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Welcome back!
Das Labyrinth öffnet seine Tore wieder an der guten alten Pfingstweidstrasse
Gut ein Jahr ist es her, dass das Labyrinth an der Hohlstrasse – für die einen mehr, für die anderen weniger überraschend – geschlossen wurde. Knapp ein Jahr danach wagen vier Macher den Schritt, die während 14 Jahren erfolgreiche «Institution» Labyrinth an der Pfingstweidstrasse wieder aufleben zu lassen.
Der Aufstieg
Zu Beginn der 90er Jahre öffnete das Labyrinth an der Gasometerstrasse im Zürcher Kreis 5 erstmals als schummriger, stickiger Tanzbunker seine Tore. Peter Breitenmoser und Luca Bernardi, beide längst gut verankert in der Zürcher-Partyszene, hatten eine Vision: Sie wollten einen Ort der Begegnung und Toleranz schaffen, an dem sich Schwule und Heteros treffen, um gemeinsame Parties zu feiern, ihrer Vorliebe für progressive Musik zu frönen und um sich gemeinsam die Nächte um die Ohren zu schlagen. Ihre Idee hatte unbestritten gesellschaftspolitischen Charakter. Die beiden wollten aber nicht palavern, sondern Party. Während knapp 14 Jahren waren sie massgeblich daran mitbeteiligt, der Gay-Community und ihren Freunden eine solide Plattform für Austausch, Tanz und Feier zu geben. Für sie war es offenbar bereits zu einer Zeit selbstverständlich ein noch so unterschiedliches Publikum zu vereinen, als der Begriff «Gay&Friends» noch gar nicht geboren war.
Der Fall
Im Februar 07 titelte der Cruiser: «Geläuterte Gastgeber». In einem Exklusiv-Interview gestanden Peter und Luca freimütig Fehler ein, zeigten Einsicht, aber auch Zuversicht, dass es von nun an wieder aufwärts gehe. Doch der Locationwechsel 2006 von der Pfingstweid- an die Hohlstrasse entpuppte sich als finanzielles Desaster, und der Club musste bereits im April 07 Konkurs anmelden. Zusätzliche Umbauarbeiten, fehlendes Publikum sowie verschärfte Vorschriften seitens städtischer Behörden überwarfen hochfliegende Träume eines grösseren, neuen Clubs. Skandalträchtige Drogengeschichten, fehlende Transparenz bezüglich Kommunikation zu Partnern, Behörden und dem Publikum, liessen den Glauben an eine Rettung einer legendären Institution nicht mehr zu. Seilschaften schienen gerissen, persönliche Probleme der Führungscrew überschatteten die Tatsache, dass mit der Schliessung des Clubs ein Stück Zürcher Kultur abhanden kam.
Peter und Luca durchlebten ein Jahr der Ungewissheit. Sollte in nur so kurzer Zeit verloren gehen, was über ein Jahrzehnt mit viel Liebe und Hartnäckigkeit aufgebaut wurde? – Die Location an der Pfingstweidstrasse war längst der neuen Trägerschaft übergeben, das Geld war weg. Es gab kein zurück. Es klaffte eine Lücke – bis heute.
Phönix aus der Asche
Als im November 07 Niel, der neue Besitzer der «Pfingstweidstrasse», Reto Frey überraschend anfragte, ob er die alten Räumlichkeiten übernehmen wolle, war die Idee, das Labyrinth in den bewährten Gemäuern im Kreis 5 wieder auferstehen zu lassen, schnell geboren. Nach einem harten, aber fairen Handel war der Deal trotz sehr beschränkten finanziellen Mitteln zwischen Niel, Peter und Reto gelungen: Der Grossteil der Location gehört nun wieder der Trägerschaft vom Club Labyrinth, auch wenn die Räumlichkeit weiterhin unter dem Namen Lotus betrieben wird. Beide Seiten sind zufrieden. Dank diesem Handel wird der Club sicherlich bis Ende 2010 bestehen bleiben.
Das Interview
Rolf Burkhardt hat Fakten der Laby-Geschichte zusammengetragen und führte ein Gespräch mit dem alt-neuen Laby-Team, mit Peter und Luca, sowie mit den zwei neuen Laby-Gastgebern Reto und Kris. Die vier waren auf jede Art von Fragen gut vorbereitet. Die Aussagen zur Laby-Zukunft kommen etwas einstudiert in einer Marketingsprache daher. Doch abgesehen von diesen Passagen steckt insgesamt sehr viel Offenheit im Gespräch. Auch den heiklen Fragen ist man nicht ausgewichen. Der Cruiser möchte diese Antworten seinen Lesern nicht vorenthalten und bringt deshalb hier das praktisch ungekürzte, grosse Interview:
Peter, Luca, Kris und Reto, wie geht es euch? – Eine spannende Zeit steht bevor.
