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Karl
Geiser Ausstellung zum 50. Todestag Karl Geiser (1898-1957), einer der bedeutendsten Schweizer Bildhauer des 20. Jahrhunderts, hat neben Skulpturen und Zeichnungen auch Tausende von Fotografien hinterlassen. Sie zeigen Menschen, die ihn faszinierten, im Atelier und auf der Strasse. David Streiff zeigt viele davon in einer Ausstellung und in einem Buch. Karl Geiser bediente sich einer Bildsprache, die erstaunlich modern anmutet. Ohne Rücksicht auf fotografische Konventionen schuf er mit der Kamera eine sehr persönliche «Chronik der Gefühle». 50 Jahre nach seinem Tod präsentiert die Fotostiftung Schweiz die erste umfassende Würdigung seines fotografischen Schaffens. David Streiff als Kurator der Ausstellung hat gleichzeitig das Buch «Karl Geiser, Fotografie» verfasst. Geiser hat sich bei seiner künstlerischen Arbeit ein Leben lang mit Knaben und jungen Männern befasst. Das kommt bei seinen Skulpturen und speziell in seiner Fotografie be-sonders zum Ausdruck. David Streiff hat diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit geschenkt und erhellt die Bezüge des Künstlers zu seinen Modellen und Freunden mittels erstmals publizierter Briefe und Dokumente. Ausstellung und Buch sind auch ein Beitrag zur schwulen Sozialgeschichte der Schweiz in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.«Il est toujours le meilleur», hatte Alberto Giacometti über Karl Geiser gesagt. Seine Skulpturen sind ein wenig in Vergessenheit geraten. Aber seine Fotografien zeugen in unverminderter Frische von einer künstlerischen Vision, die uns noch immer tief berührt. Parallel dazu zeigt das Kunstmuseum Winterthur unter dem Titel «Impressions de Paris» Zeichnungen und Radierungen von Karl Geiser. Der aus Bern stammende Karl Geiser (1898 1957) gehört neben Otto Charles Bänninger und Hermann Hubacher zu den bedeutendsten Schweizer Bildhauern seiner Zeit. Nationalen Ruhm erlangte er mit den Skulpturengruppen vor dem Gymnasium Kirchenfeld in Bern, die 1938 aufgestellt wurden. In Zürich sind die beiden Löwen bei der Kantonalen Verwaltung Walche, das Denkmal der Arbeit am Helvetiaplatz und ein schreitender Knabe vor dem Muraltengut zu sehen. Parallel zu seinen Plastiken schuf er ein eigenständiges zeichnerisches, druckgrafisches und fotografisches Werk. In der Spontaneität und Leichtigkeit dieser Medien sah er wohl einen befreienden Gegenpol zur plastischen Arbeit, die ihm aufgrund seines Hangs zur Selbstkritik zunehmend Mühe bereitete. Nach künstlerischen Anfängen in Bern liess sich Geiser 1922 in Zürich nieder. Von hier unternahm er Reisen nach Deutschland, Frankreich und Italien, wo ein grosser Teil seiner Zeichnungen und Fotografien entstand. Im Frühjahr 1926 lernte er den Winterthurer Kaufmann Georg Reinhart kennen, der ihm den Auftrag für die Wandreliefs im Eingangsbereich des Winterthurer Kunstmuseums verschaffte und seinen ersten längeren Aufenthalt 1927 in Paris ermöglichte. Hier interessierten Geiser nicht die avantgardistischen Bewegungen, sondern die antike Plastik im Louvre ebenso wie die Menschen im Alltag. Tagebuchartig hielt er mit knappen Federstrichen fest, was er beobachtete: Plätze, Strassenszenen, aber hauptsächlich Menschen. Neben Strassenjungen, Arbeitern und Zirkusleuten fanden auch fein gekleidete Herrschaften ihren Weg in seine Zeichnungswelt. Solche Zeichnungen sandte er in Briefen an seine Familie und Freunde. Der grösste Teil aber blieb im Atelier, denn Geiser hegte den Wunsch, sie später als «Impressions de Paris» auszustellen. Doch dazu kam es zu Lebzeiten nicht mehr. 1960 erwarb sie der Kunstverein Winterthur aus dem Nachlass. Von Kurt Büchler |