15 Jahre Tolerdance
In Berner Partyleben ist das «Toli» zu einem festen Wert geworden

Bereits seit 15 Jahren findet im ISC jeden 4. Samstag im Monat das Tolerdance statt, die beliebteste Disco für Schwule, Lesben und FreundInnen in Bern. Am 25. August wird gross Jubiläum gefeiert.

Gayparties kommen und gehen. Das Tolerdance in Bern ist geblieben und ist heute aus der Berner Gay-Szene nicht mehr wegzudenken. Einige Gäste sind dem Tolderdance seit 15 Jahren treu, und natürlich kommen immer wieder neue Gäste dazu. Für viele junge Schwule und Lesben ist das Tolerdance oft der erste Schritt in die Gay-Szene und Hilfe beim Coming-out. Da das Tolerdance kein reiner Schwulen-Anlass ist und niemanden ausschliesst, fällt es unerfahrenen Gays leichter, Neuland zu betreten. Diese kommen beim ersten Mal meistens mit ihrer besten Freundin – «rein zufällig». Beim zweiten Mal wagen sie’s alleine. Beim dritten Mal gehen sie nicht mehr alleine nach Hause. Das Tolerdance wird oft mit einem Marktplatz verglichen, wo man alte Bekannte trifft und neue Freunde findet, Kontakte knüpft und Neuigkeiten austauscht. Die Atmosphäre ist familiär - cooles Grossstadtgehabe ist nicht gefragt. Es soll Ausland-Berner geben, die ihre Heimatstadt gerne an Tolerdance-Wochenenden besuchen, weil sie dann all ihre alten Freunde im ISC antreffen.

In TOLERantem Umfeld DANCEn
Im September 1992 fand im Konzert- und Disco-Club ISC (Internationaler Studentenclub) hinter der Berner Reithalle zum ersten Mal eine Party für Schwule und Lesben statt. Damals trafen sich Homosexuelle meist in diskreten Hinterzimmern unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In Bern gab es nur das Schwulen-Lokal «Ursus Club». Dieses schloss aber bald seine Türen für immer. Im Organisationskomitee für das Homofest 1991, im alternativen Kulturzentrum Reitschule, lernten sich Ludwig Zeller (Grafiker) und Matz Kündig (Radiomacher) kennen. Während der Arbeit für dieses schwul-lesbische Kulturfestival entwickelten sie die Idee einer Gay-Party in einem etablierten (Hetero-)Club. Erklärtes Ziel war, Feste gemeinsam mit heterosexuellen Freunden und Freundinnen zu feiern. Das bedeutete anfangs der 90er Jahre eine Abkehr von der Ghettoisierung, hin zum toleranten Miteinander. Ludwig Zeller als Stammgast und Matthias Kündig als DJ und Ressortleiter Disco verbrachten damals schon viel Zeit im ISC. Dort löste ihr Vorschlag für einen schwul-lesbischen Discoabend zwar anfänglich Unbehagen aus, wurde aber schliesslich akzeptiert. Einzige Bedingung des ISC-Vorstandes: Niemand (sprich: Hetero) darf ausgeschlossen werden. Dies entsprach jedoch von Anfang an dem Konzept der beiden Macher: Junge Menschen, egal welcher sexuellen Orientierung, sollten in einem toleranten Umfeld gemeinsam tanzen und feiern können.

Vom Macherduo zum Trio
In der Anfangszeit überraschten Ludwig Zeller und Matz Kündig auch musikalisch. Ihr Programm bestand einerseits aus Perlen der 70er und 80er Jahre, andererseits aus aktuellen Sounds aus den Charts und damals noch frischem Techno und House. Das musikalische Programm war genau so bunt gemischt wie das Publikum und traf den Nerv der Zeit. Nach fünf Jahren ist aus dem Macherduo ein Trio geworden: Mit Thomas Lüthi (DJ Thomy L.) haben sich Ludwig Zeller und Matz Kündig zum «House of Tolerdance - H.O.T.» zusammengeschlossen. Regelmässige Guest-DJs sorgten für weitere musikalische Abwechslung auf der Tanzfläche. Neben dem monatlichen
Tolerdance im ISC veranstaltete H.O.T. von 1997 bis 1999 unter dem Namen «Queerz» auch noch regelmässig Gay-Parties in der damaligen Tanzbar U1 (früher Ursus Club, heute Sous Soul) an der Junkerngasse in Bern. Zudem stiegen in dieser Zeit auch im Berner Technoclub Via Felsenau jeweils grosse «House of Tolerdance»-Parties.

Heute zwei verschiedene Abende
Um den unterschiedlichen musikalischen Vorlieben des Publikums besser Rechnung tragen zu können, bieten die Tolerdance-Macher seit sieben Jahren zwei verschiedene Abende an: Mit dem sogenannten Elektro Tolerdance befriedigt DJ Thomy L. das Bedürfnis nach moderner Tanzmusik und elektronischen Klängen zum Abspacen. FreundInnen glitzernder Hits aus der musikalischen Schatzkiste kommen am Golden Tolerdance auf ihre Rechnung. Diese goldenen Tanzabende werden von DJ Ludwig mit viel schwulem Augenzwinkern präsentiert. Der Höhepunkt des Jahres ist jeweils das Sommer-Tolerdance Ende August, mit der inzwischen legendären Live- und Playback-Show. In diesem Jahr findet die Sommer-Party am 25. August statt und ist gleichzeitig der 15. Geburtstag des «Toli», wie das Tolerdance im Volksmund genannt wird.

«Tolerdance Next Generation»
Das Konzept der offenen Gay-Party hat sich bewährt. Der vierte Samstag im Monat ist heute ein fixes Datum im Berner Partykalender und wird es wohl noch lange bleiben. Denn Tolerdance bleibt am Puls der Zeit. Ab kommendem Herbst finden erstmals ein Abend unter dem Motto «Tolerdance Next Generation» statt. Dabei werden junge schwule und lesbische DJs das Kommando hinter den Plattentellern übernehmen. Interessierte DJs melden sich bei ludwig@tolerdance.ch.

Der Berner Kultevent
Dass das «Toli» von Bern nicht wegzudenken ist, zeigt eine ganze Reihe von Stimmen der Gäste. So meint denn David Merck, der mit seiner Bubennacht im Vergleich zu den Tolerdance-Machern noch Jung-Veranstalter auf dem Berner Party-Parkett ist:
«Nichts ist schöner als jemand, der zuverlässig ist. Die Macher des Tolerdance haben 180 Mal die Tore geöffnet. Chapeau! Nicht wegzudenken, der Berner Kultevent!»
Oder Urs Wittwer: «Was hätte ich bloss ohne Tolerdance gemacht?! Diese Parties haben mir damals das Tor zur schwulen Welt geöffnet und gezeigt, wie toll schwules Leben sein kann. Und Tolerdance schafft dies auch 15 Jahre später immer noch problemlos. Tolerdance heisst, gute Stimmung, hübsche Männer, nette Leute. Was will Mann mehr?»

Samstag, 25. August 2007,
ISC, Neubrückstrasse 10, 3012 Bern
Sommer-Tolerdance –
15 Years – The Jubilee
DJs Ludwig, Thomy l. & Matz:
Hits aus 15 Jahren Tolerdance
Live- und Playback-Show um Mitternacht, Openair Bar

www.tolerdance.ch






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