
|
Lust auf Politik
trotz freisinnigem Verdruss
Peter Püntener
hat der FDP den Rücken gekehrt
Von Matin Ender
Bei den Stadtzürcher
Gemeinderatswahlen im Februar 06 hat der schon immer liberal denkende
Peter Püntener im Wahlkreis 7 als FDP-Mann ein glanzvolles Ergebnis
erzielt. Doch im Mai ist er aus der FDP ausgetreten und blieb als Parteiloser
im Parlament. Seit dem 19. September politisiert er nun grünliberal
und ist der erste und vorläufig einzige Gemeinderat der GLP.
Der Beitritt des ehemaligen
freisinnigen Politikers und engagierten Gemeinderats wird von Markus Baumann,
Präsident der GLP, als wachsende Bedeutung der GLP Stadt Zürich
als liberale, ökologische und gesellschaftlich moderne Mitte in der
städtischen Politik gewertet: ´Peter Püntener wird nicht
der letzte liberal-denkende Politiker sein, der zur Überzeugung gelangt,
dass seine liberalen, sozialen und ökologischen Werte mit den grünliberalen
Werten übereinstimmen und von der GLP vertreten werden.
Junge Partei
Die Grünliberale Partei hat eine junge Geschichte. Vor rund anderthalb
Jahren ist sie auf Kantonsebene durch eine Abspaltung von den Grünen
entstanden. Es gab damals Leute in der Partei, welche durchaus für
einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt waren, dies aber nicht a priori
im Gegensatz zur Wirtschaftsentwicklung sahen. Der Graben unterschiedlicher
Ansichten führte zu einem Bruch auf kantonaler Ebene. In der Stadt
Zürich startete die Partei weniger durch die Abspaltung von den Grünen
als durch liberal-denkende Bürger. Püntener ist heute der Überzeugung
´dass die Grünliberale Partei Wirtschaft und Natur in Harmonie
zu bringen versucht und eine modernere Partei ist, als die Partei der
Grünen, die für viele Leute nicht wählbar ist, weil man
sie immer noch als bärtige Sandalenträger sieht
- was natürlich völlig falsch ist. Und er betont, dass er viele
gute Kontakte hat zu Mitgliedern der Grünen Partei.
FDP ist nach rechts
gerutscht
In den zehn Jahren seiner bisherigen aktiven Politiklaufbahn war die FDP
Pünteners Heimat. Wie kam es dann zum Bruch? ´Das ist eine
lange Geschichte, sagt Püntener und ist sich nicht sicher, wieviel
er von der ganzen Geschichte preisgeben will: ´Einiges habe ich
bisher nur meinen engsten Freunden anvertraut. Ein paar Beweggründe
sind aber auch von aussen betrachtet klar und tauchten damals in der Tagespresse
auf. Zum Anfang der Geschichte gehört Philippo Leutenegger. Seinen
Eintritt in die FDP verbanden viele, darunter auch Püntener, mit
einem Rechtsrutsch der Partei. Seine Kandidatur gegen Doris Fiala für
das Kantonalpräsidium löste abermals Bedenken aus. ´Wäre
er gewählt worden, hätte ich schon damals den Austritt aus der
FDP gegeben, sagt Püntener. Später kam dann noch die unglückliche
´Bortoluzzi-Wahlstrategie hinzu. Die FDP-Parteispitze empfahl der
Basis, bei der Zürcher Regierungsratsersatzwahl den SVP-Mann Toni
Bortoluzzi zu wählen. Dass sich Püntener offen gegen diese Wahl
äusserte, hat man ihm übel genommen. Aber letztendlich brauchte
es noch mehr, um ihm die Freude an der FDP-Politik zu vergällen.
Gefühl der
Diskrimierung
Ausschlaggebend war zum Schluss das Verhalten der Fraktion. Der FDP-Mann
fand sich nicht mehr am richtigen Platz. ´Ich bekam in der Fraktion
als Schwuler diskriminierenden Druck zu spüren. Gemäss seiner
Aussage sind an der Fraktionsspitze drei von fünf Leuten klerikal
stark beeinflusst. Über die Religionszugehörigkeit will sich
Püntener nicht äussern. ´Die Leute sind einfach sehr konservativ
geprägt und passen für mich nicht zum Bild einer liberalen Partei.
Peter Püntener wurde das Gefühl nicht mehr los, dass drei bis
vier Fraktionsmitglieder schon mal gegen ihn waren, einfach weil er schwul
ist. (Und dass er schwul ist, war seit jeher allen klar; seit jeher heisst,
seit dem Jahre 2000, als er als Präsident der Eurogames auf dem Zürcher
Polit-Parkett eine öffentliche Person war). Ein weiterer Teil war
gegen ihn, weil er in ihren rechten Augen zu liberal politisierte. Peter
Püntener kam zum schmerzlichen Schluss, dass er am falschen Platz
war. Der Austritt aus der Partei war die konsequente Folge.
Neuorientierung
Es folgte eine kurze parteilose Zeit im Parlament und nun ist Peter Püntener
der erste grünliberale Gemeinderat der Stadt Zürich. Ist die
GLP Stadt Zürich damit unverhofft zu einem Sitz gekommen, auf den
sie gar keinen Anspruch hat? ´Über den Anspruch kann man sich
streiten, so Püntener, ´mit einer andern Wahltaktik hätten
die Grünliberalen die 5-Prozent-Hürde im Kreis 4/5 knacken und
so den Einzug mit drei Sitzen in den Rat schaffen können. Auf die
Frage, was er denn nun in einer kleinen Partei ausrichten kann, präsentiert
er nicht ohne Stolz folgende Rechnung: ´Das Verhältnis zwischen
der bürgerlichen, klerikalen Seite (CVP, EVP, FDP, SVP und Schweizer
Demokraten) und dem Block Grün, Alternativ und SP ist
61 zu 63 ohne mich mitzuzählen. Es fehlen des öftern vier bis
acht Räte an einer Sitzung. Seit Mai ist es dadurch etwa fünfmal
vorgekommen, dass eine Patt-Situation entstand. In der jetzigen Situation
kann ich das Zünglein an der Waage sein. Nach der kurzen parteilosen
Zeit kann ich nun nach Absprache mit der Partei in deren Sinne stimmen.
Püntener ist überzeugt, dass demnächst noch manch liberal
Denkender den Weg zur GLP finden wird und die Partei an Stärke gewinnt.
Peter Püntener
hatte auch schon mal für den Kantons- und Nationalrat kandidiert.
Wie sieht die Zukunft aus? ´Die Kantonsratswahlen sind jetzt in
Vorbereitung. Für eine junge, kleine Partei ist es natürlich
interessant, jemanden als Lokomotive im Wahlkampf einzuspannen. Wenn ich
kandidieren würde, dann der Partei zuliebe. Aber jetzt bin ich erst
einmal Gemeinderat in Zürich, und das mach ich gerne.
Und noch etwas macht er in und für Zürich gerne: Der Politiker
Peter Püntener tanzt auch mit Freude und Lust auf dem Party-Parkett.
Auf den erfolgreichen Start seiner Partyreihe mit "summer in the
city" folgt nun im Herbst "arche gioia".
Eine Internetlösung
der
|