Kris: Ich bin hoch motiviert und bis jetzt doch recht ruhig.
Peter & Luca: Vor gut 10 Jahren haben Luca und ich die Location an der Pfingstweidstrasse entdeckt, den Club gebaut und dann die längste Laby-Ära in diesen Räumlichkeiten durchlebt. Für uns ist es eine Rückkehr in unsere Heimat.
Reto: Ich gebe zu: Ich stehe derzeit etwas unter Druck. Meinen strengen Alltagsjob zu bewältigen und gleichzeitig das Projekt Labyrinth voranzutreiben, fordert viel Energie, Zeit und Disziplin. Aber es macht enorm viel Spass.
Frage an Peter und Luca: Die Gerüchteküche war sich einig, dass ihr nach der
Schliessung des Labyrinths in Feindschaft auseinander gegangen seid. Nun sitzt ihr
wieder im gleichen Boot. Was stimmt denn nun?
Peter: Luca und ich hatten es während der ganzen Zeit an der Hohlstrasse sehr schwierig – bereits beim Auszug aus der Pfingstweidstrasse war unsere Trennung als langjähriges Paar im Gang. Dadurch gab es auch oft Reibereien, welche unsere Zusammenarbeit zeitweise erschwert haben. Feindschaft hat es jedoch in den ganzen 14 Jahren unter uns nie gegeben – wir hielten zusammen, haben den ganzen Auflösungsprozess des Clubs miteinander durchlebt und arbeiten nun weiterhin gemeinsam in der Lobby-Bar.
Luca: Nach wie vor ist es so, dass wir privat unsere eigenen Wege gehen, wir erleben uns aber in der Arbeit als eingespieltes Team.
Gibt es Dinge, die ihr nach der Schliessung des Labys an der Hohlstrasse anders machen würdet? Habt ihr dazu gelernt?
Peter: Ja, zwei Dinge ganz bestimmt: Durch einen verheerenden Fauxpas meinerseits wurde das Labyrinth zum ersten Mal im November 06 geschlossen. Aufgrund dieses massiven Einschnitts machte ich Anfang 07 einen erfolgreichen Drogen-Entzug durch, der bis heute hinhält. Ich habe die feste Absicht, dies auch weiterhin so zu halten. Der Alltag lässt sich mit einem klaren Kopf sehr viel leichter bewältigen.
Zum Zweiten möchte ich mich wieder um meine Gäste kümmern; ich werde künftig voll und ganz für sie da sein. Meine privaten Angelegenheiten haben mich während der Zeit an der Hohlstrasse zu sehr in Beschlag genommen, so dass ich meine Rolle als Gastgeber und Clubbetreiber gar nicht mehr entsprechend wahrnehmen konnte.
Gibt es Dinge, die ihr während dieser Zeit als «ehemalige Clubbetreiber» vermisst habt? Oder war es einfach eine geruhsame Zeit, ganz nach dem Motto: «Endlich weg von diesem Wochenendtrubel»?
Peter: Ich habe vor allem mein Publikum, aber auch gute Parties vermisst. Doch eine gewisse Distanz zur Szene hat sicher gut getan.
Luca: Anfänglich habe ich die Partynächte, sowie das Publikum vermisst – aber ich konnte diese Zeit auch geniessen. Zum ersten Mal nach 14 Jahren hatte ich keine Verpflichtungen, die ich Wochenende für Wochenende wahrnehmen musste. Diese Phase gab mir Zeit zu reflektieren. Vielleicht mit ein Grund, weshalb ich jetzt bereit bin, wieder ins Nachtleben einzusteigen.
Was für Vorteile und/oder Nachteile seht Ihr darin, neu als Viererteam aufzutreten? Bei wem liegen welche Qualitäten und Verantwortlichkeiten?
Kris: Als DJ und Koch kenne ich die Bedürfnisse der Gäste. Persönlich bin ich stark belastbar und kann mit hitzigen und stressigen Situationen gut umgehen.
Peter: Labyrinth ist vor 15 Jahren in den Köpfen und Herzen von Luca und mir geboren. Zusammen konnten wir Visionen entwickeln und realisieren. Mit der jahrelangen Erfahrung als Clubbetreiber und Partymacher, mit vielen «Ups and Downs» und dem, was ich heute dazu gelernt habe, werde ich weiterhin die Rolle des Partymachers in unserem Team übernehmen.
