Das Laby zieht Bilanz
Die Macher schauen auf ein bewegtes, erfreuliches erstes Halbjahr zurück

Am 8. 8. 08 ist es exakt sechs Monate her, seit das Labyrinth nach beinahe zweijähriger Schliessung wiedereröffnet wurde. Zeit, um Bilanz zu ziehen. Mit einer Nacht der besonderen Klasse wird das erste Halbjahr gefeiert. Und dies einen Tag vor der Street Parade.

Die Macher, vier an der Zahl, schauen auf ein bewegtes, erfreuliches erstes Halbjahr zurück. Die Party-Zeiten in der Stadt Zürich haben sich verändert. Dessen waren sie sich bereits bei der Wiedereröffnung des Clubs bewusst: Die Stadt diktierte den Betreibern strengere Auflagen, die Partyszene schien in alle Winde  verstreut. Fraglich war auch, ob etwas, was für eine bestimmte Ära gut und richtig war, beim Publikum erneut auf Resonanz stossen würde. Der gelungene Neustart wird nun am 8. August gefeiert: DJ Kasey Taylor aus Australien wird dabei sein; frisch Vermählte, egal, ob schwul oder hetero, werden eingeladen, ihre Nacht bei Gratis-Prosecco im Laby zu verbringen und ein Auftritt des Live-Acts Craze wird die Nacht bereichern.

Rolf Burkhardt hat für den Cruiser mit Reto Frey, einem der neuen Macher, ein Gespräch geführt:

Rolf Burkhardt: Sechs Monate sind seit der Wiedereröffnung des Labyrinths vergangen – wurden bis jetzt eure Erwartungen bzgl. Besucherzahlen erfüllt?
Es gibt eine Menge Leute, die haben uns seit der Wiedereröffnung noch nicht besucht, glauben jedoch, der Laden sei eh immer zum Bersten voll. Das stimmt so nicht: Wir arbeiten hart daran, unser Publikum zu erreichen. Meist schaffen wir‘s auch, ganz vernünftige Besucherzahlen hinzukriegen. Aber von nichts kommt nichts. Besonders freut uns, dass das Laby an besonderen Anlässen, wie z.B. dem CSD, nach wie vor als die erste Adresse gilt, wo die Nacht hindurch gefeiert wird. Der Ansturm war riesig, die Stimmung gigantisch. So auch am ‚Frühlingserwachen’ oder am Pfingstsamstag. An «normalen» Wochenenden würden wir uns jedoch über etwas mehr Besucher freuen.

Hat denn das Laby an Sogkraft verloren? Oder woran liegt es?
Nein. Im Gegenteil. Wir gehören nach wie vor zu den Gewinnern auf dem Platz Zürich. Wenn wir unsere Besucherzahlen sowie die Clubkultur, wie sie in unserem Laden gelebt wird, mit anderen vergleichen, können wir uns nach wie vor glücklich schätzen. Das Laby geniesst noch immer einen starken Namen, bei dem man weiss, was einen an einem Wochenende erwartet. Dementsprechend verhält sich bei uns das Publikum – das wiederum wirkt sich auf die Stimmung im ganzen Labyrinth aus – und die ist friedvoll, offen und gut gelaunt.

Das Thema «Club und Drogen» reisst nicht ab. Nach der Wiedereröffnung habt ihr eine strengere Handhabe proklamiert (wer zu zweit auf der Toilette erwischt wird, fliegt raus / wer komatös im Sofa hängt, wird von den Securities aufgegriffen / Handel und Konsum von Drogen absolut tabu). Ist dies überhaupt möglich?
Wir sind sehr froh darüber, dass sich die meisten unserer Gäste absolut bewusst sind, dass es sich im Laby nicht um einen rechtsfreien Raum handelt. Bei Situationen, in denen wir streng durchgreifen müssen, sind die Widersacher meist nicht aus Zürich. Die Zürcher scheinen wirklich dazugelernt zu haben. Die städtische Präventionsarbeit sowie unsere strickte Handhabe, scheinen Früchte zu tragen.

