Geläuterte Gastgeber
Neue Power im Labyrinth nach der zeitweiligen Clubschliessung

Von Martin Ender

Die beiden Labyrinth-Gründer, Peter Breitenmoser und Luca Bernardini, luden zu einem Gespräch. Sie zeigten sich bereit, exklusiv dem Cruiser-Leser Red und Antwort zu stehen. Sie nahmen Stellung zu den Problemen, die der LocationWechsel und die temporäre Clubschliessung im vergangenen Jahr mit sich brachten. Ihre Offenheit gegenüber Kritik, mit der Labygäste nicht sparten, bestärkt die Zuversicht, dass sie auch das vierte Laby zu einem Magneten der Zürcher Partyszene machen werden.
Die Gerüchteküche brodelte. Und das schon lange vor der Party zum 13. Laby-Geburtstag, an der Polizeibeamte ungebeten als Überraschungsgäste aufkreuzten. Im neuen, grösseren und helleren Club kamen sich alte Labyaner verloren vor. Der Location-Wechsel von der vertrauten Pfingstweid- an die Hohlstrasse war für sie «ernüchternd». Es blieben zu Beginn die Gäste aus. Die Einrichtung des neuen Clubs hatte viel Geld gekostete. Von einem finanziellen Desaster war die Rede und nach der vorübergehenden Schliessung des Clubs war zu befürchten, dass dies nun das Ende des Labyrinth-Clubs sei.

Peter und Luca, es ist im letzten Jahr nicht alles so gelaufen, wie Ihr es euch erhofft hattet. Habt Ihr euch mit dem neuen Club an der Badenerstrasse in Altstetten übernommen?
Peter: Nein, nicht übernommen. Zugegeben, wir hatten Schwierigkeiten. Einerseits mit dem Hausbesitzer, der uns den Raum nicht rechtzeitig zur Verfügung stellen konnte. Andererseits gab’s Probleme mit dem Architekten bei der Planung. So hat es auch mit der Bauabnahme nicht geklappt. In der Folge mussten wir die Eröffnung, die auf den 25. Februar festgesetzt war, verschieben. Ja, es war natürlich ein unbefriedigender Start für uns und unsere Gäste, aufgrund von Problemen, die so nicht voraussehbar waren.

Warum ist das Laby am alten Ort weggezogen?
Vor gut zwei Jahren standen wir vor einem Entscheid. Wir hatten den Club an der Pfingstweidstrasse schon gut sechs Jahre betrieben. Es wäre an der Zeit gewesen, zu investieren, den Club zu erneuern. Wir hatten vom Kreisarchitekten erfahren, dass im Rahmen des Gestaltungsplans Escher-Wyss das Gebäude auf der Abbruchliste steht. Darüber gibt es auch einen Stadtratsbeschluss. Der Hausbesitzer konnte uns auch nicht verlässlich sagen, wie lange wir den Club an diesem Ort noch betreiben könnten. Wir machten uns auf die Suche nach einer neue Location, weil man einen neuen Ort für den Club ja nicht von heute auf morgen findet. Schliesslich fanden wir das Lokal an der Hohlstrasse und entschieden uns, hier dem Laby eine neue Heimat zu geben.

