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Mutter aller Fetisch-Clubs: Loge 70 Die Loge 70 ist der älteste Leder-Club der Schweiz. Seine Blütezeit – mitgliedermässig – erlebte er wohl in den 80er Jahren. Im Zürcher Barfüsser hatten die kernigen Männer in schwarzer Lederkluft die absolute Mehrheit. Wo steht die Loge 70 heute? Aufsehen erregte der Leder-Club unter anderem in den 90er Jahren mit der Broschüre «Safer Sex für Ledermänner». Der Vorstand und die Mitglieder der Loge 70 wollten angesichts der grossen HIV-Betroffenheit in den eigenen Reihen nicht tatenlos zusehen: Die erste auf die Lederszene massgeschneiderte und damals umfassendste Präventionsschrift wurde erarbeitet. Sie erschien im März 1990, finanziert aus dem Aids-Fonds der Loge 70 (Schweiz). Schon wenige Monate nach Erscheinen war die Erstauflage vergriffen. Ein Beweis, dass das Interesse an dieser Schrift weit über den Kreis der Ledermänner hinausging. Und natürlich erregte sie in konservativen politischen Kreisen Unmut. Der St. Galler Nationalrat Hans Ruckstuhl (CVP) etwa meinte: «Unter dem Vorwand der Aids-Prävention wird in dieser Broschüre in anheizendem Ton zu Perversionen aufgefordert.» Trotz solcher Stimmen wurde die Präventionsschrift weiterhin abgegeben. Von verschiedenen Ländern wurde sie übernommen und dort sogar von staatlichen Stellen, z. B. in Holland, finanziert. Andreas, wie bist du an diesen Posten gekommen: Präsident der Loge 70? Eigentlich ging es darum, den Webmaster zu ersetzen. Damit die Nähe zu den Informationen gewährleistet ist, kurzerhand wurde ich dann in den Vorstand gewählt. Bei der ersten Vorstandssitzung wurde ich dann zum Präsidenten gewählt. Erzähl doch was über dich, wer bist du? Ich würde ja lieber über die Loge 70 erzählen. Viele kennen mich ja schon. Als Künstler, Fotograf, Filmer und Romantiker. Als Andi oder als Mouton. Die Loge 70 ist ja der grösste und ältes-e Leder-Club der Schweiz, vor ein paar Jahren verschwand er sang- und klanglos in der Versenkung, was war geschehen... Die Loge 70 ist ja die Mutter aller Fetisch-Clubs der Schweiz. Und als das sehen wir uns immer noch. Und mit frischem Elan machen wir auch weiter. Sie verschwand wahrscheinlich weniger in der Versenkung sondern zog sich einfach aus dem ganzen Kommerz ein bisschen zurück und tat das, wofür die Loge 70 gegründet wurde: ein starkes Netzwerk für schwule Männer. Und das lief nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ab. Wer aber unser Logo an einer Lederjacke sieht, kann davon ausgehen, dass der Träger auch Mitglied bei uns ist. Verschwand die Loge 70 auch wegen den neuen Medien, wie zum Beispiel dem Internet? Internet ist ein grundsätzliches Problem für Vereine und Clubs. Wer geht heute noch in einen Club um neue Freunde zu gewinnen? Gayromeo oder was auch immer bringt uns doch das Passende ins Leben. Und erst noch frei Haus geliefert. Und trotzdem finden wir es heute noch wichtig, weiter zu existieren. Es braucht potente Clubs, die sich für die Belange der Schwulen einsetzen. Die neuesten Ereignisse in Zürich zeigen das ja ziemlich gut. Entstanden ist die Loge 70 natürlich in einer Zeit, wo Schwulsein verboten war und alles im Geheimen stattfinden musste. Wie unterscheidet sich denn nun die neue Loge 70 von der alten? Der Vorstand in der neuen Zusammensetzung versucht, neue Wege zu gehen und strebt eine Öffnung an. Dabei spielt auch das grosse Netzwerk ausserhalb der Fetisch-Szene eine wichtige Rolle. Man hört ja