Zum 11. Mal Pink Apple
In Zürich und Frauenfeld werden über 5000 Kinobesucher erwartet

Das grösste und wichtigste schwul-lesbische Filmfestival der Schweiz startet nach der erfolgreichen Jubiläumsausgabe im letzten Jahr in das zweite  Jahrzehnt. Einen Programmschwerpunkt bildet an der diesjährigen Ausgabe von Pink Apple das Thema «Schwule und Lesben mit Kindern».

Im Januar hat der Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg einer lesbischen Französin das Recht auf Adoption zugestanden. Die Diskussion um die Adioption für gleichgeschlechtliche Paare ist in Gang gekommen. Von einer internationalen Rechtsgleichheit nur schon in Europa sind wir weit entfernt. Im Partnerschaftsgesetz der Schweiz ist die Adoption ausdrücklich untersagt. Nun macht sich hierzulande die Zürcher Juristin Eylem Copur für die Sache stark. Sie hat das Thema in ihrer Doktorarbeit behandelt. Dabei hat sie festgestellt, dass in der Diskussion um die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren die Interessen der Kinder, die in diesen Paargemeinschaften leben, vergessen werden. Es geht fast immer um Fragen der sexuellen Orientierung oder um den Schutz der Ehe, aber sehr selten um das Wohl der Kinder. Die Juristin erklärt: «Meine Argumentation unterscheidet sich von der des Gerichts in Strassburg. Dort wurde entschieden, der Ausschluss der Adoption sei diskriminierend für die lesbische Frau. Ich sage, der Ausschluss der Adoption ist diskriminierend für das Kind.»

Die grosse Anzahl neuer Film-Produktionen zum Aspekt «Schwule und Lesben mit Kindern» zeigt, dass der Wunsch nach Kindern, das Recht auf Adoption und der Zugang zu Fortpflanzungsmedizin ein schwelendes gesellschaftliches Thema ist. Filmemacher wie Filmemacherinnen haben sich in den letzten Jahren gleichermassen stark dem Thema angenommen. Pink Apple zeigt eine ganze Reihe davon und das Spektrum der Filmsprache reicht von der leichtfüssigen Komödie in hollywoodscher Manier (Breakfast with Scot), über die bewegende Dokumentation (Daddy’s Love) bis zur überdrehten Grossstadtkomik (Tick Tock Lullaby).
Aber auch andere Themen aus dem weiten Universum von lesbisch, schwul und Transgender stehen auf dem Programm. In 76 Filmen aus 24 Ländern bietet das schwullesbische Filmfestival Pink Apple einen schillernden Quer- und Einblick, was sich auf der Welt so tut und tummelt: von den Schwulen in Taipeh bis zu den Lesben in Südafrika, von der Vision der frei schwebenden Geschlechter bis hin zum Coming-out, von den Tagträumen verliebter Prinzessinnen bis zu den herben Enttäuschungen verlassener Cowboys.

Pink Apple
30. April – 7. Mai in Zürich
8. Mai bis 12. in Frauenfeld
Programmübersicht und Infos: www.pinkapple.ch

 

Im Folgenden drei Highlights zum Schwerpunktthema

Breakfast with Scot

«Breakfast with Scot» ist eine warmherzige Komödie aus der heutigen Zeit über drei, die beschliessen, eine Familie zu sein. Erics ganze Passion gehört dem Hockey-Sport. Nachdem er seine aktive Karriere als Spieler bei den Toronto Maple Leaf ehrenvoll beendet hat, bekommt er das Angebot als Sport-Kommentator fürs Fernsehen zu arbeiten – ein Kindheitstraum für den Mitdreissiger! Ausgerechnet jetzt eröffnet ihm sein Partner Sam, dass sie für einen kleinen Jungen die temporäre Elternschaft übernehmen sollen. Erics schön eingerichtetes Leben gerät ziemlich ins Wanken. Als der 11-jährige Scot bei ihnen einzieht, ist der Kleine mit seiner Vorliebe für rosa Kleidung und wohlriechende Crèmes doch das exakte Gegenteil von Sportskanone Eric. Gemeinsam mit Sam versucht er, «Sohn» Scot zum Mann zu erziehen – natürlich mit Hockey. Doch nach dem ersten Spiel, das als wahres Desaster endet, fängt sich Eric ernsthaft an, Gedanken zu machen. Welche Kompromisse ist er selber als Kind eingegangen, bloss um akzeptiert zu werden und der Norm zu entsprechen?

Spielfilm von Laurie Lynd
(Kanada 2007) Schweizer Premiere

Daddy’s Love

Eine anrührende Geschichte aus dem wahren Leben über einen Mann, der sich über alle Konventionen und Vorbehalte hinwegsetzt und seinen Traum lebt: Vater sein. Kenneth ist 26, lebt in einem norwegischen Kaff und wird bald Vater. Allein erziehender Vater. Kenneth ist schwul und nach diversen Beziehungen, zahlreichen Auseinandersetzungen mit seinen Partnern und mit seiner Familie über Lebens- und Liebesvorstellungen, hat er beschlossen, sein Wunschkind alleine grosszuziehen. In Kansas (USA) hat er eine «Leihmutter» gefunden. Er holt seinen Sohn ab. Zurück in Norwegen beginnt sein Leben als Single-Vater. Der Dokumentarfilm wirft eine Reihe von brennenden gesellschaftspolitischen und ethischen Fragen auf über menschliche Bedürfnisse und Rechte, (Eltern-)Liebe, Vorurteile, künstliche Befruchtung etc. Er zeigt aber auch eindrücklich die emotionalen Seiten, die ambivalenten Gefühle von allen Beteiligten.

Dokumentarfilm von Mette Aakerholm (Norwegen 2007)
Schweizer Premiere

Finn’s Girl

Finn lebt glücklich mit ihrer Partnerin Nancy und ihrer gemeinsamen Tochter Zelly zusammen, als Nancy plötzlich stirbt. In ihrer Trauer stürzt sich Finn fortan in ihre Arbeit als Ärztin – und vergisst darob fast, dass sie noch eine Tochter hat. Eine Affäre mit einer Arbeitskollegin, die pubertierende Zelly sowie handfester Ärger mit fundamentalistischen Demonstranten halten sie auf Trab. Weil diese es auf Nancy abgesehen haben, kriegt sie Polizeischutz – und da tritt Polizeioffizierin Diana in ihr Leben...

Spielfilm von Dominique Cardona/Laurie Colbert (Kanada 2006)