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Ein Bund fürs
Leben
Deutlicher Fingerzeig
des Bundesamtes für Gesundheit
Von Martin Ender
Ab Januar 2007
können Mann und Mann einen Bund fürs Leben eingehen. Wer diesen
Bund etwas offen auslegt oder heimliche Seitensprünge riskiert und
wer sich weiterhin für ein Leben als Single mit wechselnden sexuellen
Kontakten entscheidet, tut gut daran, einen andern Bund fürs Leben
einzugehen: die kompromisslose Partnerschaft mit dem Kondom.
Seit 2003 hat sich
die Zahl der HIV-infizierten Schwulen fast verdoppelt trotz Präventionsmassnahmen.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) spricht in seinem kürzlich
veröffentlichten Bericht ganz deutlich von einer «wieder ausgebrochenen
Epidemie» in der Schwulenszene und fordert eine bessere Prävention.
Das BAG will jetzt seine Partner im Kampf gegen die Aids-Epidemie auf
die rasante Zunahme von Neuinfektionen aufmerksam machen: die Kantone,
die Aids-Hilfe in der Schweiz, Homosexuellen-Vereinigungen, Schwulenetablissements
usw. Es geht dem BAG nicht darum, «den HIV-Präventionsansatz
zu ändern, sondern die Botschaften und die Präventionsmassnahmen
für diese Zielgruppe zu verdeutlichen und zu verstärken.»
Das BAG wird deutlich
Deutlich wie schon lange nicht mehr wendet sich das Bundesamt für
Gesundheit mit der neusten Kampagne an die Schwulen und an weitere Männer,
die mit Männern Sex haben. Mit dem goldenen Fingerring als Zeichen
des Bundes fürs Leben, der ab Januar von Mann zu Mann möglich
ist, ist es nicht getan: «Das Modell der festen Partnerbeziehung
als mögliche Antwort auf die HIV-Problematik hat auch seine Grenzen:
Viele Männer leben in einer festen Beziehung, ohne den serologischen
Status ihres Partners zu kennen, und viele verschweigen ihrem Gegenüber
ihre sexuellen Abenteuer.» Und natürlich werden viele Schwule
weiterhin ein Single-Leben führen mit wechselnden sexuellen Kontakten.
Der Bund fürs Leben muss also ein anderer oder zusätzlicher
Bund sein. Der ständige, unverzichtbare Begleiter ist das Kondom.
Dem Papst und Barebackern zum Trotz.
Die Aids-Hilfe
Schweiz verstärkt
Das BAG hat den Anfang mit neuen Präventionsbemühungen gemacht.
Die Aids-Hilfe Schweiz lanciert nun in der Folge in Kooperation mit dem
BAG, Pink Cross und weiteren Schwulen-Organisationen ebenfallseine neue
Kampagne. Vier verschiedene Poster sprechen absoluten, unmissverständlichen
Klartext: Sie zeigen auf, wieviele schwule Männer tatsächlich
HIV-positiv sind und wollen damit dem Irrglauben entgegenwirken, dass
HIV und Aids «nur die anderen betreffe». Im Gegenteil soll
darauf hingewiesen werden, wie gross die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion
bei ungeschützem Bumsen ist. Die Kampagne appelliert aber auch an
die eigene Verantwortung, sich vor dem HI-Virus mit Safer Sex zu schützen.
Gerade in der Szene geht es oft nur um Sex, nur «um den Arsch»
des Partners. Hier kann nicht erwartet werden, dass der Sexpartner sich
um den Schutz kümmert, jeder ist für seine Gesundheit selber
verantwortlich.
Zahlen, die aufhorchen
lassen
In der Schweiz leben nach Angaben des Bundesamts für Statistik 3,2
Millionen Männer zwischen 16 und 74 Jahren. Nimmt man an, dass mindestens
2% dieser Männer mehr oder weniger regelmässig homosexuelle
Kontakte eingehen, so haben mindestens 64'000 Männer mit andern Männern
Sex. Die schon bisher jährlich rund 200 HIV-positiven Diagnosen innerhalb
dieser Gruppe sind als sehr hoch zu betrachten. Diese Zahl steigt aktuell
im Jahr 2006 gegen 300. Dabei ereignet sich fast jede zweite Neuansteckung
bei Männern, die Sex mit Männern haben. Und was die wenigsten
schwulen Männer wissen: In der Schwulenszene ist rund jeder 6. Mann
HIV-positiv.
