Ungewisse Zukunft für die Männernacht
Die April-Ausgabe der beliebten Partyreihe Shaft musste abgesagt werden

Seit bald fünf Jahren organisiert ein eingespieltes Fünferteam die Shaft-Männernacht an der Albula-strasse. Ob die nächsten Parties stattfinden können, steht derzeit noch nicht fest. Das Labitzke kämpft gegen Lärmklagen eines Anwohners.

No dick, no entry: Der Slogan, der die Shaft-Männernacht im alten Club Aera an der Albulastrasse von Anfang an begleitete, ist fast bekannter als die Party selber. Unklarheit herrscht heute im Team darüber, auf wessen Konto der freche Spruch geht, denn mehrere Mitglieder beanspruchen die Autorenschaft. Diesen Herbst kann die Männernacht ihr fünfjähriges Jubiläum feiern. «Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir es so lange durchziehen», sagt Dominique, der unverändert zusammen mit Michael, Stefan, Mike und Stephan das Team bildet. Entscheide fällen die fünf streng demokratisch im Plenum. So dauert es auch ein paar Tage, bis feststeht, ob sie für ein Gespräch zur Verfügung stehen.
Die Idee zur Shaft-Männernacht entstand im Jahr 2003. Weil das Aera immer mehr Heteros anzog und dort vorwiegend Minimal Techno gespielt wurde, sollte mit der Shaft-Party einmal monatlich der alte schwule Aera-Groove weiterleben. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten: «Einmal im Monat funktioniert diese Party super. Offenbar gibt es das Bedürfnis nach einer reinen Männernacht», sagt Dominique. Dass die berühmten «besten Freundinnen» an diesem Samstag nicht mitdurften, mag anfänglich zu Irritationen an der Tür geführt haben, doch gleichzeitig ist es auch das Alleinstellungsmerkmal, das den ganz besonderen Reiz der Shaft-Parties ausmacht.

Probleme mit dem Labitzke
Als das Aera Mitte 2004 definitiv seine Tore schloss, betrieb ein neuer Besitzer das Lokal als Club Labitzke weiter. Weiterhin durfte die Shaft am ersten Samstag im Monat stattfinden. Im Herbst 2006 begannen dann die Schwierigkeiten: Die Stadtpolizei ging konsequent gegen Darkrooms vor. Auch die Shaft blieb davon nicht verschont. Dann kamen die We-love-Sunday-After-Hours im Club Labitzke, und mit ihnen auch ein Publikum, das die Aufmerksamkeit der Stadtpolizei erregte. Als dann im letzten Frühling eine Razzia durchgeführt wurde, musste die Shaft-Party an Ostern wegen der temporären  Schliessung ausfallen. Und auch in diesem Jahr gab es bereits wieder eine Absage: Die Party Anfang April fiel aus, weil der Club gegenwärtig wegen einer hängigen Lärmklage geschlossen ist. Zwar wurde dem Besitzer im letzten Moment noch eine Bewilligung für die Shaft erteilt – allerdings ohne Musik. «Die Genehmigung für eine Party ohne Musik ist in unseren Augen keine Genehmigung», sagt Dominique. Der Frust beim Team ist gross: «Wir haben uns vorbereitet, haben Werbung gemacht und die Leute freuen sich. Wenn dann im letzten Moment der Stecker gezogen wird, ist das schon schade», sagt Michael. Ob die Shaft-Party Anfang Mai stattfinden kann, steht derzeit in den Sternen.

Ungewisse Zukunft
Sollten die Probleme im Club Labitzke andauern, könnte die Männernacht an eine andere Location ziehen. Doch die Begeisterung darüber hält sich in Grenzen: «Wenn das Labitzke zugehen sollte, machen wir nur woanders weiter, wenn sich etwas ergibt. Wir suchen nicht aktiv nach einem anderen Ort», sagt Dominique. Wie man am Beispiel des Labyrinths gesehen habe, sei es auch schwierig, eine Partynacht oder einen ganzen Club zu zügeln. Kaum ein Zürcher Club wäre zudem bereit, samstags auf den Einlass von Frauen zu verzichten und auch in Sachen Darkroom dürften Schwierigkeiten auftauchen, ist Dominique überzeugt. Das auch als DJ Mystic Trap bekannte Shaft-Team-Mitglied bedauert, dass die Situation mit den Zürcher Behörden so angespannt ist: «Ich finde es schade, dass nicht differenziert wird. Schlägereien und Pöbeleien, die Probleme im Zürcher Nachtleben sind, gehen nicht von einem schwulen Publikum aus», sagt er. Die Stadt täte gut daran, bei der Polizei eine Ansprechstelle speziell für schwule Anliegen zu schaffen.

Aufhören oder weitermachen
Am 7. Juni soll eine Shaft Sportswear-Party zu Ehren der Euro 2008 stattfinden. Auf eine CSD-Party verzichten die Shaft-Männer in diesem Jahr, zumal auch der CSD wieder eine eigene Party angekündigt hat. Überhaupt: Wie lange es mit der Männernacht noch weitergeht, ist nicht nur wegen den anhaltenden Schwierigkeiten im Club Labitzke ungewiss. «Nach all den Jahren und Schwierigkeiten haben wir die Nase ziemlich voll», sagt Dominique. Alle Team-Mitglieder haben Jobs, die Parties organisieren sie in ihrer knappen Freizeit. Mit zunehmendem Alter setzen sie auch andere Prioriäten. Es gilt also, sich auf jede Shaft-Party zu freuen, als könnte es die letzte sein. Und den sympathischen Männern, die diese Party seit bald fünf Jahren ermöglichen, auf die Schulter zu klopfen, sich für ihren Einsatz zu bedanken und sie dazu aufzufordern, noch eine gute Weile weiterzumachen.