Am Ball gegen die Homophobie
Die Wankdorf-Junxx, der erste schwul-lesbische Fussball-Fanclub der Schweiz, haben den diesjährigen CSD-Stonewall-Award gewonnen.

Sie kämpfen für mehr Akzeptanz von Schwulen und Lesben in der «letzten Heterodomäne»: Die Wankdorf-Junxx treten in der Schweiz gegen die Homophobie im Fussball an und wollen dies auch an der Europameisterschaft 2008 tun.

Als letzten Sommer einige Anhänger der Berner Young Boys mit schwulen Freunden die Live-Übertragungen der WM-Spiele mitverfolgten, entstand die Idee, sich zu einem offiziell schwul-lesbischen Fanclub zusammenzuschliessen, wie dies deutsche Fans zuvor gemacht hatten. Im vergangenen Februar reichten sie ihre Vereinsstatuten beim BSC Young Boys ein, der sie innerhalb einer Woche offiziell anerkannte. Die Wankdorf-Junxx waren geboren. Seither sind sie auf knapp zwanzig Mitglieder angewachsen, darunter auch aktive Spieler. Der Name ist eine Hommage an das unter grosser Wehmut der YB-Fans abgerissene Wankdorfstadion und an den ersten Fanclub dieser Art im deutschsprachigen Raum, die Berliner Hertha-Junxx.

Tabu gebrochen
Die Diskussion über Homophobie im Fussball ist mit den Bernern nun auch bei uns entbrannt. Dass sie mit ihrer Gründung in ein Wespennest gestochen hatten, wurde den Jungs schnell bewusst, denn in der Fanszene gab es schweizweit die unterschiedlichsten Reaktionen auf diesen Tabubruch: Von grossem Lob, über konstruktive Kritik, gingen sie hin bis zu erwartungsgemässen Kommentaren von Einzelpersonen, die unter anderem die Fan-Kurve durch die Anwesenheit sich bekennender Schwuler und Lesben entehrt sahen. Dass lange nicht alle Fans so denken, wurde den Jungs aber auch gezeigt: Freundschaften mit bestehenden YB-Fanclubs wurden geschlossen und es bewarben sich heterosexuelle Freunde um eine Mitgliedschaft – ein Beispiel dafür, dass gemeinsame Leidenschaften Menschen verbinden können, auch wenn andere, vermeintlich grundlegendere Vorlieben sie unterscheiden.
Für die Presse waren die schwulen Fussballfans natürlich ein gefundenes Fressen. Nicht nur Szeneblätter überhäuften sie in den ersten Wochen nach der Gründung mit Interview-Wünschen und die Jungs stillten deren Hunger so gut es ging. Mit all dieser Aufmerksamkeit folgte bald die Nomination für den CSD-Stonewall-Award 2007 und kurz darauf der Einzug ins Finale. Als an der Demonstration auf dem Helvetia-platz Klaus Wowereit in seiner eindrücklichen Rede überraschend die tabuisierten schwulen Fussballer an-sprach und diese indirekt auch zum Bekenntnis aufrief, standen die Jungs hellhörig im Publikum und deuteten Wowereits Worte als gutes Omen. Später auf dem Turbinenplatz während der Preisverleihung entschied sich die Jury tatsächlich für die engagierten und mutigen Berner. Diese mit Preisgeld gekrönte Anerkennung auf nationaler Ebene bedeutet für den Fanclub nun, dass er seine Vorhaben erweitern kann.

Netze knüpfen für die Euro08
Seit Anbeginn bestanden Kontakte über die Landesgrenzen hinaus. Die Website www.queerfootballfanclubs.com, ein gemeinsames Projekt der Hertha-Junxx, der Rainbow-Borussen in Dortmund und der Stuttgarter Junxx, will alle schwul-lesbischen Fanclubs Europas fortlaufend vereinigen. Mittlerweile finden sich da sechs deutsche Clubs, ein brandneuer des FC Barcelona und die Schweizer Pioniere. Aber auf der mit Rasen hinterlegten Schweizerkarte soll demnächst ein neues Logo auftauchen: Konkrete Pläne haben befreundete schwule Fans des FC Basel, die ihren offiziellen Ankick auf den Beginn der neuen Saison hin vorbereiten. Es ist zu hoffen, dass bald weitere folgen.
Unterdessen rückt die Euro08 näher. Die Berner besprechen zurzeit mit Verantwortlichen der Fanarbeit Schweiz eine mögliche Zusammenarbeit. Letztere planen Anlaufstellen in den Schweizer Austragungsorten Basel, Bern, Genf und Zürich, wo sich dereinst die Fussballfans aus ganz Europa durch verschiedene Medien über das kulturelle Angebot abseits der Stadien informieren können. Die Jungs wollen sich daran beteiligen, um die vier Städte auch den schwulen und lesbischen Gästen schmackhaft zu machen. In Gesprächen mit FARE (Football Against Racism in Europe) entstand zudem die Idee einer QueerEuro, die in weiteren Sitzungen ausreifen soll.
Die Wankdorf-Junxx bleiben am Ball. Sie sind entschlossen, mit dem am CSD gewonnenen Preisgeld neben kleineren Plänen das eine oder andere Grossprojekt an der Euro08 zu verwirklichen – denn diese bietet eine einmalige Plattform, um die Homophobie im Fussball europaweit ins Aus zu befördern.

Von Stefan Schüpbach



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