Editorial
Rückfall

Der Bericht in der letzten Cruiser-Ausgabe über die Frage, ob bei der Zürcher Stadtpolizei die Homophobie zunehme, hat einigen Wirbel in der Szene verursacht. Uns lagen damals Fakten vor, die diese Frage (noch) nicht mit einem eindeutigen Ja beantworten liessen. Dass die Wahrnehmung in der Szene ein ganz anderes Bild zeichnet, mussten wir durch etliche Mails an die Redaktion erfahren.

Nun haben sich aber die Ereignisse überstürzt. Der Club Labyrinth wurde erneut kontrolliert und auch die den gleichen Besitzern gehörende Lobby Bar im Stadtzentrum. Die Wirtschaftspolizei liess das Labyrinth schliessen und verlauten: «Aufgrund der festgestellten Missstände, insbesondere der wiederholten Verletzung der öffentlichen Ordnung und guten Sitten, ist der sofortige Entzug des Gastwirtschaftspatentes die einzig wirksame Massnahme, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen».

Es ist schwer nachzuvollziehen, was die eigentlichen Gründe für das rigorose Vorgehen der Polizei sind. Übernimmt der Staat anstelle der Kirche die Rolle der moralischen Aufsichtspflicht? Sind das Erhalten guter Sitten und öffentlicher Ordnung in einem Club – der durch sein Wesen so öffentlich nicht ist – vordringlichste Aufgabe der Polizei? Falls es aber um HIV-Prävention mit polizeilichen Mitteln geht, können solche Einsätze ohne politische und gesellschaftspolitische Diskussion schon gar nicht akzeptiert werden. Prävention ja – aber nicht so.

Das schwule Nachtleben ist nicht das einzige und zahlenmässig nicht das grösste in Zürich. Aber im Moment sieht es so aus, als sei es der grösste Dorn im Auge der Behörden. Der Cruiser wird die Entwicklung in Zürich weiterverfolgen und die Community im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen. So wird der Artikel über die Schliessung des Labyrinths den Redaktionen der wichtigsten Zürcher Zeitungen zugesandt. In der Hoffnung, dass die Diskussion über das Vorgehen gegen Schwulenclubs über die Schwulenszene hinaus geführt wird.

Diese Thematik hat nun den Platz in unserer Zeitung beansprucht, den wir eigentlich dem Anfang Juni in Zürich stattfindenden Christopher Street Day zugedacht haben. Darum wollen wir unseren Lesern umso eindringlicher das Lesen der beiliegenden CSD-Broschüre ans Herz legen. Und natürlich dazu aufrufen, am CSD dabei zu sein. Gegen Willkür muss massiv Protest eingelegt werden.

Trotz dicker Luft in der Partyszene tut sich hier dennoch einiges. Welche Clubs und Parties neu sind, steht in diesem Cruiser. Und wenden wir uns zum Schluss noch andern schönen Dingen des Lebens zu. Aus Anlass zur neuen Fernseh-Staffel Tapetenwechsel hat der Cruiser mit Andrin Schweizer gesprochen. Er weiss genau, wie man schöner wohnen kann.
Einen weiterhin traumhaften Frühling mit vielen, vielen bunten Parties wünscht

Martin Ender
Herausgeber

Eine Internetlösung der