allerhand, über Bareback-Parties bis hin zu Pissorgien. Ist es ein Lederzirkel für die wirklich hart gesottenen Lederkerle? Natürlich sind wir die geilsten Fetischkerle, die es gibt. Wer jemals einen von uns hatte, weiss wovon ich rede! Nein. Im Ernst. Wir haben wahrscheinlich gleich viel oder gleich wenig Sex wie andere. Die Loge 70 hat selber HIV-positive Mitglieder und setzt sich gerade auch deshalb für eine sachliche und nüchterne Diskussion um Bareback und Safer Sex ein. Sie zeichnet zusammen mit der Aids-Hilfe verantwortlich für Prävention im Fetischbereich. Die Loge 70 war auch der erste Club, der für seine Mitglieder einen Aids-Fonds eröffnete. Die sexuelle Gangart ist naturgemäss schon etwas härter als bei einer Botanikervereinigung. Nur für Ledermänner oder einfach nur für kernige Kerle? Also auch was Tolles für mich? Die Loge 70 war früher ein reiner Leder-Club. Der gesellschaftliche Wandel führte zu einer Öffnung in Richtung Fetisch. Natürlich könntest du Mitglied werden. O.k., an deinem Gang und deiner Gestik müssten wir vielleicht noch ein bisschen schrauben. (grins) Also so was, wie wäre dann eine korrekte «Loge 70-Gangart»?! Vielleicht schon eher das männlich Herbe, Bauarbeiterhafte… Was steht denn so auf der Tagesordnung: Bikertouren, Kaffee und Kuchen oder doch wilde Sexorgien? Auf der Tagesordnung stehen vor allem Kontakte zum ECMC-Netzwerk. Das ist die Vereinigung der europäischen Fetisch-Clubs. Daneben haben wir immer am letzten Freitag im Monat unseren Stamm in der Magnusbar. Natürlich ist jeder auch zum Schnuppern eingeladen. Ansonsten ist die Freundschaft unter Männern einfach sehr wichtig. Egal, ob Business oder wilde Sexorgien. Das ist letzten Endes jedem selber überlassen. Wie sieht heute die Gemeinschaft aus, wie viele Mitglieder habt ihr heute? Mit unseren knapp 50 Mitgliedern sind wir ein kleiner Club. Dafür sind wir aber stark miteinander verbunden. Es geht uns vor allem um qualitatives Wachstum. Ein Neumitglied muss von mindestens zwei Mitgliedern empfohlen werden. Danach folgt eine ca. einjährige Probemitgliedschaft. Die Generalversammlung entscheidet dann über die definitive Aufnahme. Das soll nicht abschrecken, sondern eher den sportlichen Kampfgeist anregen. Kommt etwas spiessig und sehr «korrekt» rüber... Aufgrund der Geschichte der Homosexuellen in der Schweiz und der damaligen gesellschaftlichen Umstände war so ein Schema von überlebenswichtiger Bedeutung. Man hätte jederzeit enttarnt werden können. Es gibt aus der Anfangszeit der Loge70 kaum schriftlichen Aufzeichnungen. Und wir möchten dieses Ritual weiterhin aufrechterhalten. Es macht unseren Verein auch stark. Spiessig und korrekt? Ich weiss nicht recht. Die nächsten Veranstaltungen... Die nächsten offenen Veranstaltungen sind ein Fetisch-Dinner und natürlich unser monatlicher Stamm. Das nächste grosse Ereignis ist das Pfingsttreffen im nächsten Jahr. Da kommen Kerle aus ganz Europa zum 35-Jahr-Jubiläum der Loge70. Mit Bike-Rundfahrt, Party und vielem mehr. Natürlich wollen wir auch alle interessierten Zürcher und Schweizer mit dabei haben. Wie kann man euch kontaktieren, wo gibt es mehr Infos? Über die Adresse info@loge70.ch erreicht ihr den Mitgliederdienst. Wer mit mir persönlich quatschen will, kann das gerne über president@loge70.ch tun. Herzlichen dank für das Interview und bis zum nächsten Treffen (grins)! Gerne. Und Prost. Das Interview führte Branko B. Gabriel
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