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Belästigung im Chat
Die Anonymität des Internets verleitet manche User zu ungebührlichem Verhalten.
Beschimpfungen oder Vulgaritäten via Kurzmitteilung: Chat-Plattformen für Schwule im Internet werden auch dafür missbraucht. Solange der Belästiger keine Drohungen ausspricht, können Opfer und Betreiber nicht viel unternehmen.
Begonnen hatten die Belästigungen vor ungefähr zwei Jahren: Ein User meldete sich auf der Chat-Plattform Gayromeo ständig via Kurzmitteilung bei Roland, 34 (Name von der Redaktion geändert), um ihn grundlos vulgär zu beschimpfen. Roland blockte den entsprechenden User, damit dieser ihm nicht mehr schreiben konnte. Doch der Unbekannte löschte dann einfach sein Profil, kehrte nach ein paar Tagen mit einem neuen zurück und die Beschimpfungen begannen von vorne. Weitere Konsequenzen hatten die Belästigungen nicht, aber es war eine unschöne Erfahrung: «Man fühlt sich einfach beobachtet zeitweise, sei es zuhause am PC oder im Ausgang, das ist nicht schön», sagt Roland zum Cruiser.
Wenn das Blockieren nicht reicht
«In den meisten dieser Fälle genügt die Blockier-Funktion, um einen User davon abzuhalten, einen anderen ungebührend durch Kurzmitteilungen zu belästigen», sagt dazu Sebastian Schütz, Leiter Administration und Payment bei der Gayromeo-Betreiberfirma Planetromeo in Amsterdam. Die Blockier-Funktion könne auch nicht dadurch umgangen werden, dass der blockierte User seinen Usernamen ändere, denn geblockt werde die Nummer des Profils, so Schütz weiter. Die einzige Möglichkeit bestünde folglich darin, ein neues Profil anzulegen – wie es auch im oben geschilderten Fall geschehen ist. «In einem solchen Fall von hartnäckiger Belästigung sollten Benutzer uns diese melden», so Schütz. Dafür stehe unter der Rubrik «Help & Service» auf der Gayromeo-Hauptseite ein spezielles Kontaktformular zur Verfügung. Nur dann könnten die Betreiber selber aktiv werden, den Belästiger verwarnen oder sein Konto löschen.
Anzeige erstatten in ernsten Fällen
Schwieriger wäre es, einem Belästiger im Internet wirklich habhaft zu werden, denn persönliche User-Daten werden unter keinen Umständen an einen anderen Benutzer weitergegeben: «Persönliche Informationen werden einzig auf richterliche Anordnung an Straverfolgungsbehörden weitergegeben», sagt Schütz. Verbale Belästigungen – und wären sie noch so deftig und mühsam – würden einen solchen Tatbestand nicht erfüllen, vielmehr müsste das Leben eines Users in Gefahr sein, wozu es nach dem schweizerischen Strafgesetz mindestens einer ernsthaften Drohung bedürfte. Das Phänomen von Belästigungen ist bei Gayromeo zwar bekannt, es handle sich aber nicht um etwas Häufiges: «Verglichen mit der Gesamtzahl von Profilen, die es auf unserer Seite gibt, handelt es sich um ein eher seltenes Phänomen. Wir erhalten nicht viele solche Beschwerden», so Schütz. Dennoch verleite das Medium Internet verschiedene User zu ungebührlichem Verhalten: «Manche Menschen glauben, dass sie im Internet völlig anonym sind und verlieren deshalb ihre Hemmungen». Meistens genüge eine Verwarnung seitens Gayromeo oder die Löschung des Accounts, um solches Verhalten zu unterbinden. «In den seltenen Fällen, in denen aus Belästigungen über den Chat plötzlich Stalking wird, können wir den Opfern auch nur raten, in ihrem Land zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten», sagt Schütz.
Seltenes Phänomen bei Boysworld
Das Phänomen Belästigungen ist auch bei der Boysworld-Betreiberfirma New Connection bekannt, wie Geschäftsführer Remo Ninghetto zum Cruiser sagt: «Auch bei uns besteht die Möglichkeit, einen belästigenden User zu sperren oder uns einen solchen User mit einem Kontaktformular zu melden». Zu finden seien diese Funktionen unter «Optionen» im Profil-Fenster. Belästigungen seien bei Boysworld wohl aber etwas seltener als bei der Konkurrenz: «Wir bekommen sehr selten entsprechende Meldungen. Wenn dies doch einmal der Fall ist, schreiten wir ein und verwarnen den entsprechenden User», so Ninghetto. Zugleich werde der User bei Boysworld auf einen Überwachungs-Status gesetzt und im Wiederholungsfall der Plattform verwiesen. In solchen Fällen verhindere das System sogar künftige Neuregistrierungen für eine gewisse Zeit. Zum Schutz der seriösen Benutzer habe man die Funktion «verifizierter User» eingeführt, was bedeute, dass der Benutzer den Betreibern bekannt sei und diese wüssten, wer genau hinter dem Profil stecke, wo er wohne und wie er kontaktiert werden könne. In einem solchen Fall könne die Betreiberfirma mit dem Benutzer in Konakt treten und ihn allenfalls auch auf die strafrechtlichen Folgen seines Tuns aufmerksam machen: «Dies war bis anhin aber erst einmal der Fall, als ein User einen unserer Escorts mehrmals vergebens anreisen liess und nicht erschienen ist», so Ninghetto. Auch Boysworld gibt grundsätzlich keine Daten an Dritte weiter. Ausgenommen davon seien gerichtliche Anordnungen im Falle einer Straftat.
Von Boris Schneider |