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Sixpack auf Teufel komm
raus
vom Aussehen abhängig macht,
kann leicht in die Depression schlittern.
Die Fitnessindustrie boomt und Schwule sind gute Kunden, auch wenn
dies kein Anbieter so deutlich sagen will. Doch der bedingungslose Körperkult,
den viele Gays praktizieren, birgt auch Gefahren.
Der Fitnessboom scheint ungebrochen: Unlängst hat die Silhouette-Kette
aus der Westschweiz in Zürich drei neue Zentren eröffnet. Zwei
weitere sind in Planung. Auch für die Migros ist Fitness ein Millionengeschäft:
Der orange Riese unterhält schweizweit 15 Fitnessparks und plant
für das Jahr 2008 sogar zwei weitere Anlagen. «Wir haben rund
50000 Jahresmitglieder und unsere Anlagen wurden im Jahr 2006 insgesamt
3,4 Millionen Mal besucht», sagt Patrick Mayer, Projektleiter Fitnessparks
bei der Migros. Dennoch scheint die Fitnessbranche nach Jahren des ungebremsten
Wachs-tums erste Anzeichen von Sättigung zu spüren: «Im
Moment stagniert der Markt», sagt Claude Ammann vom Schweizerischen
Fitness Center Verband (SFCV) in Bern. Genaue Zahlen zur Krafttrainings-
und Wellness-Industrie gibt es für die Schweiz nicht: Der Branchenverband
schätzt, dass es schweizweit rund 400 Zentren gibt, die von rund
500?000 Trainierenden mehr oder weniger regelmässig besucht werden.
Der Trend geht hin zu grösseren Clubs mit einem breiten Betreuungs-
und Wellness-Angebot: «Brachiales Krafttraining entsprach eigentlich
noch nie einem Bedürfnis der breiten Kundenmasse und wurde stets
nur in wenigen Zentren angeboten», sagt SFCV-Präsident Martin
Steinhauer zum Cruiser.
Sind Gays wirklich eine wichtige Zielgruppe?
Dass schwule Männer einen besonderen Körperkult pflegen, der
nicht zuletzt durch Exponenten der Pornoindustrie wie Falcon tatkräftig
gefördert wird, steht fest. Einige Zentren etwa der «Stockerhof»
in Zürich stehen bei Schwulen auch besonders hoch im Kurs,
weil sich dort dem Vernehmen nach überdurchschnittlich viele Gleichgesinnte
treffen lassen. Doch statistisch lässt sich der schwule Hang zum
Fitnesstraining nicht untermauern und die Betreiber weigern sich auch
hartnäckig, die Bedeutung der Schwulen als wichtige Zielgruppe für
ihre Industrie zu kommentieren: «Bei uns steht der Gesundheitsgedanke
im Vordergrund und Gays sind genauso willkommen wie andere Besucher»,
sagt etwa Mayer von der Migros. «In unserem Gewerbe werden keine
Listen oder Statistiken zu diesen Themen geführt. Wir behandeln auch
diese Gruppe gleichwertig zu allen Mitgliedern. Gays können deshalb
auch nicht als wichtig oder weniger wichtig für die Fitnessindustrie
bezeichnet werden», sagt Ammann vom SFCV.
Junge Männer frönen dem Körperkult
Warum die Industrie zu dieser Frage keine Stellung bezieht, muss hier
offen bleiben. Vielleicht wollen die Betreiber im immer härteren
Wettbewerb um Herr und Frau Schweizer lieber nicht als besonders schwulenfreundliches
Zentrum dargestellt werden. Ein Blick auf die Tanzflächen der Gayclubs
zeigt aber, dass ein nicht unbeachtlicher Teil der Schwulen das Thema
Krafttraining mehr als ernst nimmt. Beim Anblick vieler nackter Oberkörper
liegt denn auch die Vermutung nahe, dass illegale Hilfsmittel wie anabole
Steroide am krassen Massenzuwachs beteiligt gewesen sein könnten.
«Natürlich gibt es Missbrauch mit solchen Mitteln, im Zeitalter
des Internet wird wohl auch fündig, wer entsprechende Dinge sucht»,
meint SFVC-Präsident Steinhauer. Das Thema Körperkult betreffe
allerdings vornehmlich die jungen männlichen Kunden der Fitnessanbieter:
«Jungen Männern scheint es wichtig zu sein, schnell eine ausgeprägte
Brustmuskulatur, viel Bizeps und ein Sixpack zu haben. Doch für 85
Prozent der Trainierenden steht beim wöchentlichen Fitten das simple
Abnehmen klar im Vordergrund.»
Wenn Fitness zur Sucht wird
Dass Fitness ein Suchtpotential birgt und dass zuviel des Guten auch ins
Schlechte kippen kann, das bestätigt auch der Zürcher Psychotherapeut
und Buchautor Kurt Wiesendanger: «Primär stehen Fitness und
Krafttraining zwar im Dienste des Sich-Wohlfühlens im eigenen Körper,
und ein gutes Körpergefühl ist die Grundlage, sich als ganzer
Mensch wohlzufühlen». Es komme aber immer wieder vor, dass
Menschen Minderwertigkeitsgefühle in den nicht minder wichtigen Bereichen
Geist und Seele körperlich zu kompensieren versuchten: «Unsere
körper- und schönheitsbezogene Gesellschaft, insbesondere auch
die schwule Subkultur, fördert diese Tendenz zusätzlich»,
so Wiesendanger.
Adonis Komplex
Auf diese Weise entstehe auch der vielzitierte «Adonis-Komplex»,
bei dem ein grosser Teil oder gar der ganze Selbstwert vom Aussehen abhängig
sei: «Schwule Männer mit dieser Störung laufen grosse
Gefahr, psychisch zu erkranken, wenn sie trotz intensivem Training permanent
hinter ihrem Wunschkörper herrennen oder durch das Älterwerden
zwangsläufig diesen Ansprüchen nicht mehr genügen können»,
mahnt Wiesendanger. Spätestens dann so der Psychotherapeut
drohe dem trainierten Körper zum Trotz das böse Erwachen
in der Depression.
Von Boris Schneider
Eine Internetlösung
der
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