Im Namen Dieter Bohlens
Cruiser traf den charismatischen Sänger Mark Medlock, der sich auch als grosses Vorbild für junge Schwule sieht.

Er kam, sang und siegte. Kein Superstar-Gewinner zuvor war so begeistert von seinem Sieg wie Mark Medlock. Und niemand bekennt sich so sehr zu Dieter Bohlen wie er. Nur zwei Tage konnte Mark Medlock die Schweiz geniessen. Ein Marathon voller Interviews und Promotionen. Sein Album steht seit Wochen hoch oben in den Charts und gerade lag ihm Mallorca und Thomas Gottschalk zu Füssen, als er, zusammen mit Dieter Bohlen, seine neueste Single «You can get it» im Sommer-«Wetten, dass..?» präsentierte. Stress pur für den neuen Superstar. Trotzdem erwartete uns ein blendend gelaunter Mark Medlock, aber ohne seinen Mentor Dieter Bohlen.

Eines der Geheimnisse von Mark Medlock darf an dieser Stelle gelüftet werden. Der junge Sänger ist in Realität tatsächlich so, wie es das Publikum im Fernsehen verfolgen konnte: sympathisch, zielorientiert und alles andere als auf den Mund gefallen. Er liebt sein neues Leben als Superstar, wer kann ihm das verdenken? Medlock fühlt sich wie in einer Zeitmaschine und «Superstar zu sein, ist ein harter Job, aber schliesslich kommen nur die Harten in den Garten», meint er glaubhaft.

Die Medlock-Legende
Zu einem Superstar, der sich an der Spitze halten will, gehört eine dramatische Legende. Mittlerweile dürfte jeder wissen, dass Mark Medlocks Leben vor dem Sieg alles andere als leicht war. Er war Hartz IV-Empfänger und seine Eltern starben ihm nacheinander vor den Augen weg. «Ich habe Tiefpunkte in meinem Leben gehabt, die ich nie mehr erleben möchte», erzählt Medlock. Mit seinem letzten Geld reiste er an das Casting von DSDS, mit dabei eine Packung Zigaretten und Kaugummi. Es war Medlocks letzte Chance und er erkämpfte sich seinen Platz. Die Zeit in der Show war «hart wie bei der Bundeswehr». Doch seine Traurigkeit in der Stimme rührte Millionen. Auch die Jury, darunter Dieter Bohlen. Der Rest ist Fernsehgeschichte. Da war von Beginn an ein Band zwischen Medlock und Bohlen. Und Medlock bekannte sich früh zum deutschen Pop-Titan. Sollte er die Sendung als Gewinner verlassen, dann wäre es nur Bohlen, der ihm als Komponist und Produzent zur Seite stehen sollte. Dieser nahm dankend an. «Dieter Bohlen hat echt Ahnung vom Musikgeschäft. Wenn man neu ist in diesem Business, ist es wichtig, jemanden an seiner Seite zu haben, dem man vertrauen kann», sagt der Sänger bestimmt. Es scheint, als wäre Medlock in einer Art Kreuzzug im Namen Dieter Bohlens unterwegs, der in der Musikbranche trotz 160 Millionen verkaufter Tonträger noch nie beliebt war. Er habe in ihm «einen Engel und guten Freund gewonnen». Medlock nennt ihn sogar zärtlich Baby-Boy.

Mr. Lonely
Obwohl Medlock die Person Dieter Bohlen für «affengeil» hält, so erstaunt es, dass er dessen Musik nie mochte. «Sie war nie mein Stil», gesteht er. Trotzdem komponierte Bohlen 14 Songs für Medlock. Songs, von denen ein Musikkritiker schrieb, die Melodien wären so eingängig, dass man sie am liebsten wieder zum Notausgang hinausschicken würde. Das Debut Mr. Lonely war geboren. Bohlen beweist in der Tat ein goldenes Händchen, wenn es darum geht, die angesagteste Musik zu kopieren. Fliessbandproduktionen liegen beiden Herren. So sang Medlock seine Songs in nur vier Tagen ein. Ernsthafte Musiker rümpfen ab solcher Dreistigkeit die Nase, nicht Medlock, er ist stolz darauf: «Sag mir, wer das sonst schon kann?». Am Ende haben beide ein harmloses Pop-Album geliefert, das nur durch die Stimme Medlocks zu leben vermag. Tiefgründige Songs sucht man auf Mr. Lonely vergebens. Doch Mark erwidert, «dass es genug Dramen hier auf der Erde gibt». Das Publikum gibt ihm Recht. Bereits die zweite Single «You can get it» erklomm Spitzenpositionen in den Charts.
Bohlen selbst, so Medlock, kann sein neu gewonnenes Glück kaum fassen. Bereits jetzt kamen Gerüchte auf, dass Bohlen ein Comeback von Modern Talking plant – mit Mark Medlock als Sänger. «Da ist was in Planung», verrät Medlock, «ich arbeite aber weiterhin an meiner Solokarriere, aber ich sage ganz ehrlich, ich will musikalisch auch mit Dieter Bohlen auf der Bühne stehen». Bleibt zu hoffen, dass Bohlen diese Bewunderung zu schätzen vermag, auch wenn sein Schützling einmal eigene Ideen mit einbringen sollte. Ein Blick zurück beweist, dass erfolgreiche Künstler aus dem Stall Bohlens, die einst aus seinem Schatten treten wollten, von ihm zur Schnecke gemacht wurden, vorzugsweise in Buchform. Man denke dabei nur an Thomas Anders oder C.C.Catch. Aber auch der erste Gewinner von DSDS, Alexander Klaws, fiel in Ungnade beim erfolgreichsten Produzenten der deutschen Popgeschichte.

Ein schwuler Superstar?
Auf sein Privatleben angesprochen, meint Medlock ungeniert, er sehe sich als grosses Vorbild für junge Schwule. Seine Botschaft ist klar: «Junge Homosexuelle, die Probleme mit dem Coming-out haben, müssen krass an ihren eigenen Arsch denken und sich durchsetzen.» Er selbst machte nie einen Hehl daraus, dass er schwul ist und bereits einmal «verpartnert» war. Niemand nahm daran Anstoss, im Gegenteil, es machte ihn sympathisch. Mit seinem Album geht Mark aber erstaunlicherweise auf Distanz zu seinem Privatleben. Natürlich wurde hier zu Gunsten des Kommerzes auf Pikantes verzichtet. Aber Mr. Lonely ist durch und durch heterosexuell. Einer der Songs heisst sogar «Oh Sarah». Ansonsten singt Mark von Baby und Darling, so, als hätte er die Namen seiner Lover vergessen. «Er sei halt ein verträumter Mensch», meint Medlock. Leise fügt er aber hinzu, dass er bald auch eigene Texte schreiben wolle. Vielleicht bekennt er sich dann auch musikalisch zu seiner Homosexualität. Und Dieter Bohlen wird ihn hoffentlich dabei unterstützen.

     Von Daniel Diriwächter     




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