10 Jahre Cranberry
Ivan, Chris und die Crew in grosszügig-gastgeberischer Laune

Am Freitagabend, 21. September, feierte das Cranberry seinen zehnten Geburtstag. Für ein entsprechend rauschendes Fest war die eigene Bar natürlich zu klein. Also zog man in den Festsaal ins Zürcher Kaufleuten. Die Gäste kamen in Scharen.

Von neun bis elf Uhr abends ging die Geburtstagsparty über die Bühne. Und auf der Bühne führte der Star France Delon in kurzen Auftritten gekonnt wie immer durch den Abend. Sie heizte dem Publikum mächtig ein und setzte sich stimmlich auch durch, wenn das Publikum in seiner Feststimmung nicht mehr ganz ruhig war. Unter der Regie von Ivan Paszti klappte die Versorgung der Gäste aufs Beste. So konnte denn France zwischendurch organisiert animieren, den nächsten «Shot» gemeinsam zu kippen. An Häppchen und Getränken hat’s jedenfalls nicht gemangelt.
Wer Ivan kennt, hat ja auch nichts anderes erwartet. Ist der Gastgeber doch mehrfacher Schweizermeister und Vize-Weltmeister im Bar Tending, der «Kür» im Mixen, und sein Cranberry, «The Juice & Booze Bar», bietet über 60 Drink-Varianten an. Und es war auch schon zu lesen, dass Ivan in seiner Bar rund 110 Rum-Sorten führt. Der Züritipp urteilte: «Die wohl besten Cocktails in Zürich. Stilvolle Bar, friendly staff!»
Stichwort Staff! Ja, da ist natürlich noch die Staff-Show zu erwähnen. Wie es sich gehört, gewollt unperfekt improvisiert. France Delon leitete ein: «Jetzt kommen die völlig Durchgeknallten». Zu ihnen gehörte auch Ivan als «Montserrat Caballé, Königin des Belcanto» und Chris als «Queen-Sänger Freddie Mercury». Ihr «Barcelona» erntete frenetischen Applaus. Es war ein langanhhaltgendes Dankeschön an die Gastbeger.
Schon um Mitternacht zeigte sich Ivan zufrieden mit der Partystimmung, hatte er doch zuvor Bedenken, ob die Geburtstagsparty zum 5jährigen Bestehen, damals im Mascotte, noch zu toppen sei. Sie wurde getoppt, und die Party ging noch weiter bis morgens um vier Uhr.

Am Vortag sprach Cruiser mit Ivan, der «Seele des Cranberry». Jahrelang betreute er persönlich seine Gäste und gab jedem das Gefühl, gerade ausschliesslich für ihn da zu sein.

Ivan, wie war das vor 10 Jahren?
Wie das anfing? ...Das Cranberry war eigentlich nicht als Bar für Schwule konzipiert.

Nein? Als was denn?
Nein, überhaupt nicht. Klar wussten wir, dass wir auch schwules Publikum anziehen werden, aber nicht gerade so, dass es eine Bar vorwiegend für Schwule würde. Es war nicht so geplant. Wir wollten eine Genuss-Bar machen: Wo man gute, exklusive Drinks bekommt und eine Zigarre rauchen kann. Wir hatten ja die erste Smoker-Lounge in Zürich. Aber je mehr Schwule kamen, umso weniger hat das mit der Smoker-Lounge funktioniert.

Das Cranberry hat ja auch eine gute Lage im Zürcher Niederdorf.
Das stimmt, und es hat alles gepasst, es war damals eine sehr moderne Bar, sehr offen, sehr hell, was andere Bars damals nicht waren. Es war für die Zeit speziell und wir haben den Nerv der Zeit getroffen. Es kam noch dazu, dass etliche Leute des Odeons überdrüssig waren.

Welche Jahre waren die besten?
2000 und 2001. Dann kam das Swissair-Debakel und mit ihm eine Krise im Grossraum Zürich. Das haben wir einschneidend zu spüren bekommen.
Wir hatten sehr viele Leute als Gäste, die bei der Swissair arbeiteten. Sie kamen immer weniger, weil sie verunsichert waren. Sie hatten Angst, den Job zu verlieren oder hatten den Job bereits verloren.

Wie ist es mit der eigenen Motivation nach zehn Jahren? Ist man da nicht etwas ausgebrannt?
(Zögert etwas...) Nein. Seit ich nicht mehr selber durchgehend im Cranberry stehe, geht’s sehr gut. Ich bin nur noch donnerstags da. Ich kann mich auf Alex Rössner (Chef de Bar) und Miha Smrekar (Geschäftsführer) voll verlassen. Der Laden läuft sehr gut.

Wie lange hast du selber im Cranberry gestanden?
Lange Zeit. Sieben, acht Jahre und das zu 100 Prozent. Danach etwas weniger und heute, wie gesagt, bin ich noch einen Tag in der Woche an der Front.

Du engagierst dich ja auch stark für die Szene. Man erinnert sich an die leidige Auseinandersetzung mit der Zürcher Polizei, da tratst du als Sprecher im Volkshaus auf.
Das ergab sich damals so, weil ich schon viel mit der Polizei zu tun hatte. Als Barbetreiber, zum Beispiel in der Diskussion um die Lounge-Möbel im Freien. Und ich war auch bei Vegas dabei als Kontrolleur. So habe ich die Auseinandersetzung um die Darkrooms eins zu eins mitbekommen. Ursprünglich hat mich auch der Tages-Anzeiger für ein Streitgespräch angefragt. Das ging terminlich nicht. Dafür habe ich mich dann für die Diskussion mit Esther Maurer im Volkshaus zur Verfügung gestellt.

Gewalt, Druck gegen Schwule, das Cranberry musste auch dies erleben. War das ein Einzelfall.
(Sofort) Ja, das war ein Einzelfall... absolut. Allerdings höre ich im Gespräch mit Gästen schon raus, dass da eine gewisse Beunruhigung herrscht, zwar selten über aktive Gewalt. Aber die verbale Gewalt hat anscheinend stark zugenommen.

Pläne für die Zukunft?
Das Cranberry läuft weiter wie bis anhin. Wir wollten erst gross umbauen auf den zehnten Geburtstag, das haben wir vorerst zurückgesteckt. Es ist ja auch noch nicht dringend nötig, da wir erst vor drei Jahren Renovationen vorgenommen haben und wir haben eben alles neu gestrichen. Es geht weiter, wenn uns die Polizei bezüglich Terrasse nicht einen Strich durch die Rechnung macht. Was Neues? Pläne haben wir schon, wir hätten diesen Oktober fast etwas realisiert. Aber das war einfach zu kurzfristig... wenn ich etwas mache, will ich es gut planen können.

Ivan, alles Gute für die Zukunft

     Martin Ender