Homophobie bei der Zürcher Stadtpolizei?
Nach der Schliessung des Clubs Labitzke in Altstetten werden einmal mehr Stimmen laut, die der Zürcher Stadtpolizei Homo-phobie unterstellen. Nur sind solche Vorwürfe ziemlich haltlos.

Seit dem 11. März hat Zürich wieder einen Technotempel weniger: Die Stadtpolizei führte an jenem Sonntagmorgen im Club Labitzke an der Albulastrasse 40 in Zürich Altstetten (Ex-Aera) eine Razzia durch. Man habe Hinweise gehabt, dass in der Lokalität mit Drogen gehandelt werde, so die Polizei in ihrer Pressemitteilung. Von den 170 Gästen wurden acht vorläufig festgenommen, weitere 30 wegen Drogenkonsums verzeigt. Der Club wurde nach der Kontrolle bis auf weiteres geschlossen.

Die Razzia im Labitzke folgt auf ähnliche Aktionen der Zürcher Behörden in der Spider Galaxy und unlängst im Labyrinth. Unter Schwulen macht sich teilweise Unmut breit über die repressive Praxis der Polizei. In einem offenen Brief an die SP-Politikerin Esther Maurer, der Vorsteherin des Polizeidepartementes der Stadt Zürich, beklagt sich jetzt ein Szenekenner*: «Als bekennender Homosexueller gelange ich zudem mit der Frage an Sie, wie es zu erklären ist, dass sämtliche mir bekannten Drogenrazzien in Zürcher Clubs in den letzten zwei Jahren in Lokalitäten durchgeführt worden sind, welche vorwiegend von Schwulen besucht werden». Und weiter fragt er: «Wie stellen Sie sicher, dass nicht der Eindruck entsteht, diese Kampagne Ihres Departements könnte homophobe Züge tragen?». Zudem prangert er die «mediale Ausschlachtung» der Geschehnisse an und fragt, weshalb die Stadtpolizei nicht in anderen Clubs wie etwa dem Kaufleuten gegen den sicher auch dort praktizierten Drogenkonsum einschreite.

Homophobie im Spiel?
Der Missmut ist verständlich. Auch auf der Gästebuch-Seite des Labyrinth haben verschiedene Benutzer nach der Razzia an der Jubiläumsparty im letzten November entsprechende Befürchtungen geäussert und Maurers Mannen Homophobie unterstellt. Die Anschuldigungen an die Adresse der Stadtpolizei greifen aber zu kurz: Das Labyrinth war der einzige tatsächliche Schwulenclub, der von einer Kontrolle betroffen war, die zudem nicht die Gäste, sondern die Betreiber zum Ziel hatte. Die Spider Galaxy an der Geroldstrasse war zum Zeitpunkt der Razzia bei Schwulen schon eher verhasst als beliebt, verkehrte doch dort eine Klientel, die sich ihrerseits das Prädikat homophob gefallen lassen musste. Genauso verhält es sich mit dem Club Labitzke: Das Ziel der Razzia war nicht die einmal im Monat stattfindende Shaft-Party für Schwule, sondern vielmehr die After-Hour-Veranstaltung, die dort seit geraumer Zeit am Sonntagmorgen ein fragwürdiges Publikum angezogen hatte. Wie Anwohner bestätigen, herrschten anlässlich dieser Veranstaltung rund um den Club Labitzke unhaltbare Zustände. Schwule gehörten dort höchstens noch am Rande zu den Gästen.
Dies soll in keiner Weise die offenbar tatsächlich zunehmend repressive Praxis der Stadtpolizei gegen die Zürcher Clubs im Allgemeinen entschuldigen. Insbesondere angesichts der desolaten Zustände, die sich etwa an der Zürcher Langstrasse nicht in einem dunklen Keller, sondern in aller Öffentlichkeit abspielen. Doch der Vorwurf der Homophobie an die Adresse der Behörden reicht zu kurz.


Von Boris Schneider
(* Name ist der Redaktion bekannt)


Feindbild Esther Maurer
Das Misstrauen der Schwulen gegenüber der Stadtpolizei und ihrer politischen Chefin Esther Maurer (SP) ist gewachsen. So meint denn auch «Kontakt»: «…die Angriffe auf die Schwulen werden systematisch ausgeweitet und erreichen mittlerweile ein Ausmass, das die Szene in ihrer Substanz bedroht.»
Der Tagesanzeiger (Artikel von Ralf Kaminski, 23.3.07) liess Esther Maurer zu Wort kommen: Ihr schlechter Ruf in der Schwulenszene sei ihr «keineswegs gleichgültig», sagt Maurer, «denn ich habe die Anliegen ihrer Vertreter immer ernst genommen und versuche seit langem, auch bei schwierigen Fragen (hier sind die Darkrooms gemeint) für akzeptable Lösungen Hand zu bieten». Offenbar gebe es jedoch in der Schwulenszene einige, die in ihr ein geeignetes Feindbild sähen, sagt Maurer und betont: «Es gibt bei der Stadtpolizei keine homophoben Tendenzen – die polizeilichen Aktionen haben nichts mit Prüderie zu tun, sondern sind immer auf Straftatbestände ausgerichtet». Von 50 Razzien fanden übrigens nur drei in Schwulenklubs statt. Auch Schwule dürften sich nicht illegal verhalten, ohne dass dies Konsequenzen habe, sagt Maurer. Martin Naef, Präsident der kantonalen SP und schwul, kann nachvollziehen, dass der Eindruck eines systematischen Vorgehens entstehen könnte, und beurteilt das Fazit des «Kontakt» Artikels aber als «über das Ziel hinausgeschossen». Er habe mit Parteikollegin Maurer über die Vorwürfe gesprochen: «Maurer und die Polizei sind bereit, gemeinsam mit den Klubbetreibern nach Lösungen zu suchen», sagt Naef. Zumindest was die Darkrooms betreffe.

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