«CSD Radio» in Gefahr?
Viele Vorwürfe und eine Anklage gegen Unbekannt

«CSD Radio» ist seit vergangenem Jahr des Öftern ins Gerede gekommen. Ungereimtheiten bei der Abrechnung des Lounge-Betriebs, fehlendes Geld und nun noch der Entzug der Gunst des Vereins «Gay Pride – Christopher Street Day Zürich» mit entsprechend finanziellen Abstrichen, setzen dem Verein «CSD Radio» arg zu. Cruiser sprach mit dem damaligen Präsidenten Dani Buchs.

In der Abendsonne vor dem Puls5 führen wir unser Gespräch. Der Kellner präsentiert zum Schluss die Rechnung für unsere Getränke. Dani Buchs bezahlt, der Kellner geht, Buchs schaut nochmals auf den Kassenzettel und meint: «Das stimmt nicht, ich habe ja ein Getränk mehr gehabt, als da verrechnet ist.» Ein anderer hätte die Sache auf sich beruhen lassen. Nicht aber Buchs, er geht dem Kellner nach und klärt die Angelegenheit. Normalerweise ein Vorfall, der schnell vergessen ist. Aber nach unserem Gespräch bekommt er eine ganz besondere Bedeutung. Buchs vergisst nicht, übergeht nichts – er nimmt es genau. Zahlen sind dazu da, dass sie stimmen. Vereinsstatuten und Abmachungen müssen genau befolgt, erfüllt werden. Dani Buchs will den Ungereimtheiten des vergangen Jahres nachgehen. «Ich stelle mich zur Verfügung, darüber Auskunft zu geben, was da letztes Jahr passiert ist. Ich habe Dokumente dabei, die ich dem Cruiser gerne auf konkrete Fragen hin vorlege.» Er will damit die Vertrauenswürdigkeit seiner Aussagen untermauern.

Ein schwieriger Mensch?
Buchs weiss, dass das Image des «CSD Radio» angekratzt ist. Er weiss auch, dass dies auch mit seiner Person zusammenhängt, denn er gibt zu: «Niemand kommt mit mir aus, niemand will mit mir zusammenarbeiten, heisst es da und dort…». Aber sofort relativiert er die Aussage und meint: «Und doch habe ich immer wieder Leute um mich, die mit mir das Radio machen.» Dass Buchs nun Strafanzeige eingereicht hat gegen Unbekannt, macht für einige den Umgang mit ihm nicht einfacher. Aber er kann nicht anders. Es liegt in seiner Natur. Und schliesslich fehlen da rund 15000 Franken. Die Lager sind nun gespalten. «Die einen verstehen nicht, warum ich Anzeige mache gegen Leute, die damals mitgearbeitet haben, andere finden es gut, dass man der Sache nachgeht, weil es ja Gelder von Sponsoren und aus der Community sind. Da muss man alles tun, um die Sache aufzuklären.»

Führungsfehler?
Die meisten Unregelmässigkeiten gab’s wohl im Gastro-Betrieb. Im Puls5 wollten die Radiomacher nicht auf die Gelegenheit verzichten, mit einem Lounge- und Barbetrieb über einen Monat, zusätzlich zu den Sponsorenbeiträgen, noch Mittel zu generieren. «Wir haben uns nach einigen Diskussionen dazu entschlossen, allerdings mit der Auflage, dass der Gastrobetrieb personell vom Radiobetrieb getrennt sein muss. Das heisst, wir haben den Leuten des Gastrobetriebs vertrauen müssen. Natürlich waren Kontrollmechanismen eingebaut. Dennoch fehlen an gewissen Tagen einfach die Zahlungseingänge auf dem Bankkonto. Und es hat sich herausgestellt, dass Geld aus der Kasse genommen wurde, ohne einen Beleg zu deponieren. Und scheinbar hatten mehrere Personen Zugriff zur Kasse.» Nun stellt sich auch die Frage, ob Buchs als Präsident die eingesetzten Leute nicht im Griff hatte? «Die Frage ist legitim. Ich bin auch bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Das muss jetzt extern entschieden werden, inwieweit meine Vorgaben genügend waren und ob ich Führungsfehler gemacht habe.»

Zur Zeit reisst sich niemand um einen Sitz im Vorstand und Dani Buchs ist faktisch das einzige Vereinsmitglied. Er gibt aber auch nach so viel Ärger und Arbeit nicht auf und sagt: «Ich lebe für dieses Projekt... irgendwie.» So hat er denn nun ein Organisationskomitee ins Leben gerufen. Dieses hat das Bekenntnis abgegeben: «Wir wollen ein Radio machen, und wir wollen, sofern es rechtlich möglich ist, den Verein «CSD Radio» erhalten, und wir wollen auch zu den Schulden stehen.» Im Mai soll es eine Generalversammlung geben und Wahlen. Bis rechtlich und vereinsrechtlich alles geregelt ist, gibt’s erst mal das neue «Radio Queer Tunes».

Von Martin Ender


Radio Queer Tunes
Das neue Radio rund um den CSD
Zum fünfjährigen Bestehen des «CSD Radio» wurde ein neues Label lanciert: «Radio Queer Tunes». In diesem Jahr wird vom 17. Mai bis 3. Juni 2007 aus der Pearl Bar gesendet.
Das «Radio Queer Tunes» geht on air! Am Mittwoch, 16. Mai, 2007 steigt ab 20.00 Uhr die grosse Eröffnungsparty mit den DJs Angel O. & Joe Anthony (Supremelove, sunday trash). Und um Mitternacht wird auf UKW 90.1 MHz (Cablecom 102.6 MHz) die erste Sendung dieses Jahres ausgestrahlt. Bis um 04.00 Uhr wird im Studio gemeinsam gefeiert, denn schliesslich feiert das ehe-malige CSD Radio bereits das fünfjährige Jubiläum. Der Eintritt ist kostenlos; Spenden sind gerne willkommen.
Cruiser-Redaktor Branko B. Gabriel ist live zu hören beim diesjährigen Radio Queer Tunes! Alles über Fashion, Lifestyle und Beauty, mit interessanten Gästen, coolen Verlosungen und Wettbewerben. Mehr Infos unter: www.queertunes.ch