Zurück auf der Bühne: Rolf Burkhardt
Ein Versuch, sich dem Menschen hinter dem Macher zu nähern

Am 25. Februar 2007 steht er endlich wieder auf einer Bühne – diesmal als Sänger OLSON an der Cruiser-Relaunch-Party in der Labor Bar. Wer steht hinter dieser Figur, die nur eine seiner vielen ist?

Rolf Burkhardt (35) hat sich einen Namen gemacht als Musical-Autor, Songwriter für die TV-Sendung Lachsack, Mitbegründer der Schweins Light Night Show, als Berater von diversen Acts, Co-Producer etlicher Radio-Hits und vielem mehr. Branko B.Gabriel hat ihm harte Fragen gestellt zu seiner Schaffenskrise und hat auch herausgehört, dass er den Willen hat, sich der Show-Bühne wieder zu stellen.

Branko: Warum hat man die letzten Jahre nur noch in grossen zeitlichen Abständen von dir, sprich, von deinen Arbeiten als Kreativer gehört? – Steckst du in einer Schaffenskrise?
Rolf: (atmet einen Moment lang rückwärts) Gute Frage. Dasselbe habe ich mich in all meinen Tiefs auch wieder und wieder nachgefragt. Nach meiner Tätigkeit bei TV3 und ein paar Musical-Kompositionen war ich ziemlich ausgelaugt und auch desillusioniert – ich spürte, dass es an der Zeit war, meinem Tun auf den Grund zu gehen. Meine Arbeiten wurden uninspiriert, die Kundenwünsche wiederholten sich, ein wirklich eigener künstlerischer Anspruch war bei mir nicht mehr zu finden. Mich auf einen Selbstfindungstrip zu begeben, schien mir die nächstliegende Lösung. Nicht ganz einfach, wenn man finanziell grösstenteils von seinen Ideen abhängig ist.

Branko: Die Schweizer Showszene ist ja sehr klein. Wie es der Zufall will, waren wir beide beim gleichen Sender tätig: Ich als Moderatorin alias Miss Diva, du als Songwriter, Konzepter und Darsteller innerhalb der Sendung Lachsack. Was bedeutete für dich das Aus von TV3? Hast Du dich zusammen mit dem Sender gleich mitbegraben?
Rolf: (grinst, hat einen sonderbaren Gesichtsausdruck) – Oops, so habe ich mir das nie überlegt – aber vermutlich hat das sogar was. Mir wurden ganz klar die Grenzen aufgezeigt, welche in diesem Land betreffend Entertainment nun mal existieren. Die Lust, mir schon wieder eine neue Bühne zu suchen oder mich für doch eher wenig Geld zu wiederholen, kam mir schlichtweg abhanden. Ich war gespannt, was hinter all meinem Tun hervorkommt, wenn ich mich mal etwas zurücklehne und die Dinge auf mich zukommen lasse. Ich war wirklich frustriert und ausgebrannt – man könnte durchaus den Ausdruck Burnout benutzen.

Branko: War es für dich als Macher nicht enorm schwierig einfach loszulassen?
Rolf: Um ehrlich zu sein: doch. Grauenhaft sogar. Ich machte mir ständig vor, ich sei auf der Suche nach irgendetwas, das sich anders anfühlt, als das, was ich bisher gemacht habe. Ich glaubte, endlich an einem Punkt zu sein, an dem ich meinen Gesang neu entdecken kann, an dem es wirklich um Inhalt und nicht mehr um Mache geht.

Branko: ...also kein herber Absturz? Selbstfindung als Drama-Queen in den eigenen vier Wänden?
Rolf: (lacht, leicht gerötet) Selbstverständlich gehörte auch das dazu – ich verschanzte mich in diversen Studios, verbrachte sehr viel Zeit mit mir und nochmals mir selbst, war mit der Show-Welt und meinem Output doch ziemlich unzufrieden. Es war das Mikro, das beschissen geklungen hat, es war mein Übergewicht, welches mir nicht mehr auf Bühnen zu gehen erlaubte, es war der miserable Schweizer Humor, mit dem ich mich nicht mehr identifizieren wollte. Es gab schlicht tausend neue Gründe, weshalb es jetzt nicht sein sollte, dass ich mein «Zeugs» wieder unter die Leute bringe.

Branko: Ist es denn jetzt an der Zeit, dich mit einem warmen Welcome-Back! zu begrüssen? – Demnächst wird man dich bei uns am Jubiläum singen hören – im Gepäck eine CD, produziert von massivan, welche im Mai 07 erscheint. Ist das nun ein kurzer Ausflug auf die Bretter, die die Welt bedeuten, oder wird man wieder vermehrt von dir hören?

Rolf: Thanks a lot! Ja, ich glaube, ein Welcome-Back ist durchaus angebracht – Wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, ist es, keine Versprechungen mehr abzugeben. Aber ich merke, dass ich wieder im Saft bin, alles sehr spielerisch angehe. So banal es klingen mag: Es geht schlicht und einfach wieder darum, lustvoll, mässig verbissen an die Sachen heranzugehen. Und da liegt es für mich auch wieder drin, Texte und Konzepte zu schreiben, zu Singen und vielleicht auch schon bald wieder zu moderieren.

Branko: Lieber Rolf, begibst du dich jetzt nicht wieder auf die nächste Überholspur, die offenbar nicht gesund war?
Rolf: …ja «gopf»! (lacht) Aber, lieber Branko, davon kannst du ja auch ein Liedchen singen.... – Ich hoffe doch sehr, dass ich in einer nächsten Kreativ-Runde früher auf die Bremse trete, nicht erst, wenn ich an der Wand klebe bzw. alles schwarz sehe… (grinsend). Einfach nur im Sofa zu sitzen und für mich alleine zu singen kann es ja auch nicht sein.

Branko: Herzlichen Dank für dieses ehrliche Interview. Wir wünschen dir viel Kraft, viele Sternstunden und wer weiss, vielleicht rasen wir bald schon gemeinsam auf der Überholspur, getrieben von purer Lust, die Show-Welt mit unserer Wenigkeit zu bereichern.
Rolf: Herzlichen Dank! Ich bin dabei…!


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