Luca Papini, auch bekannt als Tara LaTrash
Ein Interview mit der Diva «Tara LaTrash» und mit dem Menschen «Luca»

Schon als kleiner Junge verkleidete sich Luca am Sonntag für seine Mamma, führte Theaterstücke auf, die er sich selbst ausdachte. Später, noch bevor der Begriff «Drag Queen» aufkam, war Tara bereits ein Star. Unvergessen ihr Auftritt im weissen Schwan auf dem See. Und unvorstellbar eine Labor Bar ohne Luca.

Cruiser: Luca Papini, du bist ein vielgefragter Star. Was machst du alles?
Luca (lacht...): Also, ich bin stellver-trender Geschäftsführer der Labor Bar, dort auch Resident DJ, arbeite als Warm-Upper für das Schweizer Fernsehen bei verschiedensten Produktionen wie Miss Schweiz, Mister Schweiz, Deal or no Deal, m08, etc. Ich lege als DJ national und inter-national auf – vom Opernball bis hin zum kultigen Odeon-Outdoor-Street-parade-Happening – übrigens auch wieder am Zürifäscht (holt tief Luft). Und ich bin auch ab und zu, je nach Lust und Laune, als Tara LaTrash wieder unterwegs.

Vor kurzem war Barbra Streisand im Hallenstadion. Du warst dabei...
Ich war dabei und es war mega, mega sensationell. Amazing, sie ist eine Diva, wie sie es nur sein kann. Durch und durch Profi und begehrenswert! Einfach einzigartig... Barbra, you give me always a smile!

Seit fünf Jahren führst du das Szepter in der Labor Bar. Wie fühlst du dich als Gastgeber und Showmaster?
Ich fühle mich sehr wohl. Obwohl ich ja bereits seit über 22 Jahren im Nachtleben zu Hause bin, macht es nach wie vor Spass! Ab und zu ist es auch sehr anstrengend, aber ich versuche auch immer wieder, meine Ruhepausen zu finden, sei es bei mir zu Hause oder auch auf Reisen! Ganz wichtig ist es auch, sich nicht immer zu ernst zu nehmen. Ausserdem bin ich absoluter Nichtraucher, habe in meinem Leben noch nie Drogen konsumiert und bin kein Trinker. Ich trinke gerne einen feinen Wein zum Nachtessen und danach einen noch feineren Grappa, aber da hört es dann bei mir schon auf. Ausser mal ab und zu einen Baileys!

Du bist ja so etwas von seriös!
Danke! (lacht verschmitzt)

Du hast auch schon Songs aufgenommen. «To be Gay» war glaube ich, deine erste Single mit Nella Martinetta bei der Plattentaufe.
Ich habe bereits fünf Songs aufgenommen. «To be Gay», «I’m a Freak», «Trippin on», «Disco Boy» und kürzlich neu «Sunday Inferno». Nella Martinetti gehört noch heute zu meinem Freundeskreis und wir haben mindestens einmal in der Woche Kontakt. Sie ist eine fabelhafte Persönlichkeit, mit vielen Ecken und Kanten, genau so wie ich!

Gibt es weitere Pläne im Zusammenhang mit deiner Gesangskarriere? Du hast ja eine sehr gute Stimme.
Sunday Inferno ist eine Cover-Version von Disco Inferno von den Tramps – Saturday Night Fever! Sonst bin ich ja auch bei verschiedenen Produktionen Background-Voice oder Sprecher und bin dadurch auch immer wieder irgendwo unbewusst zu hören (lacht).

Du hast dir auch als DJ einen Namen gemacht. Wie läuft es in diesem Job gegenwärtig?
Als DJ läuft es sehr gut, da ich nicht nur in Clubs und an Parties, sondern auch für sehr viele Anlässe im In- und Ausland auflegen darf. Ich bin zufrieden und kann auch mal nein sagen. Das ist mir wichtig!

Wie kamst du auf den Namen Tara LaTrash?
Das ist eine zwanzig Jahre alte Geschichte... unglaublich oder! Ich war 1987 im Club Med als GO (Gentil Organisateur) in Korfu Ipsos, und kam durch die Chefanimateurin auf den Geschmack, im Fummel aufzutreten. Meine ersten Nummern waren von Dalida und von Charles Aznavour. Zurück in der Schweiz, habe ich das ausgebaut. Damals nannte ich mich nur Tara. Es gab ja auch noch keine Drag Queens! Es war nach einem Auftritt im Lausanner Mad mit Susanne Bartsch und Ru Paul, der damals noch sehr unbekannt war. Nach dem grossen Auftritt sagte er «Tara you are looking like trash!». So entstand die Künstlerfigur Tara LaTrash. www.taralatrash.ch

Ich erinnere mich noch an das «Kino am See», als du in einem riesigen weissen Kunststoff-Schwan hinter der Leinwand über das Wasser kamst.
(macht grosse Augen) Das war 1996... und es war auch der allererste Drag Queen Contest in Zürich. Nicht wie jetzt behauptet wird, die «Miss Drag Queen»-Wahl im Bernhard-Theater. 1996 im Kino am See waren wir zusammen mit Cinerent die Ersten, die das durchgeführt haben. Schön, dass du dich auch daran erinnerst, denn das war wirklich einer meiner schönsten und tollsten Auftritte, an den ich mich am liebsten erinnere! Wahnsinn... durch einen technischen Defekt konnten wir erst mit einer Stunde Verspätung anfangen. Aber das war perfekt, denn das Licht, der Sonnenuntergang, alles war rot, und ich kam auf diesem weissen Schwan über den See gefahren zu einer Arie von Maria Callas und in einem wunderbaren roten Kostüm. Es gab eine Standing Ovation und 2’500 Leute standen im Kino am See und jubelten... Und das schönste Kompliment erhielt ich damals von Tamara, von Thomas Kraus! Das werde ich nie vergessen!

Recht berühmt waren die Trash-Dancers, die dich oft bei Shows begleiteten. Was ist aus ihnen geworden?
Die Trash-Dancers sind frivol, jung und im Moment in alle Himmelsrichtungen auf dieser Welt verstreut, der eine ist in Malaga, der andere auf den Kanaren, der dritte in Berlin etc... Daher haben wir im Moment Pause. Mal schauen, was die Zukunft bringt!

Werden sie wieder einmal aufleben?
Vielleicht einfach so und irgendwo. Wir sind immer wieder für genau solche Überraschungen zu haben! Wer dabei ist, wird es miterleben und kann es dann auch weitererzählen!

Was willst du in fünf Jahren machen?
Ganz ehrlich, das habe ich mir wirklich schon fest überlegt. Ich möchte mich absetzen auf meiner Lieblings-insel Ibiza. Zusammen mit meiner Mutter in unserer Finca das Leben geniessen. Trotzdem weiterarbeiten, aber einfach dort, wo es wunderschön ist. Ich rede nicht von der Partyinsel Ibiza – die gibt es ja auch, aber zum Glück nur drei Monate im Jahr – sondern von Eivissa (Name in Catalan, die Red.), der weissen, mystischen und wunderbaren Insel ohne Kompromisse!

Luca, herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg.

Kurt Büchler





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