Luca: Da ich nach wie vor zu 100% in der Lobby-Bar arbeite, werde ich die Dekors, Mottos und Themen im Club umsetzen. Gelegentlich werde ich am Wochenende auch als Gastgeber vor Ort sein.
Peter: Mit Kris und Reto kommt frischer Wind und zusätzliche Professionalität in die Organisation. Wir ergänzen uns sehr gut. Vier Gastgeber, welche für unsere Gäste da sind, sind besser als zwei. Wir alle haben dasselbe Ziel: Wir wollen Zürich wieder die Qualität an Parties bieten, die es als Metropole der Schweiz verdient hat. Wir freuen uns auf hochkarätige Events, die den Ansprüchen der Gay- und Partyszene gerecht werden.
Reto: Ich bin stolz darauf, mit den zwei erfolgreichen «alten Hasen» das Labyrinth zurückzubringen. Zum anderen freue ich mich, zusammen mit Kris viele neue Ideen einbringen zu können sowie qualitative Ansprüche hoch zu halten, die in früheren Zeiten etwas ins Abseits geraten sind.
Was bewegt ausgerechnet euch dazu, diesen mutigen Schritt zu gehen? Glaubt Ihr an die Treue des alten Laby-Publikums?
Kris: Natürlich glauben wir nicht nur ans Laby-Publikum. Ich wünsche mir, dass viele neue Leute in den Club kommen, ihn für sich entdecken. Es ist uns ein Anliegen, neue, junge Künstler zu fördern, die sowohl uns begeistern, als auch neues, junges Publikum anziehen werden.
Peter: Wir glauben vor allem an die Location und an unser Team sowie an unseren Power und unsere Motivation. Ein Teil der Labyraner wird sich bestimmt wieder vereinen und so wie wir in die alte Heimat zurückkehren.
Luca: Wir bauen auf ein starkes Fundament aus Erfahrung, Know-how
und Altbewährtem. Genauso setzen wir aber auf Innovation. Wir haben das ehrgeizige Ziel, wieder die Position eines Trendsetters innerhalb der Club-Szene einzunehmen. Dazu braucht es Neuerungen. Nicht nur, was die Musik anbelangt, sondern auch in dem, was wir als Gastgeber bieten.
Reto: Ein grosser Teil des eingefleischten Laby-Publikums wartet bestimmt darauf, wieder an den Ort zurückzukehren, den sie geliebt und vor gut einem Jahr verloren haben. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die gegenüber dem alten Labyrinth kritisch, oder gar negativ eingestellt sind. Wir hoffen aber, dass die neue Teamzusammensetzung mit grossem persönlichen Engagement jedes Einzelnen nach aussen trägt, dass es sich hier um einen Neuanfang handelt; sowohl für uns, als auch für unsere
Gäste.
Für wen ist denn das Laby bestimmt? Wer soll sich in eurem Club wohlfühlen?
Kris: Für alle, die sich mit Lesbisch-gay-and-hetero-friendly identifizieren können, Lust auf gute Tanzmusik haben und über 21 Jahre alt sind.
Peter: Wir möchten das Labyrinth wieder ganz klar als Gay Club definieren. Les-Bi-Schwules Publikum, welches aber auch hetero-friendly ist, findet bei uns seinen Platz. Ganz nach den beiden Mottos: «Wir sind schwul und das ist auch gut so» und «Ein wenig bi schadet nie».
Was wird neu, was wird anders? Was bleibt gleich?
Kris: Neu bin ich mit dabei. Im operativen wie auch im administrativen Geschäft. Mal als Gastgeber, dann an der Kasse oder auch als DJ.
Peter: Neu ist: Es gibt wieder ein Labyrinth in Zürich! Neu ist auch die Musikausrichtung. Etwas weg vom Trance und Goa, hin zum Progilect-ro, Minimal und Tech House.
Neu wird auch unsere Handhabe bzgl. Kommunikation: Reto, welcher ebenfalls über einen Gastrobackground verfügt, arbeitet heute seit Jahren erfolgreich im Marketingbereich. Er hat die Aufgabe, eine offene und transparente Kommunikation zu allen Partnern und Parteien in unserem Umfeld zu pflegen.
Gleich bleiben die Location, bewährte Motto-Parties und Special Dekors. Es wird wieder rauschende Events à la Laby geben sowie ein Wiedersehen mit unserem beliebten Personal und DJs.
Wie steht ihr zur Drogenproblematik bzw. zur Safer-Clubbing-Thematik? Wie weit fühlt ihr euch verantwortlich?
