Travestie auf höchstem Niveau
Der Travestie-Star Mary gastiert zu Weihnachten in der Schweiz

Von Andreas Candinas

Fast jeder kennt die schillernde, mondäne Mary. Ob von der Bühne, aus Fernsehshows oder der Werbung. In extravaganten Kostümkreationen und auf zwölf Zentimeter hohen Absätzen eroberte «Mary» alias Georg Preusse das Publikum. Der Mann hat die Travestie einem breiten Publikum nahegebracht – und avancierte zur Kultfigur.

Der grossen Masse bekannt wurde der 1950 in Ankum geborene Georg Preusse Anfang der 80er Jahre mit seinem Bühnenpartner Reiner Kohler als «Mary & Gordy». Neben zahlreichen Tourneen wurden für das Fernsehen insgesamt sechs Shows des Duos ausgestrahlt. Jeweils eine Mary & Gordy-Show und eine spätere Mary-Show waren deutscher Beitrag zum Wettbewerb um die «Goldene Rose von Montreux». 1990 erhielten Mary & Gordy die Goldene Kamera der Fernsehzeitschrift «Hör Zu». Am 18. Januar 1995 starb Kohler. Preusse schlug anschliessend eine Solokarriere mit zahlreichen Tourneen und 25 eigenen TV-Shows ein und wurde auch im Alleingang als Mary erfolgreich. Doch er ist mehr als Mary. Preusse ist ein gefragter Schauspieler und feiert auch als Mann auf der Bühne seine Erfolge. Ob als Conférencier in «Cabaret», als Mackie Messer in der «Dreigroschenoper» oder im «Jedermann» als Titelheld.

Einblicke in sein Leben
In seinem Buch «Mary – Mein Leben in ihrem Schatten» offenbart Preusse auch ganz Privates, zum Beispiel die erfahrene Gewalt in der Partnerschaft. Da ist denn zu lesen: «Meine erste Liebe hiess Gerd, war sieben Jahre älter. Das schreckliche Ende unserer Beziehung war ein zertrümmerter Unterkiefer. Seitdem hat mich nie wieder einer gegen meinen Willen angefasst. Ein Grund, dass ich nach grossen Shows, wenn mir viele Fans zu nahe kommen wollen, äusserst zurückhaltend bin.»
Dass er dem eigenen Geschlecht zugewandt ist, war für seine Eltern in dem 2000-Seelen-Dorf «eine Katastrophe». «Mein Vater hielt mich für krank, schickte mich zum Psychiater. Zunächst habe ich Informatik sowie Funk- und Fernsehtechnik studiert. Das Studium brach ich jedoch ab, suchte mein berufliches Glück in Frauenkleidern auf der Bühne. Das war zu viel. Meine Eltern warfen mich hinaus...» Bis zum Kultstar Mary war noch ein langer Weg und es dauerte noch Jahre. Erst viel später, als Mary & Gordy grosse Erfolge im Fernsehen feierten, waren die Eltern versöhnt.

Berlin und die Schweiz
Vielleicht das Wichtigste in seinem Leben war die Begegnung mit Berlin. «Als 16jähriger kam ich zum ersten Mal hierher. Als ich aus dem Flugzeug stieg, konnte ich endlich frei atmen. Eine Stadt, in der jeder nach seiner Fasson selig werden kann. Hier herrscht Freiheit im wahrsten Wortsinn. Ja, ich bin Berliner durch und durch. Man lässt sich so leicht nichts mehr gefallen. Deshalb kann ich überall ein Berliner sein.» Und das scheinbar bestens in der Schweiz. Was manch ein Mary-Bewunderer hierzulande nämlich kaum weiss: Mit seinem jetzigen Lebensgefährten ist er seit bald 30 Jahren in der Schweiz in einer glücklichen Beziehung. Er formuliert es so: «Wir sind Eidgenossen ohne Eid, haben uns keine Treue bis in den Tod geschworen. Niemand ist des Anderen Eigentum.»

Nun freut sich Preusse, der Berliner und Eidgenosse, sein Schweizer Publikum mit einer ganz besonderen Weihnachtsbescherung überraschen zu dürfen – mit der exklusiven Weihnachtsshow «Mary Christmas» in Basel und Zürich.


Eine heitere und nachdenkliche Weihnachtsshow
Lichterglanz und bunte Kugeln, duftendes Gebäck und knisterndes Geschenkpapier – Weihnachten ist eine ganz besondere Zeit im Jahr. Und dieses Jahr erst recht, denn Mary, Europas bekanntester Travestiestar, präsentiert eine neue Weihnachtsshow: Mary Christmas. Ein Abend voller Überraschungen, mal frech und frivol, mal züchtig und zahm. Witzige Weisheit gepaart mit Ironie und Charme. Im weihnachtlichen Zauber beflügelt Mary die Sinne und öffnet die Pforten der Phantasie. Doch ist bei Mary immer auch Raum für ein Augenzwinkern – über Dinge im Leben, die man oft viel zu ernst nimmt. Und für ein Innehalten, um über die Themen nachzudenken, die man nicht ernst genug nehmen kann: Der Krieg im Nahen Osten und die Mütter, die den Tod ihrer Söhne beklagen. Eine Gesellschaft, der es zu oft an Toleranz und Verständnis füreinander mangelt. Mary legt den Finger an die Wunden unserer Zeit.

Gerade zu Weihnachten sollte niemand diejenigen vergessen, die am Rande der Gesellschaft leben. Mary Christmas – diese Weihnachtsshow ist mehr als «Jingle Bells» und «Oh, Tannenbaum». Es ist vielmehr Marys persönliches Bekenntnis zum Leben, das so facettenreich ist wie Mary selbst: nachdenklich und ernst – und im nächsten Moment wieder heiter und bunt. Auf ihre ganz eigene Art wünscht Mary ihrem Publikum in Basel und Zürich «Merry Christmas»


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