Was sind die Gründe?
Zur Erklärung der Zunahme der HIV- Infektionen bei MSM nennt das
BAG im Bericht verschiedene Gründe: Zunahme der Anzahl Sexualpartner;
häufigerer Analverkehr mit festen Partnern oder mit Gelegenheitspartnern;
deutliche Abnahme der systematischen Benutzung von Präservativen
bei Gelegenheitskontakten.» Nach 20 Jahren des Kampfs gegen Aids
scheint sich ein grosser Teil der Homosexuellen und anderen Männer,
die mit Männern Sex haben, weniger vorsichtig zu verhalten. Vor allem
die Homosexuellen haben die Bedrohung durch das HI-Virus integriert und
gehen heute offenbar mehr sexuelle Beziehungen mit offenkundigem Infektionsrisiko
ein. Das BAG ist sich bewusst, dass ein Teil der Homosexuellen in der
Schweiz der Präventionsbotschaften überdrüssig geworden
ist. Doch nicht mehr darüber reden wäre unverantwortlich.
Schweiz ist keine
Insel
Mit der stetigen Zunahme der HIV- Infektionen unter Homosexuellen und
anderen MSM steht die Schweiz nicht alleine da: In den meisten westlichen
Ländern lässt sich die gleiche Entwicklung feststellen. Das
ist kein Trost für die Schweiz. Im Gegenteil. Wer das sexuelle Abenteuer
im Ausland sucht, geht ein nicht minderes Risiko ein. Die Abteilung für
Infektionskrankheiten des Institut de Veille Sanitaire in Frankreich berichtet
in ihrem Jahresbericht 2005 ebenfalls von einer Zunahme der HIV-Infektionen
bei MSM. Beinahe 30% der in Frankreich im Jahr 2004 gemeldeten HIV-Infektionen
betreffen MSM. Der Anteil frischer Infektionen beträgt dabei 43%,
was ebenfalls auf die Tendenz zu einer nachlassenden Sorgfalt beim präventiven
Verhalten in dieser Zielgruppe hinweist. Auch in Grossbritannien wird
seit dem Jahr 2000 eine starke Zunahme der HIV-Infektionen innerhalb der
MSM-Gruppe beobachtet. 2004 verzeichnete Grossbritannien 2185 positive
HIV-Diagnosen, was einer Zunahme um 45% seit der Jahrtausendwende entspricht.
Und auch das deutsche Robert-Koch-Institut spricht in seinem Jahresbericht
2005 von einer starken Zunahme der HIV-Infektionen im Bevölkerungssegment
der MSM. Im vergangenen Jahr betrafen rund 70% aller HIV-Neuinfektionen
in Deutschland die Gruppe der MSM; im Jahr zuvor lag dieser Anteil noch
bei 47,7%. Italien und Spanien berichten über vergleichbare Tendenzen.
Trügerischer
Rückgang
Die allgemeine Verfügbarkeit hochaktiver antiretroviraler Medikamente
führte seit 1996 zu einem starken Rückgang der neuen Aidsfälle
(Krankheitsausbruch) nach einer HIV-Infektion. Seit einigen Jahren zeigt
sich jedoch keine abnehmende Tendenz mehr. Wie bei den neuen Aidsfällen
haben die Medikamente auch zu einem starken Rückgang der Todesfälle
bei Personen mit Aids geführt. Dennoch stirbt in der Schweiz an jedem
vierten Tag ein Mensch an den Folgen von Aids. Tendenz nicht sinkend.
Ausführliches
Zahlenmaterial:
http://www.bag.admin.ch
unter Dokumentation, Publikationen, 44/06
Beratung und Hilfe unter www.drgay.ch
oder www.bist-du-sicher.ch
und in den Beratungs- und Testzentren Checkpoint in Zürich und Genf.
Broschürenangebot der Aids-Hilfe Schweiz: www.shop.aids.ch
Eine Internetlösung
der
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