Peter: Der heutige Zeitgeist verlangt einen geschärften Blick auf diese heikle Thematik. Wir werden diesbezüglich eine klare und strikte
Politik betreiben. Wer zu zweit auf die Toilette geht, wird freundlich aber bestimmt aus dem Club begleitet und hat für diese Nacht keinen Zutritt mehr. Der Club ist bereits Mitglied bei Safer-Clubbing – eine Mitgliedschaft bei Vegas wird angestrebt.
Kris: Gerade auf diesen Punkt werde ich als Neuling beim Laby ganz häufig angesprochen. Ich bin mir der Gefahren und Problematik durchaus bewusst. Was wir tun können, ist einer klaren Linie zu folgen. Es wird weder Konsum noch Handel von Drogen toleriert.
Dennoch ist jeder für sein Tun selber verantwortlich. Wir können jedoch auf keinen Fall mitverantworten, dass fahrlässiges Verhalten Einzelner unserer Gäste oder dann uns als Macher in unangenehme Situationen bringt. Es steht für uns alle einfach zu viel auf dem Spiel.
Das Gerücht, dass das Gebäude an der Pfingstweidstrasse in absehbarer Zeit abgerissen wird, hält sich hartnäckig. Was sagt ihr dazu?
Luca: Nach eingereichten Rekursen und Einsprachen im Jahr 06, läuft der ausgehandelte Vertrag nun erst am Ende 2010 aus. Bis dorthin steht uns das Lokal zu 100% zur Verfügung. Alles was danach kommt, ist rein spekulativer Natur.
Wie geht es mit dem Lotus Club einher, dass er jetzt wieder zum Labyrinth wird?
Reto: Niel ist auf mich zugekommen, als der Club im November `07 unerwartet wieder zur Disposition stand. Die Idee, das Labyrinth zurückzubringen, stand schnell. Wir haben miteinander hart verhandelt und am Ende einen für alle Beteiligten guten und fairen Weg gefunden. So sind wir heute wieder im Mehrheitsbesitz des Clubs. Aus politischen und strategischen Gründen bleibt der Location-Name Lotus aber weiterhin bestehen.
Stichwort Musik: Werdet ihr am alten Musikkonzept festhalten oder erwartet uns eine Neuerung?
Kris: Neu sind DJs wie z.B. Monoteque, Sadock und Angel O mit dabei. Wir sind gespannt, wie das Publikum auf sie reagieren wird. Wir setzen zum einen auf den guten, alten Laby-Style – gleichzeitig wollen wir aber neue Akzente setzen. Was gefällt, entscheiden am Schluss jedoch immer unsere Gäste.
Worauf sollen wir uns bzgl. der Laby-Wiedereröffnung besonders freuen?
Peter: Jeder freut sich wohl auf etwas anderes. Viele sicherlich auf die Location im Rikag-Gebäude. Andere auf das Wiedertreffen der Laby-Familie. Freude kommt sicherlich auch beim Gedanken auf, zu den beliebten Laby-DJs gemeinsam «abzurocken».
Ich persönlich freue mich auch ganz besonders darauf, dass DJ massivan von Ibiza anreist, um uns die Ehre zu erweisen. Einige freuen sich über die neuen Macher Reto und Kris und hoffentlich auch einige auf Luca und mich – (lächelt verlegen).
Luca: Ich freue mich, dass es mit dem Labyrinth weitergeht, dass wir zurück in die Location können, von der wir mit schwerem Herzen weggegangen sind – der Wegzug war eine Flucht nach vorne, da die Verhältnisse dermassen unklar waren, sprich: Keiner konnte uns sagen, wann das Gebäude abgerissen wird. Diese Frage hat sich ja jetzt zum Glück geklärt.
Gebt uns ein paar Stichworte, wie ihr das neue-alte Laby beschreiben würdet.
Reto: Menschlich, freundlich, tolerant, happy, sexy, sauber, verrucht und innovativ.
Peter: Schwul ist cool und ein wenig bi schadet nie. Heterosexuell ist nicht normal, sondern nur häufig.
Kris: Phantasievoll, tolerant, bisexy.
Luca: «Back to the roots» zum einen – zum anderen «Panta Rei» (alles im Fluss) – es gibt viele neue Leute in der Partyszene, die bei uns herzlich willkommen sind, das Labyrinth künftig mitprägen zu können.
Herzlichen Dank für das Interview und viel Glück mit der Wiedereröffnung des Labyrinths! Ich selber freu mich mit euch.
Artikel: Martin Ender
Interview & Text: Rolf Burkhardt
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