Vom Parade- an den Bundesplatz
Die «Love Life»-Party findet im Dezember in Zürich und Bern statt

«be loved.» hat mit «Love Life» innert Kürze die Schweizer Ausgeh-
Agenda aufgemotzt. Am 16. Dezember findet die Party bereits zum fünften Mal statt, diesmal in Zürichs Alter Börse. An Silvester schliesslich wird im Berner Gaskessel gefeiert.

Ursprünglich tüftelte Oliver Eschler (30) in seiner Funktion als Projektleiter der Aids-Hilfe Schweiz an einem neuen Konzept, das Nightlife und Prävention lustvoll miteinander verbinden sollte. Als sich die Aids-Hilfe aus verschiedenen Gründen aus diesem Projekt verabschiedet hatte, entschloss sich Eschler, selbst Parties zu organisieren und gründete dafür mit drei Partnern die Eventmarketing-Firma «be loved». Zur Firmengründung bewegten Eschler und seine Partner in erster Linie die Absicherung gegen das schwer kalkulierbare Veranstalter-Risiko und nicht kommerzielle Interessen: «Mit Parties wird man nicht reich. Unsere Sponsoren ermöglichen vor allem moderate Eintrittspreise.» Am 28. April 2006 fand die erste «Love Life»-Party im Zürcher Rohstofflager statt. Obwohl zunächst nicht explizit als schwule Party geplant und angekündigt, warteten Freunde und Community schon am ersten Abend zahlreich an der Duttweilerstrasse auf.

Feiern jenseits von Schubladen
Auch wenn die «Love Life»-Parties inzwischen von mindestens 80 Prozent Schwulen besucht werden, betont Oliver Eschler mit Nachdruck, dass er nicht explizit schwule Parties veranstalte: «Ich bin gegen Kategorisierungen. Diese sind nicht mehr zeitgemäss. Ich will nicht, dass die Leute kommen, nur weil es gerade die einzige Gay-Party ist, die an diesem Abend stattfindet, sondern weil es die beste Party ist. Schwule suchen sich heute ihre Places-to-be selber aus. Man geht gezielt wegen der Musik irgendwohin und trifft die Leute, die man mag.» Schon an der ersten Party habe ihn «die unglaubliche Verbindung» die «Mischung, die es sonst fast nie gibt» zwischen Heteros und Homos fasziniert. «Love Life» – der Name seiner Veranstaltungen ist Partymacher Eschler im euphorischen Liebestaumel eingefallen, wie er unumwunden zugibt. Nach Eigendefinition «Liebe und Lebensfreude» soll die Party Entgrenzung in jeder Hinsicht herbeiführen, wie man der Website www.lovelifeparty.com entnehmen kann.

Geglückter Einstand in Basel
Partyveranstalter Oliver Eschler und seine Crew möchten frische Leute zusammenbringen und eine Alternative zu festgefahrenen Ausgehsitten bieten: «Ich glaube, der Erfolg unserer Parties beruht darauf, dass sie neue Trends in die Gay-Szene bringen – gerade weil sie ursprünglich nicht als Gay-Parties geplant waren.» Da man Neues bieten möchte und es in Zürich wenig geeignete Locations gibt, hat man sich entschlossen, «Love Life» auch in andere Städte zu bringen: Just zum Meister-Derby FCZ gegen FCB am 13. Mai dieses Jahres ging «Love Life» im Basler Fame-Club erfolgreich an den Start. Mit einem Augenzwinkern erzählt Partymacher Eschler, wie man in den frühen Morgenstunden aus Angst vor eingefleischten FCB-Fans die Zürcher Kontrollschilder an den Autos abgedeckt habe.

Explosive Silvesternacht in Bern
Zu einer solchen Zitterpartie wird es in der Silvesternacht nicht kommen: Dann wird der Berner Gaskessel nach den schmerzlich vermissten True Colors-Parties unter der bündigen und bezeichnenden Formel GAZ erneut in explosive Stimmung versetzt. Und zwar bis um sechs Uhr früh. Die musikalischen Tischbomben werden die Herren Laurent Charbon (Mad Lausanne), Fred Licci (Kinky House Basel), De Lord (Pinkflash Zürich), Sir II (Korsett Kollektiv Luzern) sowie die altbekannte Berner Garde Dodo & Ludwig (Tolerdance) und Anouk Amok (Topshots Reithalle) zünden. Der Gaskessel ist für Eschler landesweit eine einzigartige Location. Deshalb habe man sich zum Jahreswechsel für die Hauptstadt als Austragungsort entschieden. Wie Eschler resümiert, sind die Reaktionen in Bern durchwegs positiv: «In Bern freut man sich darüber, dass im Gaskessel wieder eine Party stattfindet. Und wir freuen uns auch. An Silvester ist die Auswahl an Parties zwar gross, doch der Gaskessel wird der Ort sein, an dem sich die Szene trifft. Weil dort etwas völlig Neues abgeht und schöne Erinnerungen aufleben.» Die GAZ-Flyer finden in Bern jedenfalls reissenden Absatz.

Dezember-Party in Zürich
Vor dem Ausflug an die Aare wird allerdings nochmals an der Limmat gefeiert. Die nächste «Love Life»-Party geht am 16. Dezember im Metropolis-Club in der Alten Börse am Paradeplatz über die Bühne. Mit von der Partie sind die Plattenleger Membrane und Pierre (Boyahkasha), Eke (Sunday Trash), David Merck (Bubennacht), Fred Licci (Kinky House) und frühmorgens Dada vom Persil. Auf die zwei Dezember-Parties in Zürich und Bern sollen weitere Streiche folgen: Am Zürifäscht vom kommenden Juli wird beloved.ch ein Gay-Village beim Acqua-Club am Zürichsee errichten. Der vor Ideen sprühende Party-veranstalter freut sich über das Privileg, Parties aus Vergnügen zu machen: «Mich reizen die Möglichkeiten, etwas Neues zu erschaffen». Wir dürfen auf weitere Eingebungen gespannt sein.

Detaillierte Informationen unter www.lovelifeparty.com


 

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