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Das Gesicht zeigen
auch im Glashaus
Bernhard Pulver
will sich weiterhin öffentlich für schwullesbische Anliegen
engagieren
Von Peter Wäch
Am 9. April dieses
Jahr erlebte der Kanton Bern einen historischen Wahlgang. Eine rot-grüne
Mehrheit fand den Weg in den Regierungsrat. Nun sind bereits 150 Tage
vergangen, seit Vertreter von SVP, FDP, SP und Grüne ihre Ämter
wahrgenommen haben. Unter ihnen auch der Stadtberner und ehemalige Grossrat
Bernhard Pulver von der Grünen Freien Liste (GFL), der vor Jahren
selber für den Cruiser journalistisch tätig war und somit auch
aus seiner Homosexualität keinen Hehl gemacht hat. Nun wurde er vom
Cruiser interviewt.
Persönliche Sachen
sind auf seinem Schreibtisch nicht auszumachen, denn es fehlt immer noch
an Zeit. Bernhard Pulver, der am 7. August 41 wurde, ist voll im Schuss.
«Die anstehenden Aufgaben haben es in sich, sind aber auch unerwartet
spannend.» Unerwartet? «Am Anfang dachte ich, dass all die
repräsentativen Pflichten in der Berner Exekutive etwas schwerfällig
werden könnten», so der Politiker, «aber ich treffe jeden
Tag neue Menschen mit neuen Ideen und Meinungen. Das macht die Sache ungemein
spannend.»
Vertreter einer
Minderheit
Erstaunt ist Bernhard Pulver über die extreme Öffentlichkeit
als Regierungsrat. Das sei kein Vergleich zu früheren Ämtern.
War Pulver doch im Stadtrat sowie im Grossen Rat von Bern. «Praktisch
jeder Schritt wird vermerkt, man sitzt im Glashaus!» Das bekam er
zu spüren, als er von der Jungen Alternative Bern in einem öffentlichen
Brief kritisiert wurde. Er habe sich über die von ihm mitgetragene
Interpellation zum Thema «Homo- und Bisexualität in der Schule»
zu verhalten geäussert. Bern mit Pulver im Regierungsrat könne
durchaus eine Vorreiterrolle übernehmen. Pulver hat Verständnis
für diese Reaktion, war aber überrascht. «Ich sehe mich
weiterhin als Vertreter dieser Minderheit, der ich selber angehöre.
Und ich nehme diese Verantwortung nach wie vor wahr, indem ich mich öffentlich
engagiere.» Pulver will sich nicht verstecken: «Es braucht
Leute, die ihr Gesicht zeigen!» Von Schnellschüssen hält
er wenig. Seiner Meinung nach erreicht man mehr, wenn man stetig vorangeht.
Kommt hinzu, dass er als Erziehungsdirektor zahlreiche Dossiers mit hoher
strategischer Relevanz behandeln muss. Da geht es um Tagesschulen, Lehrstellen,
um die Finanzierung der Volksschule oder um die Steuerung und Stärkung
der Hochschulen. «Es ist vielleicht für einige politische Freunde
schwierig zu verstehen, dass ich mich nicht immer mit gleicher Priorität
um alle Anliegen kümmern kann.»
Gut gestartet
Die Motivation, in der politischen Landschaft etwas zu bewegen, war bei
Bernhard Pulver seit jeher überaus gross. Ein Schnelldenker sei er,
der obendrein noch schnell spricht. Das mag sein und kommt in Ansätzen
auch rüber. Trotzdem geht von dem Mann eine Ruhe aus, wie man sie
selten bei Politikern findet. Auch jetzt, wo bereits die nächste
Sitzung ansteht, wirkt er konzentriert und gelassen zugleich. Wie ist
er damals eigentlich gestartet als Regierungsrat? Auch wieder gleich in
die Vollen? Nein, Bernhard Pulver begann sein Amt mit einer persönlichen
Begrüssung. «Ich habe allen Mitarbeitern von der Erziehungsdirektion
und Lehrkräften von der Volksschule einen Brief geschickt. Es ging
mir darum, für die geleistete Arbeit zu danken, aber auch zu erklären,
welche Herausforderungen anstehen.» Die Reaktionen waren äusserst
positiv. «Das hat mir zusätzlichen Ansporn gegeben»,
so Pulver. Während seiner langen Zeit in der Politik ist es dem jetzigen
Regierungsrat immer wieder gelungen, mit seiner kommunikativen Art zu
überzeugen. Bernhard Pulver: «Ich hatte schon immer grossen
Respekt vor anderen Menschen. Wenn jemand mit einer Frage auf mich zukommt,
dann gehe ich davon aus, dass er sich etwas überlegt hat. Also höre
ich zu.» Das vereinfacht die Arbeit im Berner Regierungsrat, wo
Vertreter aus bürgerlichen Parteien mitreden. «Es ist schön
zu beobachten, dass wir in erster Linie Sachpolitik betreiben».
Von Machtgelüsten distanziert sich Bernhard Pulver seit jeher: «Macht
wird ausgenützt, wenn man anderen nicht zuhört, sie übergeht
oder missbraucht. Ich werde auch weiterhin versuchen, Menschen bei anstehenden
Problemen mit einzubeziehen.» Die Kandidatur für das hohe Amt
hat er übrigens mit seinem langjährigen Freund, mit dem er in
Bern zusammenlebt, gründlich diskutiert. «Für uns beide
war klar, dass wir nach einer Wahl weiterhin an öffentlichen Anlässen
auftreten werden.»
Keine Frage, dass unser Land noch mehr Politiker vom Schlage eines Bernhard
Pulver brauchen könnte.
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