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Die frühen Herbstzeitlosen
Nach langem Warten erscheint die vierte Staffel der Golden Girls auf DVD. Ein Blick zurück ins goldene Zeitalter.
Als die ARD zu Beginn der 90er Jahre freitags um 23 Uhr die erste Episode der Golden Girls sendete, wusste man im deutschsprachigen Raum noch nicht, dass die Serie zu einer der beliebtesten ihrer Art avancieren würde, besonders beim schwulen Publikum.
Der Freitagabend war damals heilig, und dies alles nur wegen den vier Damen jenseits der Wechseljahre. Endlich erscheint die vierte Staffel des Dauerbrenners auf DVD. Denn sie sollte, zusammen mit den restlichen Staffeln, erst gar nicht auf Deutsch veröffentlicht werden. Ob eine einberufene Online-Petition von Fans in Deutschland mit 1245 Signaturen die Verantwortlichen von «Buena Vista Home Entertainment» zum Umdenken bewegen konnte, ist ungeklärt. Sicher, die Golden Girls sind im Vergleich zu heutigen Serienstars nicht gerade sexy, aber schliesslich existierte im Zürcher T&M ein eigens eingerichteter Raum, in dem die Golden Girls in der Endlosschlaufe flimmerten. So was gab’s nie für Carry und Co.
Kohletabletten und Östrogen?
Die Golden Girls waren ein absoluter Prime-Time-Hit und vermochten Millionen Zuschauer an den Bildschirm zu fesseln. Ausgezeichnet mit den wichtigsten Preisen, darunter der Emmy wie auch der deutsche Bambi, vermochten es die Damen, wahre Lachsalven zu entfachen. Das Konzept erfolgreicher Sitcoms der 80er Jahre erforderte eine Familie im klassischen Sinne. Die Golden Girls aber waren eine Wohngemeinschaft alter Frauen, dich sich eigentlich mit Kohletabletten und Östrogen auseinandersetzen müssten, stattdessen waren Männer und Sex das Thema. Sie waren die Vorreiter von kommenden Hits wie «Friends», die auch auf das alte Modell verzichteten.
Stereotyp die Charaktere der Show: Die spröde geschiedene Aushilfslehrerin Dorothy (Beatrice Arthur), die männermordende und ewig junge Blanche (Rue McClanahan), die naive nordische Schönheit Rose (Betty White) sowie Dorothy’s sizilianische Übermutter Sophia Petrillo (Estelle Getty), die wohl besonders für das heterosexuelle Publikum engagiert war, denn die übrigen Golden Girls waren in ihrer Art beinahe «schwul». Es ist den ausgezeichneten Darstellerinnen zu verdanken, dass sie die vorhersehbaren Geschichten in komödiantische Highlights verwandelten.
Kontroverse Themen
In 180 Folgen wurde kein brisantes Thema ausgelassen. Das verwundert, wirkt doch die Produktion rein optisch sehr harmlos. In der Tat fanden aber für amerikanische Verhältnisse oft tabuisierte Themen wie gerade die Homosexualität ihren Platz. Insofern kann man den Golden Girls durchaus eine Pionierrolle zuschreiben. Man darf sogar behaupten, dass der erfolgreichste Schweizer Film der letzten Jahre, die Herbstzeitlosen, von den Charakteren der Show inspiriert wurde.
Die nun veröffentlichte Staffel beinhaltet einige Höhepunkte. Wie die legendäre Doppelfolge, in der die Girls einem Elvis-Fan-Club beitreten und Dorothy Gefallen an Zigaretten findet. Der Wortwitz dieser Episode ist derart scharf, dass Vergleichbares schwer zu finden ist. Auch in deutscher Sprache. Die Synchronsprecherinnen erlangten im Übrigen selber Kultstatus.
Nach sieben Jahren war Schluss. Bea Arthur verliess die Show auf eigenen Wunsch. Danach versuchten es die übriggebliebenen Charaktere mit dem Ableger «Golden Palace», in dem die drei ein Hotel in Miami Beach übernahmen, doch die Luft war draussen. Jede Wohngemeinschaft nimmt einmal ein Ende. Mit der vorliegenden DVD-Box geht’s aber zurück ins goldene Zeitalter. Die Golden Girls, so scheint es, wurden für die Ewigkeit gemacht.
Die Golden Girls heute
Bea Arthur konnte als Komödiantin in diversen TV-Produktionen auffallen und begeisterte mit ihrer One-Woman-Show, die sie bis an den Broadway brachte, Publikum wie Kritiker. Rue McClanahan gewann Ende der 90er Jahre ihren Kampf gegen Brustkrebs und setzt sich mittlerweile für die Organisation PETA ein. Daneben ergatterte sie diverse Rollen im Theater sowie einen kultverdächtigen Auftritt im Kinofilm Starship Troopers. Auch Betty White blieb dem Publikum treu, sowohl als Aktivistin für die Rechte der Tiere als auch in diversen Nebenrollen im TV und Kino, etwa im ironischen Horrorfilm Lake Placid. Nur Estelle Getty zog sich aus dem Rampenlicht zurück. Aufsehen erregte sie noch in einer Komödie an der Seite von Sylvester Stallone. Später wurden bei ihr die Krankheiten Parkinson und Alzheimer diagnostiziert. Seither ist es ruhig um Estelle Getty.
Von Dani Diriwächter
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