Klaus Wowereit zu Gast am CSD in Zürich
Sein Bekenntnis: «Ich bin schwul, und das ist auch gut so», ging durch die Weltpresse.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin kommt am 2. Juni 07 an den CSD nach Zürich, ... «und das ist auch gut so». Dieser Besuch des offenen Politikers tut gut in einer Zeit, in der die Stadt Zürich sich der Schwulen zu schämen scheint und ein steifer Wind bläst.

Bekenne Dich? Noch nie hat dies ein Politiker so souverän und mit letztlich so viel Erfolg gemacht wie er: Noch während des Wahlkampfes zum Stadtoberhaupt der deutschen Hauptstadt hat sich Klaus Wowereit, der Kandidat der SPD, mit einem einzigen, aber prägnanten Satz zu seiner Homosexualität bekannt. Und dies in einer Selbstverständlichkeit, die auch heute noch Schule macht. «… und das ist auch gut so» wurde zum Wahlkampfslogan. Am 16. Juni 2001 wählte das Abgeordnetenhaus von Berlin Klaus Wowereit zum Regierenden Bürgermeister. Bei den vorgezogenen Neuwahlen zum Abgeordnetenhaus im Oktober 2001 trat er als Spitzenkandidat für die Berliner SPD an und wurde im Januar 2002 im Amt bestätigt. Im gleichen Jahr wurde er turnusmässig für ein Jahr zum Bundesratspräsidenten gewählt.

Politik mit Glanz und Glamour
Zwar werden mittlerweile verschiedene Millionenstädte in Europa von homosexuellen Stadtpräsidenten geführt. Und in der Schweiz war der offen schwul lebende Claude Janiak im Jahr 2006 Nationalratspräsident und somit höchster Schweizer. Aber Klaus Wowereit ist und bleibt wohl einzigartig mit seinem medienwirksamen Bekenntnis und keiner verbindet auf so unvergleichliche Art grosse politische Ernsthaftigkeit mit der Leichtigkeit von Glanz und Glamour, wie er es tut: Er tritt häufig mit seinem Lebens-partner an öffentlichen Veranstaltungen auf, was ihm auch schon den Vorwurf einbrachte, mehr an Parties als im Berliner Roten Rathaus anzutreffen zu sein. Doch er führt gleichzeitig mit Erfolg die grösste deutsche Stadt durch schwierige Zeiten.

Berlin – Vorbild für Zürich?
Der Regierende Bürgermeister von Berlin kommt am 2. Juni 07 an den CSD nach Zürich, ...und das ist auch gut so! Er ist die Personifizierung des diesjährigen CSD-Mottos «Bekenne dich!». Und er kommt zudem aus der Stadt mit der wohl grössten schwullesbischen Community und dem facettenreichsten schwullesbischen Leben in ganz Deutschland. Auf schweizerische Verhältnisse zurückgeschraubt ist Zürich in dieser Hinsicht durchaus mit Berlin vergleichbar, wäre da nicht der Wermutstropfen, der gerade jetzt aus dem Stadthaus fliesst und das Zürcher Partyleben trübt. Es ist zu hoffen, dass Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister von Berlin der Stadt Zürich einen Anstoss geben kann zur Rückkehr zum einst offenen, toleranten Umgang mit den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und deren Bedürfnissen.

Rückblick
Der CSD ist seit fast 40 Jahren auf der ganzen Welt die grösste Manifestation lesbischwuler Menschen. 1969 hat sich eine vorerst noch kleine Gruppe von Menschen in New York gegen andauernde Schikanen und Demütigungen durch die Behörden gewehrt. Seither hat sich der CSD weltweit zur wichtigsten Demonstration entwickelt, um die Anliegen, Forderungen und Probleme lesbischwuler Menschen einer breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen. Der Einsatz hat sich gelohnt, auch in der Schweiz: Seit wenigen Monaten können homosexuelle Paare ihre Partnerschaft eintragen lassen und damit fast eheähnliche Rechte und Pflichten geniessen. Ist nun alles bestens? Wohl kaum, denn nach wie vor gibt es in der Schweiz Diskriminierung lesbischwuler Menschen – sie ist heute zwar diskreter als früher, aber gerade in der Arbeitswelt und vor allem in kirchlichen Belangen ist sie noch sehr präsent. Und zurzeit ist Aufruhr in der Zürcher Party-Szene, in der ein verstärkter polizeilicher Druck wahrgenommen und Kontrollen als Schikane empfunden werden.

Jetzt erst recht!
Noch vor kurzem gab es Stimmen, die meinten, der CSD als Demo sei nach der Einführung des Partnerschaftsgesetztes überflüssig. Die Vorkommnisse in Zürich haben diese Stimmen verstummen lassen. Nun wird im Gegenteil aufgerufen, massiv gegen Polizeiwillkür zu demonstrieren. Verschiedene Gruppen sind daran, mit entsprechenden Slogans T-Shirts zu kreieren, Flugblätter vorzubereiten, Tafeln zum Mittragen zu zimmern und grossformatige Banden für den Umzug herzustellen. Auch wenn der CSD Zürich das Hauptmotto «Bekenne dich!» herausgegeben hat, wird wohl ein ansehnlicher Teil der Demo-Teilnehmer sich dem aktuellen zürcherischen Thema anschliessen und im Sinne eines Trauermarsches «das Zürcher Nachtleben zu Grabe tragen».

Diese Aktion von schwulen Männern, welche den Klimawechsel in Zürich nicht tatenlos hinnehmen, ist keine Einzelaktion weniger Aufgebrachter. Seit dem Podiumsgespräch mit der Polizeivorsteherin Esther Maurer steht ein Grossteil der Zürcher Gay-Community dahinter. Die Aktion wird ausserdem tatkräftig unterstützt von HAZ und Pink Cross und findet auch in Absprache mit dem CSD-Vorstand statt. Der Slogan wurde erweitert zu «Bekenne dich! zum schwulen Nachtleben, zur gay-friendly Stadt Zürich».

Von Martin Ender





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