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10 Jahre Pink Apple
Vielen Filmtiteln bleibt der Weg ins reguläre Kinoprogramm nach
wie vor verwehrt
Das schwullesbische Filmfestival Pink Apple feiert dieses Jahr seinen
zehnten Geburtstag. Seine Legitimation hat es noch längst nicht verloren.
Denn etliche der gezeigten Filme sind ausserhalb der einschlägigen
Festivals nicht zu sehen.
Gut ein Jahr ist es her seit der Film «Brokeback Mountain»
für Aufsehen sorgte. Das grosse Coming-out von Hollywood schien gemacht
zu sein. Der mit vier Golden Globes und drei Oscars (Regie, Drehbuch,
Musik) ausgezeichnete Film über die Liebe zweier Cowboys wurde weltweit
beachtet und gefeiert. Dennoch bleibt nach wie vor einer ganzen Reihe
von Filmen mit schwullesbischer Thematik der Weg ins grosse Kino verwehrt.
Film-Festivals wie Pink Apple erfüllen also weiterhin eine wichtige
Funktion. Das beweist auch das Publikumsinteresse, das in den letzten
Jahren stetig stieg. 2006 konnte das Festival über 5000 Besucherinnen
und Besucher verzeichnen.
Aufgrund des Pink-Apple-Jubiläums wurde das Programm leicht erweitert.
Ein Spezialprogramm macht den Auftakt vom 26. April bis 2. Mai im Zürcher
Lunchkino mit schwullesbischen Filmdelikatessen aus den vergangenen Jahren.
Im Rahmen des eigentlichen Festivals kommen dann in Zürich vom 2.-8.
Mai und in Frauenfeld vom 11.-13. sowie vom 17.-19. Mai in rund 75 Vorstellungen
über 80 Kurz- und Langfilme zur Aufführung. Dabei handelt es
sich zu einem Grossteil um Schweizer Premieren. Auch 2007 veranstaltet
Pink Apple wieder einen internationalen Kurzfilmwettbewerb.
Pink Apple nahm 1998 seinen bescheidenen Anfang im Kanton Thurgau, als
Homosexualität auf dem Lande noch ein weitaus verschwiegeneres Thema
war als heute. Man sah sich denn auch mit Demonstrationen konservativer
Kreise und heruntergerissenen Werbeplakaten konfrontiert. Dies bewies,
dass Pink Apple etwas bewegte. Und Pink Apple machte Jahr für Jahr
weiter. Als im Jahr 2000 die Eurogames nach Zürich kamen, läuteten
sie sogleich die Geburtsstunde für den schwullesbischen Kulturmonat
«Warmer Mai» ein. In diesem Kontext fasste Pink Apple erstmals
auch in Zürich Fuss (Arthouse Movie 1 und 2) und ist mittlerweile
zum grössten und wichtigsten schwullesbischen Filmfestival der Schweiz
avanciert. Den Thurgauer Wurzeln ist Pink Apple treu geblieben und zeigt
in Frauenfeld (Cinema Luna) weiterhin eine Auswahl schwullesbischer Filmperlen.
Im Folgenden ein paar Highlights des Festivals 2007:
Keillers Park
Mitten in der Nacht wird Peter von einem Einsatzkommando der Polizei aus
dem Bett geholt und wegen eines Mordes befragt. Aus dieser erhitzten Situation
heraus wird in Rückblenden die Geschichte Peters erzählt, dessen
Leben zunächst an Normalität nicht zu überbieten ist: Verlobt
mit der attraktiven Maria, sitzt er in einem gemachten Nest und soll in
Kürze das Geschäft seines Vaters übernehmen. Doch dann
trifft er zufällig immer wieder einen temperamentvollen Strassenverkäufer,
der in ihm eine nie gekannte, alles verschlingende Begierde weckt
und eine verwirrende Sehnsucht. Denn es ist nicht nur körperliches
Verlangen, das sich zwischen Nassim und Peter in sturzbachartigem Sex
entlädt (in einer Wildheit und Unbefangenheit wie sie im Kino immer
noch rar ist), es erwischt den Industriellensohn ganz unerwartet im Herzen,
und obwohl die beiden Männer gegensätzlicher kaum sein könnten,
entspinnt sich eine intensive Beziehung. Während der impulsive Nassim
sein Glück in die Welt hinaus schreien möchte, lastet auf Peter
jedoch erdrückend der Erwartungsdruck seines konservativen Umfelds.
Das gute Gespür für eine fesselnde Geschichte und den beeindruckend
scharfen Blick, sie in Szene zu setzen, hat Susanna Edwards wohl ihren
Erfahrungen als Dokumentar-filmerin zu verdanken. Ihr von einem realen
Mordfall inspiriertes, stylishes Spielfilmdebüt irgendwo zwischen
Crime-Mystery und leiden-schaftlichem Plädoyer für die Freiheit
der Liebe ist eine hinreissende Lovestory.
Susanna Edwards, Schweden 2006, 87 Min.
Schweizer Premiere
The Line of Beauty
London, 80er-Jahre: Als Studienkollege des begüterten Toby kann der
mittellose Nick in die Villa der Feddens-Familie einziehen. Für diese
wird der loyale junge Mann sofort unentbehrlich. Mit Tochter Catherine,
die sich allzu gern gegen den steifen Familienkodex auflehnt, verbindet
ihn eine starke Zuneigung. Bald führt Nick ein ausschweifendes Doppelleben
zwischen Top-Society-Events (bei dem ihm als Coup sogar ein Tanz mit Margaret
Thatcher glückt) und heimlichen schwulen Affären. Doch sowohl
seine erste Liebe zu einem jungen, schwarzen Angestellten als auch seine
spätere Beziehung zum libanesischen Millionärssohn Wani scheitern
an der Bindungsangst seiner Partner. Er bleibt ein Romantiker auf der
Suche nach echten Gefühlen, als Aids seine Schatten auf die Zeit
wirft und von vielen, so gut es geht, mit Glamour, Pop und Rausch übertüncht
wird...
Die stilvolle BBC-Miniserie der Extraklasse basiert auf dem gleichnamigen
Roman des Bookerpreisträgers Alan Hollinghurst.
Saul Dibb, GB 2006, 3 x 60 Min., Mini-Serie.
Schweizer Premiere
Puccini for Beginners
Allegra liebt Samantha. Sagt dies aber nicht. Grace liebt Philip
aber er will sie nicht heiraten. Samantha verlässt Allegra. Allegra
trifft Philip. Philip verlässt Grace. Allegra verliebt sich in Philip.
Allegra trifft Grace. Grace verliebt sich in Allegra. Allegra verliebt
sich in Grace. Allegra sieht Grace und Philip gleichzeitig und
hat keine Ahnung, dass die beiden einmal eine Liebesbeziehung hatten...
Puccini for Beginners ist eine wunderbare, in New York angesiedelte Screwballcomedy
von Regisseurin Maria Maggenti, die bereits mit «2 Girls in love»
verzauberte. («2 Girls in love» ist am Festival als Reprise
zu sehen)
Maria Maggenti, USA 2006, 82 Min.
Von Martin Ender
Eine Internetlösung
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