Fabelhafte Ellen
Die erfolgreiche Entertainerin Ellen DeGeneres ist unter der Haube

Amerikas berühmteste Lesbe Ellen DeGeneres heiratete Mitte August ihre langjährige Freundin Portia de Rossi. Ihre Trauung war auch hier eine Schlagzeile wert. Denn die Frau ist als Entertainerin in den Staaten unschlagbar.

In einer romantischen Zeremonie heiratete Ellen DeGeneres Mitte August ihre Freundin, die Schauspielerin Portia de Rossi (Ally McBeal). Sie nutzten das neue kalifornische Recht zur Homo-Ehe. Ein aufsehenerregendes Ereignis in Hollywood, über das auch bei uns geschrieben wurde.
Denn Ellen ist mehr als nur eine Lesbe, sie ist in erster Linie eine fabelhafte Entertainerin. Das amerikanische Publikum liebt sie, obwohl Ellen offen auf Frauen steht. Immer in Hosenanzügen gekleidet, ist sie mehr Kumpel als Glamour-Star. Eine lebendiggewordene Disney-Figur, die nur unterschwellig homosexuelle Züge aufweist, aber dennoch Sympathieträger ist. Eine Parallele, die das Leben Ellen auf den Leib geschrieben hat.

Amerikas berühmtestes Coming-out
Ellen DeGeneres, geboren am 26. Januar 1958 in Louisiana, startete ihre Karriere als Stand-up-Komikerin zu Beginn der 80er Jahre. Ihr komisches Talent führte sie zur Schauspielerei und bereits 1993 erhielt sie die Chance, in ihrer eigenen Sitcom «Ellen» die gleichnamige Hauptrolle zu spielen.
«Ellen» war ein voller Erfolg. Die Story der leicht neurotischen Buchhändlerin Ellen Morgan, die sich in Los Angeles den Tücken des Lebens stellt, hatte Charme und wurde mehrfach preisgekrönt. Ihr Charakter, zunächst heterosexuell angelegt, blieb in Sachen Männer vom Pech verfolgt. Amerikas berühmtestes Coming-out war die Folge. So outete sich die fiktive Ellen als waschechte Lesbe, und mit ihr die reale.
Ellen konnte nun ihr privates Liebesleben einem breiten Publikum präsentieren. Anne Heche (Men in Trees) hiess die Frau der Stunde. Das Paar nutzte jede Gelegenheit, um ihre Liebe zu zelebrieren. Die Beziehung fand jedoch ein unrühmliches Ende. Anne Heche behauptete sich damals als aufstrebende Schauspielerin und ergatterte dank neu gewonnener Medienpräsenz diverse Rollen. Kurz darauf brannte sie mit einem Mann durch (von dem sie mittlerweile geschieden ist).

Als Fisch zum Erfolg
Zum privaten Tief gesellte sich das berufliche. Eine Sitcom mit lesbischem Charakter war dem Sender zu gewagt, weshalb «Ellen» nach fünf Staffeln abgesetzt wurde. Ihre Karriere als Kinodarstellerin kam nicht in die Gänge, die neue Serie «The Ellen Show» fiel beim Publikum durch.
Doch sie ergatterte sich die Moderation der Emmy Awards 2001. Sie war es, die Amerikas Showbusiness mit einem Satz aus der Lethargie der 09/11-Katastrophe riss: «Was könnte die Taliban mehr ärgern als eine lesbische Frau in einem Anzug zu sehen, die von Juden umgeben ist?». Diese Unverfrorenheit gab ihrer Karriere neuen Aufwind.
Ein Jahr später lieh Ellen der Fischdame Dorie im Disney-Welterfolg «Finding Nemo» die Stimme und avancierte zum Publikumsliebling. Dorie und Ellen, das war die perfekte Symbiose. Zumal Dorie eindeutig von Ellen inspiriert war.

Die «Ellen DeGeneres Show»
Diese nutzte die Gunst der Stunde und moderiert nun seit 2003 äusserst erfolgreich die «Ellen DeGeneres Show». Dort lässt Ellen als Moderatorin ihre Erfahrung als Stand-up-Komikerin mit einfliessen. Eine erfolgreiche Kombination.
In ihrer Sendung begrüsst Ellen neben besonderen Menschen die erste Garde Hollywoods. Ellens Geheimnis: Sie gibt sich gerne unbeholfen und witzig, um kurz darauf mit direkten Fragen zuzuschlagen. Selbst Präsidentschaftskandidat John McCain kam nicht drum rum, bei Ellen für sich zu werben, auch wenn er die Rechte Homosexueller mit Füssen tritt. Das Zusammentreffen beider Gegensätze verlief dennoch freundlich.
Längst ist Ellen über die Talkshow hinausgewachsen, als Schauspielerin wird sie bei Fans vermisst. Dennoch bleibt das Fernsehen ihre Domäne. Als Ellen vor zwei Jahren die Oscar-Verleihung moderierte, lachte das Publikum Tränen. Sie selbst erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. Dabei blieb Ellen sich selbst immer treu, auch jüngst an ihrer Hochzeit. Sie trug gemäss «People»-Magazin einen weissen Hosenanzug.

     Von Dani Diriwächter