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Gay Pride’08 Biel
Die grösste zweisprachige Schweizer Stadt empfängt die Pride’08 mit offenen Armen
Im Gegensatz zum CSD in der Deutschschweiz, der Jahr für Jahr in Zürich stattfindet, geht die Pride in der Romandie auf Tour, von Kanton zu Kanton. Dieses Jahr trifft Mann und Frau sich zum Demonstrieren und Feiern in Biel.
Vor zehn Jahren wurde erstmals eine Gay Pride in der Romandie aus der Taufe gehoben. Seither führt jedes Jahr eine andere Stadt diese Veranstaltung durch. Im vergangenen Jahr haben die Organisatoren die Pride abgesagt, weil in der Stadt Freiburg viele andere Veranstaltungen stattfanden, wie beispielsweise das 850-jährige Jubiläum der Stadt. Die Pride’08 wird also die 10. Pride der Westschweiz. Die homosexuellen Vereinigungen und Gruppierungen haben die Organisation dieser Jubiläums-Veranstaltung Frauen und Männern anvertraut, die in Biel, dem Berner Jura oder im Seeland wohnhaft sind. Das zweisprachige Komitee besteht aus ungefähr zehn Personen. Die wichtigsten Vorarbeiten sind abgeschlossen. Nach Aussagen der Organisatoren empfängt die Stadt Biel die Pride’08 mit offenen Armen: «Nicht einen Moment haben die Bieler Behörden gezögert, dem Organisations-Komitee der Veranstaltung grünes Licht zu geben.» Ganz im Gegensatz zur Pride 2001 in der Bischofsstadt Sion. Damals stiessen die Veranstalter im christlich-konservativen Wallis auf erbitterten kirchlichen und behördlichen Widerstand. Ein gutes hatte diese Aufregung: Es gab eine riesige Welle von Presseberichten auch in der ganzen deutschen Schweiz.
Im Herzen des Drei-Seen-Landes
Als grösste zweisprachige Stadt ist Biel ein Brückenbauer zwischen der deutschen und französischen Schweiz. Daher wird die Pride’08 den Elan dieser in der Romandie initiierten Veranstaltung in die ganze Schweiz tragen. In den vergangenen Jahren nahmen jeweils ungefähr 5000 Personen jährlich an der Pride teil, ohne die Abertausenden einheimischer Zuschauer und Zuschauerinnen zu zählen. Biel hofft durch seine Lage im Herzen des Drei-Seen-Landes, auf der Verkehrsachse Genf-Zürich, in der Nähe von Bern und Basel, auf noch mehr Teilnehmer und will die Begegnung zwischen Romands und Deutschschweizern, zwischen lesbischen, schwulen, bi- und heterosexuellen Menschen aus der Region, der gesamten Schweiz und sogar aus dem Ausland fördern. Unter dem Motto «Mitenand» will man in Biel zueinander finden.
Schwule und Lesben im Sport
Die Bieler Pride nimmt sich dem von den Dachorganisationen Pink Cross und LOS gewählten Thema des Jahres «Schwule und Lesben im Sport» an. Es ist kein Zufall, dass gerade dieses Thema für das Jahr 2008 ausgesucht wurde. Das Jahr, in dem Österreich und die Schweiz die Fussball-Europameisterschaft empfangen, und Peking die Olympischen Sommerspiele durchführt.
Biel als Sportstadt mit der Eidgenössischen Sportschule in Magglingen und als Host City einer UBS-Arena ist der ideale Ort, um Tabus und Vorurteilen die gelbe respektive rote Karte zu zeigen. Das Engagement von Lesben und Schwulen im und für den Sport ist ebenso gross wie von heterosexuellen Personen. Trotzdem bleibt Homosexualität in diesem Bereich ein Tabu. Die Angst, ausgeschlossen und verunglimpft zu werden, ist präsent. Im Spitzensport müssen homosexuelle Athleten zudem damit rechnen, ihre Sponsorenverträge und / oder Arbeitsplätze zu verlieren. Es ist somit nicht verwunderlich, dass praktisch keine Spitzensportler ihre Homosexualität öffentlich gemacht haben.
Im Breitensport bleibt ebenfalls viel zu tun. Bei den Jugendlichen muss einer von vier Suiziden im Kontext von Homosexualität gesehen werden. Für ein positives Coming-out gehört für junge Lesben und Schwule unter anderem die Gewissheit, dass sie nicht aus ihren Sportvereinen ausgestossen werden.
Prominenter Brückenbauer
Es braucht also noch viele Brückenschläge und viel «Mitenand». Biel freut sich darum ganz besonders, dass Stephan Weiler, Mister Schweiz 08, am 21. Juni an der Gay Pride präsent sein wird und sich somit solidarisch mit den Anliegen der Schwulen und Lesben zeigt. Das Motto «Mitenand» gewinnt damit eine ganz besondere Bedeutung.
Von Martin Ender |