Kultur zum Anfassen
«warmer mai» – ein guter Monat lang schwullesbische Kultur

Das schwul-lesbische Kulturfestival «warmer mai» ist zu einem festen Bestandteil der Zürcher Szene geworden. Zum achten Mal wird eine breit gefächerte Reihe von Ausstellungen, Lesungen, Theaterstücken, Workshops, Parties und Konzerten angeboten. Das Festival ist alles andere als «abgehobene Kunst».

Wer das Programm «warmer mai» liest, sieht schnell, dass der Begriff Kultur weit gefasst wird. Da hat die von ihren T&M-Auftritten her bekannte France Delon, der Travestiestar mit dem frechen Mundwerk, Platz, aber auch ein Schnuppertraining «Pingpong für Lesben» oder das vom Gaysport Zürich organisierte Schwimmtraining. Das Filmfestival «Pink Apple» ist im Kulturmonat eingebettet, aber auch die White-Party im Volkshaus. Schliesslich ist das Partyleben ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Kultivierung der Gay-Community. Das Festival ist eine Mischung von Anlässen, die man im gebräuchlichen Sinn von Kultur «konsumieren» kann, und von Veranstaltungen, bei denen man aktiv mitmachen kann. Zum Beispiel bei einer Mountainbiketour, beim Nordic-Walking oder bei einer Wandertour. Der Kulturmonat ist vor allem ein Monat, in dem die schwullesbische Lebensweise mit all ihren Facetten kultiviert wird, konzentriert auf einen Monat – und dafür eignet sich der Wonnemonat Mai wohl am besten.

Der Mai ist schon zu kurz
Das schwul-lesbische Kulturfestival «warmer mai» startet dieses Jahr bereits Ende April mit einer Jubiläumsausstellung zu Ralf König, dem beliebten und berühmten schwulen Comics-Zeichner. Ebenfalls bereits Ende April ist die Premiere des Theaterstücks «Die Sternstunde des Josef Bieder», eine Einmann-Komödie mit dem Schauspieler Jan Zierold, zu sehen. Wer vor drei Jahren seine Glanzleistung in «Du bist meine Mutter» gesehen hat – das Stück wurde wegen des grossen Publikumsandrangs verlängert – lässt sich dieses neue Stück auf keinen Fall entgehen. Am 5. Mai ist Party angesagt: der grosse Gay-Ball findet in der Kirche St. Jakob am Stauffacher statt, mit Eröffnungswalzer von der Kirchenorgel. Das folgende Wochenende bietet wieder einen Theater-Leckerbissen: «Gay Romeo ist schuld!», ein one-night-stand mit dem Schauspieler und Sänger Frank Sandmann aus Berlin. Wie bereits zur Tradition geworden, ist am Auffahrtswochenende das Miller’s Studio für das Festival reserviert. Geboten wird Kabarett von und mit René Caldart und ein Musikabend mit dem 20-köpfigen Lesbenchor «Melodiva» aus München. Unter dem Titel «Venusfeuer» wird die Kabarettistin Petra Förster auftreten und Leckerbissen aus ihren Programmen servieren.

Bewährtes und Neues
Auch dieses Jahr sind wieder mehrere der beliebten Zooführungen zum Thema «Homosexualität im Tierreich» im Programm. Wer sich vertieft für das Thema Homosexualität im Tierreich interessiert, hat auch die Möglichkeit, im gleichnamigen neuen Film von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehr zu deren aktuellen Forschungen zu erfahren. Ein Multimedia-Vortrag gilt der Künstlerin Sonja Sekula, die in Zürich und in den USA lebte. Zum ersten Mal arbeitet dieses Jahr der «warme mai» mit dem Moods zusammen, am Pfingstsonntag wird dort das Trio «Fundbüro» auftreten, das die Improvisationsmusikerinnen Claudia Ulla Binder, Sibylla Giger und Margrit Rieben vereint.

Zwei Höhepunkte gibt es zum Schluss im Provitreff, das den ganzen Mai über Zentrum des «warmer mai» ist: Kartoschka ist ein Balkan-, Tsigane- und Folk-ensemble. Für Gesang und Gitarre zuständig ist dabei Moël Volken, den meisten bekannt als Geschäftsleiter von Pink Cross. Am letzten Abend, am 31. Mai, wird das Bye-Bye-Dinner von den «Cousinen» Gerda und Helga aus Luzern serviert, für die musikalische Unterhaltung sorgt die Damenkapelle «Moos am Rugge».
Infos über alle Ausstellungen, Lesungen, Theaterstücke, Workshops, Parties und Konzerte unter: www.warmermai.ch.

Von Martin Ender