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Jetzt nur nicht schlapp machen
Der dritte Monat der Aktion «Mission Possible» steht an
Schon sind zwei Monate der Aktion «Mission Possible» vorbei. «Das Interesse der Gay Community ist gross, wie die vielen Besucher und Reaktionen auf www.missionp.ch beweisen», lässt die Aids-Hilfe Schweiz verlauten. Und natürlich stellt sich auch schon die Frage, wie es mit der Prävention nach den drei Monaten weitergehen soll.
Noch einen Monat durchhalten
«Jetzt nur nicht weich werden» lautet jetzt die Parole. Damit ruft die Aids-Hilfe Schweiz alle Schwulen auf, noch bis zum 1. Mai konsequent die Safer-Sex-Regeln einzuhalten. Gelingt dies, kann die HIV-Epidemie bei schwulen Männern deutlich gebremst werden. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es das Mitmachen von jedem Einzelnen.
Wie geht es weiter im Mai?
Auch wenn es nach der Safer-Sex-Aktion weniger schwule Männer mit einer hoch ansteckenden Primoinfektion gibt, bei ungeschütztem Sex kann man sich immer noch mit HIV anstecken. Safer Sex bleibt deshalb wichtig, solange man den HIV-Status (den eigenen und den des Partners) nicht mit Sicherheit kennt. Wird das nicht beherzigt, wird die Situation sehr schnell wieder impossible!
Genau das will die Folgeaktion im Mai mit dem Slogan «Jetzt will ich’s wissen» verhindern. Für alle, die bei «Mission Possible» mitgemacht und die drei Monate Safer Sex eingehalten haben, ist dann ein idealer Zeitpunkt, um über die eigenen Schutzstrategien nachzudenken und sich Klarheit über ihren HIV-Status zu verschaffen. Nach wie vor dauert es nämlich drei Monate, bis nach einer Risikosituation eine HIV-Infektion durch einen Test mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann.
Die Aids-Hilfe Schweiz will deshalb schwule Männer animieren, ihre Safer-Sex-Strategien kritisch zu hinterfragen und sich zu überlegen, ob eine Beratung und ein HIV-Test Sinn machen. Eine neue Broschüre und www.missionp.ch werden über diese Themen informieren. Ein Gutschein für eine kostenlose, anonyme Beratung mit HIV-Test soll dafür eine weitere Motivation sein. Also: Augen offen halten und die Chance ergreifen! Selbstverständlich berichten wir auch in der nächsten Ausgabe detailliert über die neue Aktion.
Von Martin Ender
Aktuell erlebt
Hiobsbotschaften
Es lag gerade mal eine halbe Stunde zwischen den zwei Telefongesprächen. Meine Frage «Wie geht’s?» wurde beide Male nicht mit dem üblichen nicht weiter darauf eingehen wollenden «Danke, gut» beantwortet. Die Antworten waren: «Wenn nur diese Fahrt mit dem Velo nicht gewesen wäre» und «Beschissen, wenn ich ehrlich bin».
Im ersten Fall bekam ich eine grausliche Geschichte zu hören. Mein Gesprächspartner fuhr mit dem Velo nach Hause, sauste an einem Container vorbei. Ein Brett ragte über den Container-Rand hinaus, genau auf Kopfhöhe. Schrammen, Schmerzen, das Gesicht Blut überströmt. Ich sehe die Situation vor mir und mir fährt’s bei der Schilderung eiskalt den Rücken runter.
Im zweiten Fall bekam ich eine erschütternde Geschichte zu hören. Der Mann vertraute mir an, dass er eben den Befund erhalten habe: «HIV positiv». Ja, er hätte schon ein wildes Leben geführt. Aber, dass ausgerechnet ihm das passieren müsse. Und gerade jetzt, wo er doch so viele Pläne hatte... Seltsam, diesmal fährt’s mir nicht kalt den Rücken runter. Ich bin zwar erschüttert, aber ruhig. Versuche das Richtige zu sagen.
Später kreisen die Gedanken. Warum ausgerechnet er!? Weiss man denn als Mann um die dreissig nicht, was Sache ist? Warum um Himmels willen hat er nicht besser aufgepasst. Ich will keinen Zeigefinger erheben. Nein, ich bin traurig, dass einer mehr in meinem Bekanntenkreis mit diesem Befund sich zurechtfinden und leben muss. Und ich komme ins Grübeln. Auch über meine Arbeit. Ich stehe kurz davor, in Fatalismus zu fallen: Was nützt die ganze Anstrengung der Aids-Hilfe mit all den Präventionsbemühungen. Soll ich überhaupt noch was zu dem Thema schreiben, über das am liebsten nicht geredet wird? Liest das denn überhaupt jemand? Es ist bedrückend, erleben zu müssen, wie andere in eine Krise stürzen – egal, wo das Verschulden auch immer liegen mag. An jenem Tag stellte ich keinem mehr die Frage «Wie geht’s?». Aber ich frage mich, warum lässt einen die Schilderung eines Unfalls mit blutigem Schädel mehr erschaudern, als die Nachricht: «ich bin HIV positiv»? Eigentlich eine perverse Reaktion, denn mit den Schrammen am Kopf wird der Körper irgendwann fertig. Mit dem HI-Virus nie.
Später rapple ich mich wieder auf. Nein, jetzt nur nicht schlapp machen. Jetzt wo die «Mission possible», von der ich überzeugt bin, dass sie eine Trendwende bei den steigenden Infektionszahlen bringen wird, bald erfüllt ist. Und ich freue mich über jede Nicht-Ansteckung, die «Mission Possible» mit sich bringt und bringen wird. Ich möchte nicht wieder eine solche Hiobsbotschaft erhalten. |