Habt Ihr nicht damit gerechnet, dass es schwierig würde, einen Wechsel zu vollziehen? Es hagelte ja Kritik von allen Seiten, der neue Club sei zu gross, zu klinisch, habe keine Atmosphäre, lasse das alte Laby-Feeling vermissen. Zudem sei er derart gross, dass nahezu jedermann hereingelassen werde – mit einem Gay-Club habe dies nicht mehr viel zu tun.
Peter: Das ist nun die vierte Location, die wir aufbauen und von daher sind wir uns gewohnt, dass am Anfang nicht alle zufriedenzustellen sind. Der schwierigste Wechsel war aber mit Abstand jener vom ersten Lokal an der Gasometerstrasse an die Baslerstrasse. Da mussten wir nach einem brechend vollen Laden an der Gasometerstrasse mit 40 bis 50 Gästen weitermachen. Wir hatten schwer zu kämpfen. Nach drei, vier Monaten kamen auf einmal die Gäste wieder zurück. Es lief dann rund drei Jahre gut. Von daher sind wir uns gewohnt, dass es rumpelt, wenn wir in eine neue Location gehen. Jetzt wollten wir gezielt vom Schmuddel-Image etwas wegkommen. Dass dies eine dermassen heftige Kritik auslösen würde, nein, damit haben wir nicht gerechnet.
Luca: Unsere Gäste mussten sich immer wieder umgewöhnen. Und es ist wohl in Vergessenheit geraten, dass wir nie einen fixfertigen Club hingestellt haben. Das ist nicht unsere Philosophie. An der Baslerstrasse, an der Pfingstweidstrasse und auch jetzt an der Hohlstrasse bauten wir gerade mal so weit die Infrastruktur, dass ein Clubbetrieb stattfinden konnte. Erst dann begannen wir jeweils mit den Rückmeldungen der Gäste, unseren Empfindungen, Erfahrungen, den Club im Detail zu strukturieren, zu gestalten. Wir massen uns nicht an, von Anfang an genau zu wissen, was das Publikum will. Wir wissen, dass ein Wechsel an einen neuen Ort für die Gäste irritierend sein kann. Aber es gibt doch nichts Spannenderes, als Schritt für Schritt die Location den Bedürfnissen des Publikums anzupassen – bis sich alle wohlfühlen.
Peter: Den Raum spüren, das kann man doch nicht im rohen, leeren Raum, das kann man erst mit den Gästen zusammen. Als wir an der Pfingstweidstrasse begonnen haben, da fanden es die Leute absolut geil, dass wir in der Waschstrasse angefangen hatten und dann in einer Baustelle weitermachen mussten. Container-WCs mussten genügen. Die Treppe war ein Baugerüst. Die Gäste erlebten, wie die Baustelle von Wochenende zu Wochenende wuchs. Am neuen Ort haben die Leute scheinbar erwartet, dass der Club fixfertig dasteht. Sie haben nicht realisiert, dass die Location mit den weissen Wänden noch lange nicht fertig ist.

Ist es ein anderes Publikum oder schon eine neue Generation oder haben die gleichen Leute vergessen, wie das früher mit Euren neuen Locations war?
Luca: Wir waren ja acht Jahre an der Pfingstweidstrasse und das ist für Leute, die in den Ausgang gehen, eine sehr lange Zeit. Ja das Publikum hat sich in der Zeit seit unseren Anfängen zu einem sehr grossen Teil ausgetauscht. Das Ausgehverhalten ändert sich wegen der persönlichen Entwicklung sehr schnell, sei’s in Bezug auf Alter, Beruf, Familie, Freundeskreis. Uns ist darüber hinaus auch bewusst, dass ein neuer Club zusätzlich den Austausch beschleunigt und dass ein Teil der alten Gäste wegbleibt, weil sie das dunkle technoide der Pfingstweidstrasse liebten. Das ist ja auch ein wichtiger Bestandteil einer Party, aber nicht nur.

Nach einiger Zeit habt Ihr im Club doch einiges verändert, vor allem optisch wurde er immer mehr dem alten Labyrinth angepasst. Habt Ihr klein beigegeben?
Peter: Nein, angepasst haben wir uns nicht ans alte Labyrinth. Wir haben unser Konzept wie immer verfolgt. Wir wussten, wie schon erwähnt, dass der Club sich noch entwickelt und uns war klar, dass die Wände nicht weiss bleiben würden. Sie sind aber auch nicht schwarz geworden. Wir wollten es nicht mehr so dunkel, wir haben Farbe hineingebracht.
Luca: Nein wir haben nicht etwas angepasst, wir konnten nun endlich mit der Gestaltung des Clubs anfangen.