Gab es denn auch schon brenzlige Situationen? Peter und Luca sind «alte Club-Hasen», die vermutlich jeder Situation gewachsen sind. Wie steht es mit dir und Kris, den beiden Neulingen im Team?
Für mich ist die Abendleitung jedes Mal eine Herausforderung, um die Sicherheit sowie das Amüsement unserer Gäste zu garantieren. Es gab durchaus mal eine Situation im Anschluss an eine andere Veranstaltung, in der ich am liebsten die Musik abstellen wollte, um in die Runde zu rufen: So, jetzt geht ihr alle heim und schlaft dort euren Kater aus! Solch einen Moment gab es bis jetzt aber erst einmal. Ich hatte einfach Angst, dass die Party aus dem Ruder läuft. Aber es ging schlussendlich doch alles gut. Wie gesagt, das Publikum verhält sich meist diszipliniert. Einzelne Personen, die sich nicht an die Regeln halten, werden von unseren äusserst aufmerksamen Securi-ties freundlich, aber bestimmt aus dem Lokal verwiesen.

Wie steht es um die Musik. Ist es noch immer der gute, alte Labysound, der die Leute verzückt, oder haben eure angekündigten Neuerungen Platz?
Zum einen ist das Laby das Laby und dem wollen wir auch gerecht werden. Da gehören ein bestimmtes Ambiente sowie die passende Musik, die sich über Jahre hinweg bei unserem Publikum etabliert hat, dazu. Auf der anderen Seite ist es uns wichtig, einen Hauch von London, Berlin und Amsterdam in unsere Räumlichkeiten zu tragen. Nicht, weil wir kopieren wollen, sondern, weil wir von Trends, wie sie dem Joystick oder den Parties im Berghain entspringen, überzeugt sind. Ein Versuch ist es alleweil wert, neue Musik zu bringen. Aber es gibt nun mal so und so viele Gäste, die sich an den musikalischen Neuerungen, die wir sehr dosiert an den Labyraner tragen, stossen. Ich selber finde dazu nur: Ist das nicht ein wenig allzu schweizerisch, sich immer nur das zu Gemüte zu führen, was man eh schon kennt...?

Wie sieht es mit der Aufgabenteilung innerhalb des Teams aus?
Nun, Peter Breitenmoser ist sicherlich derjenige, der nach wie vor am stärksten die Fäden in der Hand hat – und das ist auch gut so. Er kennt das Laby und seine Entwicklung sowie die DJs und unsere Gäste seit über zehn Jahren, während ich aus der Kommunikation «Handgriffe» einbringen kann, die wiederum für Peter und Luca neu sind. Kris ist für Dinge wie Computeranimationen sowie musikalische Inputs zuständig – ich denke, wir ergänzen uns gut.

Wie geht es denn nun weiter? Die ersten 6 Monate sind vergangen – hat euch bereits eine gewisse Sättigung vom Club-alltag eingeholt, oder ist die Euphorie ungebremst?
Ich glaube mal, die heikelste Zeit ist nun vorbei. Von Müdigkeit keine Spur. Erst jetzt kennen wir all unsere Aufgaben, haben dadurch wieder den Kopf frei, weiter nach vorne zu planen, Events zu organisieren, die über den «normalen» Clubbetrieb hinausgehen. Finanziell sind wir so weit so gut drin, dass das eine oder andere Goody, das wir unseren Gäs-ten weitergeben möchten, drin liegt – daher auch das Fest am 8. August, mit dem wir uns bei unseren Gästen bedanken möchten. Des Weiteren steht die Streetparade an – für uns einer der grössten Events, da dieser Samstag im Volkshaus und nicht in unseren eigenen Räumen stattfindet. Die Afterhour am Sonntagmorgen sowie unser Fest am Freitag geben alle Hände voll zu tun.

Auf ein weiteres frivoles, friedvolles, durchtanztes halbes Jahr und alles Gute für die fernere Zukunft. Danke für das Gespräch.
     Interview: Rolf Burkhardt

Für den Samstag im Volkshaus (9.8.08) sowie die Afterhour am Sonntag (10.8.08) wird empfohlen, den Vorverkauf in der Lobby-Bar oder im Lotus-Club zu benutzen. Mit einem Kombiticket (Volkshaus & Afterhour) gibt’s ermässigten Eintritt.

Online-Verkauf: www.starticket.ch
Infos: www.labyrinth.ch