Das Labyrinth ist tot
Eine Abschlussparty haben die Behörden nicht mehr bewilligt.

Dem Labyrinth-Club wurde nach dem Osterwochenende durch die Zürcher Behörden das Gastwirtschaftspatent entzogen.
Der Club schliesst definitiv seine Türen. Die Wirtschaftspolizei hat auch eine einmalige Festwirtschaftsbewilligung für eine Abschlussparty verweigert. Es soll mit sofortiger Wirkung «die öffentliche Ordnung» wieder hergestellt werden. Eine Institution der europäischen Gay-Szene ist seit dem 20. April 2007 Geschichte: Nach dem Osterwochenende hat die Zürcher Wirtschaftspolizei den Betreibern des Labyrinth-Clubs mit sofortiger Wirkung das Gastwirtschaftspatent entzogen, weshalb das Lokal nicht mehr öffnen kann. Dieser «erneute behördliche Angriff» versetze dem Club auch finanziell den Todesstoss, teilten die Betreiber auf ihrer Homepage mit. Die Betreiberfirma muss wohl in absehbarer Zeit die Insolvenz anmelden.

Verzweifelter Hilferuf vor Ostern
Rund eine Woche vor Ostern hatten die Laby-Macher Luca Bernardini und Peter Breitenmoser mit einem langen Schreiben an ihre Gäste für Aufruhr in der Szene gesorgt: Offen und ehrlich hatten die beiden über die prekäre finanzielle Situation informiert, die offenbar wegen der unvorhergesehenen einmonatigen Schliessung des Lokals nach der Razzia im letzten November sowie wegen der Abwanderung vieler Stammgäste ins alte Labyrinth-Clublokal an der Pfingstweidstrasse, dem jetzigen Lotus-Club, entstanden war. Dem Aufruf, das Labyrinth in der schweren Zeit zu unterstützen, sind viele Gäste nachgekommen. Im Gästebuch auf der Homepage riefen Besucher zur Solidarität mit der bald 14-jährigen Institution im Zürcher Nachtleben auf und hinter den Kulissen liefen offenbar diverse Bemühungen, den Clubbetrieb wieder auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, um ihn weiterführen zu können.

Verstoss gegen die «guten Sitten»?
Eine erneute Kontrolle durch die Zürcher Wirtschaftspolizei am Ostersamstag war dann aber zu viel für das bereits geschwächte Laby. In der Begründung der Behörden zum sofortigen Patententzug hiess es gemäss einem auf der Labyrinth-Homepage veröffentlichten Auszug: «In dem Lokal wurde festgestellt, dass in den widerrechtlich genutzten sogenannten Darkrooms sowie in und um die Toiletten, insbesondere im hygienischen Bereich, unhaltbare Zustände herrschen. Aufgrund der festgestellten Missstände, insbesondere der wiederholten Verletzung der öffentlichen Ordnung und guten Sitten, ist der sofortige Entzug des Gastwirtschaftspatentes die einzig wirksame Massnahme, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen». Nun mutet es – besonders aus der Optik von langjährigen Gästen – schon ein wenig merkwürdig an, wenn plötzlich die Zustände der sanitären Anlagen und der Darkroom zuoberst auf der Mängelliste auftauchen. Kenner des Zürcher Nachtlebens wissen, dass sich die Toiletten in allen Zürcher Clubs – ob schwul oder hetero – während langen Partynächten gleich präsentieren. Und einen Darkroom hat das Labyrinth seinen Gästen seit den Anfängen angeboten. Dass darin jetzt plötzlich derart gravierende Verstösse gegen die öffentliche Ordnung und die guten Sitten gesehen werden, erstaunt. Doch offenbar gibt es innerhalb der Zürcher Wirtschaftspolizei tatsächlich Elemente, für deren Weltbild allein schon die Existenz eines Gay-Clubs störend ist: So soll der Patentgeber des Labyrinths bei der behördlichen Einvernahme nach Ostern allen Ernstes gefragt worden sein, weshalb in dem Club «so viele Männer oben ohne herumlaufen» würden, wie der CRUISER erfahren hat.

Darkrooms und Drogen
Das Problem der Behörden mit den Darkrooms der Schwulenszene ist nicht neu. Es mag unter anderem daher rühren, dass ein heterosexueller Kopf unmöglich nachvollziehen kann, dass es tatsächlich möglich ist, während des Ausgangs zu Sex zu kommen, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen. Vorgeschoben werden dann aber jeweils andere Argumente, mit besonderer Vorliebe und Regelmässigkeit das Gastgewerbegesetz. So auch an einem Treffen des Verbandes der Schweizer Gaybetriebe (VEGAS), der Zürcher Aids-Hilfe und von Pink Cross mit der Vorsteherin des Zürcher Polizeidepartementes Esther Maurer Anfang März, an dem das Thema erneut auf den Tisch kam. Die Behörden scheinen hier gemäss einem Artikel im Tages-Anzeiger «bauliche Massnahmen» zu befürworten, damit Darkrooms auch räumlich separate Einheiten bilden und so nicht mehr unter das Gastgewerbegesetz fallen. Gleichzeitig hat Maurer auch den Tarif durchgegeben, was die Razzien angehe: Sie sei der Meinung, dass der Drogenkonsum in der Schwulenszene zugenommen habe, weshalb ein Ende der Kontrollen nicht in Sicht sei. Ob der Drogenkonsum tatsächlich nur bei schwulen Männern zugenommen hat, können und wollen wir hier nicht abschliessend beantworten. Ein Besuch in den heterosexuell orientierten Etablissements dieser Stadt sei der Polizeivorsteherin allerdings wärmstens empfohlen, um ein differenzierteres Bild der Realität zu erhalten.

Mit der definitiven Schliessung des Labyrinths scheinen die Behörden ein Exempel statuieren zu wollen. Dass dabei aber eine 14-jährige, weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Institution des Nachtlebens unter die Räder kommt, deren Betreiber immer für die Akzeptanz von Gays in der Gesellschaft gekämpft haben, das wirft einen dunklen Schatten auf das weltoffene und tolerante Zürich.

Von Boris Schneider




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