Nun ein heikler Punkt. Gross angekündigt war das Jubiläum im November, bei dem es schliesslich zum Eklat kam. Was habt Ihr zum Thema Club-Szene und Drogen zu sagen? Ist das ein rein schwules Problem? Ist eine Party ohne stimulierende Substanzen noch möglich?
Luca: Man kann es nicht wegreden, Nachtleben hatte und hat immer auch ein Stück weit mit Drogen zu tun. Das ist nicht nur in Zürich so, nicht nur schweizweit sondern weltweit. Das Nachtleben ist eine Extremsituation. Viele Leute haben ihre erste Zigarette, den ersten Alkohol usw. hier bekommen und probiert. Sie haben mitmachen wollen. Drogen sind ganz sicher kein rein schwules Problem und es ist auch nicht der Fall, dass sämtliche Parties nur von Drogen beeinflusst sind. Dass Leute nur und ausschliesslich mit Betäubungsmitteln eine gute Party erleben können, dieser Meinung sind wir nicht. Wir haben viele Gäste, die Alkohol trinken, aber nicht Drogen konsumieren.
Peter: Wir als Labyrinth sind uns unserer Verantwortung als Clubbetreiber erneut bewusst. Wir haben in den vergangenen Jahren an der Pfingstweidstrasse gewisse Tendenzen entdeckt und rundum gesehen, was abgegangen ist. In der Spidergalaxy beispielsweise hatte der Konsum ein Ausmass angenommen, das nicht nur nicht tolerierbar ist, sondern extrem war. Da muss ein Clubbetreiber Verantwortung übernehmen. Unser neuer Club ist auch aus diesem Grunde bewusst offener und heller. Wir hatten an der Pfingstweidstrasse Stimmen gehört wie «zu euch kann ich nicht kommen, da ist man verdammt, irgendwas zu spicken, sonst fühlt man sich ja nicht wohl...» Nun haben wir eine recht gesunde Verschiebung im Publikum. Es gibt Leute, die nun wieder kommen und einfach ein Glas Bier trinken und sich dabei wohlfühlen.
Luca: Mit einem kleinen Augenzwinkern möchte ich den Ball zurückspielen zum Publikum. Respekt vor sich selber ist wichtig. Es darf nicht sein, dass man es geil findet, in einem Club mit massivem Drogeneinsatz sich sozusagen ins Jenseits zu katapultieren, dass man zusammenbricht, dass man gesundheitliche Schwierigkeiten bekommt, dass man Personal und Veranstalter nötigt, Sanität und Notarzt kommen zu lassen. Es ist keine Freude für die übrigen Gäste, wenn sie zusehen müssen, wie jemand mit verdrehten Augen, voll verschwitzt unter Herzattacken zusammenbricht. Als Veranstalter ist man manchmal auf verlorenem Posten. Es muss ein vernünftiger Umgang stattfinden im Publikum. Somit gibt man dem Veranstalter auch die Möglichkeit, Parties auf die Beine zu stellen, bei denen nicht ständig die Angst vor Razzien da ist.
Peter: Es ist nur ein sehr kleiner Teil des Publikums, der das Ganze so weit hat kommen lassen, dass die Stadt reagieren musste. Es sind jene Wenigen, die das Gefühl haben, sich bis zur Besinnungslosigkeit zudröhnen zu müssen. In dieser Frage sind Veranstalter und auch die Gäste gefordert.

Anderes Thema: bringt Ihr den Club finanziell über die Runden? Es war da kürzlich ein Firmen-BMW zu verkaufen. Wird nun das Familiensilber veräussert?
Peter (lacht und gibt freimütig zu): Das hat einen andern Grund. Ich bin, besser gesagt, war der Fahrer dieses Autos und ich musste den Ausweis abgeben. Es macht ja keinen Sinn, ein Auto in dieser Preisklasse zu behalten und das steht nur rum. Bis ich wieder fahren darf, wird es noch etwas dauern. Das Geld wollen wir gerade jetzt nicht zum Fenster rauswerfen für ein Auto, das nicht gebraucht wird. Wir können es sicher anderweitig besser einsetzen.

Nochmals zu den Finanzen. Müssen die Gäste 2007 tiefer in die Tasche greifen, damit das Laby überlebt?
Peter sofort: Nein, auf keinen Fall. Wir sind auch in diesem Jahr mit den Preisen auf dem gleichen Niveau wie in der Vergangenheit. Bei den Eintitten wie bei den Getränken. Im Gegenteil. Am Freitag haben wir die Preise gesenkt.
Luca: Und die über 30jährigen können freitags gratis in den Club kommen. Nein, die Kosten für den neuen Club bekommen sicher nicht die Gäste zu spüren.

Da können wir ja beruhigt nach vorne schauen. Was habt Ihr für 2007 vor. Wie stellt Ihr Euer Publikum zufrieden?
Peter: wir machen weiter mit der Gestaltung des Clubs. Mit den farbig gestrichenen Wänden ist es noch nicht getan. Intensiv werden wir uns um das musikalische Programm kümmern. Früher war dies einem Einzelnen überlassen – der das sehr gut gemacht hat – aber wenn vier bis fünf Leute mitdenken, wird das Programm vielseitiger.
Luca: Gegen Ende hat sich eine Einseitigkeit eingeschlichen, da wollen wir dagegen antreten. Die Entscheidung wird auf ein Gremium übertragen, da sind auch Peter und ich dabei und ein bis zwei Leute, die Superkenntnis der internationalen Musikszene haben. Dann haben wir das Memberangebot erweitert (Details auf www.laby.ch).
Peter: Seit der Eröffnung stand das Einrichten und Ausbauen des Clubs mit all den sich daraus ergebenden Problemen im Mittelpunkt. Aber von jetzt an richten wir unser Augenmerk wieder auf den Gast, auf seine Bedürfnisse, seine Anliegen. Ich hoffe, dass wir ihn trotz allem nicht all zu sehr vernachlässigt haben. Dieses Jahr haben wir den Kopf freier für die Gäste. Wir wollen sie wieder voll und ganz in den Mittelpunkt stellen.

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