem Frühstücksbuffet. Nicht gerade die feine englische Art: Bohnen, Porridge und Tomatensauce. «Würgh». Nach einem kurzen Drill im hauseigenen Gym heisst es heute: auf nach Notting Hill. Herzige kleine und farbige Häuser strahlen hier um die Wette mit feinen und coolen Shops, Bars und Pubs. Hier trifft Antik auf Trash. Stöbern und «Märten» lohnt sich also. Runter in Richtung Portobello Market geht’s dann ans Eingemachte. Taschen, Fische, Jacken, Blumen - hier gibt es alles, was das Herz begehrt und doch zu moderaten Preisen. Man muss ungedingt unter der Brücke (Unterführung) nachschauen, denn hier verführen unzählige Secondhand-Stände zum Shoppen und «Chrömle». Bei Gedränge ist hier etwas auf die Taschen zu achten. Wieder in der Innenstadt, ziehen wir uns den Covent Garden rein. In diesem Viertel wird Fashion gross geschrieben. Ein «must» ist das Reinschauen bei: Size?, Pop Boutique, Coco de Mer, Hope&Glory und Boxfresh. Lasst euch überraschen!


Hipp, schick, schräg und «amazing»

So viel Shoppen macht natürlich hungrig. Also nichts wie los und zurück ins Hotel. Denn man sagte mir, das Restaurant Chino Latino sei momentan eines der angesagtesten in der Londoner Schickimicki-Szene. Sehr hip und unglaublich schick. Auch die Preise! Den Tisch reserviert man am besten schon von der Schweiz aus im Voraus. Nach Sushi und Sake geht’s dann «mächtig aufgedonnert» zu George & Dragon an die 2, Hackney Road (Osten). Und so was hat die Welt noch nicht gesehen. Eine Spelunke sondergleichen, charmant, laut und sehr schräg. Nicht jedermanns Geschmack, aber die Rüebli und die Tüttüs an der Decke muss man wirklich gesehen haben. Bumsvoll im wahrsten Sinne und ein punkiges Publikum, das einem aus den Socken oder eben Pumps haut. Billiger Sprit und billiges Benehmen. Amazing! Im Cock sehen wir dann die halbe Rasselbande wieder. Der Club ist eine der ersten Adressen Londons. Hier lässt es DJ Princess Julia bis in die frühen Morgenstunden krachen. Klein, aber fein, unbedingt vor Mitternacht besuchen, sonst hat man keine Chance reinzukommen. Hier tanzen die Wilden und Verrückten der Nacht. Ein absolutes Muss!

Window-Shopping
Ziemlich verkatert ist tags darauf Sightseeing angesagt. Und hiervon hat London ja allerhand zu bieten: Buckingham Palace, Westminster oder den Big Ben. Das lassen wir aber, denn wer schlau ist, besucht zuerst das BA London Eye. Auf dem grössten Riesenrad der Welt hat man einen spektakulären Ausblick über ganz London. Bei schönem Wetter sogar bis nach Windsor. Wunderschön, aber nichts für nicht Schwindelfreie. Für die etwas dickere Brieftasche empfiehlt sich die Oxford Street. Mit dem weltberühmten Modetempel Selfridges. Aber nicht nur die teuren Labels sind hier berühmt, nein, Window-Shopping ist hier erste Sahne. Die wirklich schönsten Fenster, die ich je gesehen habe. Sprachlos. Übrigens, die «truckigen» Verkäufer bei Topshot sind herrlich!

Nach so viel Staunen knurrt halt dann doch irgendwann der Magen. Gleich um die Ecke gibt’s Leckeres aus Asien. Wagamama heisst hier das etwas kantinemässige Restaurant. Anstehen lohnt sich, denn wer hier ein Plätzchen ergattert hat, kommt in einen wirklich köstlichen Genuss. Genuss verspricht auch der neue Roman Spa Chariots an der Vauxhall Station (nähe Hotel). Gay only. Gleich nebenan, im Crash, geht’s dann zu später Stunde ziemlich heftig weiter und ohne langes Blabla auch an die Wäsche. Nur was für Hartgesottene.
Weitere Highlights sind sicher ein Besuch der Tate Modern oder der coming-up-Designer an der Brick Lane, in der Nähe der Liverpool Station. Very hip und sehr populär. Natürlich darf bei einem London-Trip Camden Town nicht fehlen. Hier scheinen die Punks wirklich nicht totzukriegen zu sein – herrlich schräg und unglaublich inspirierend.
Wer wirklich wieder einmal einen unglaublichen Trip erleben will, London und die Europride warten auf die Festland-Gays.


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